Vergangenes Wochenende kamen in Deutschland bundesweit Nägel und Klebeband zum Einsatz, denn die Reformbewegung "Maria 2.0" "verlautbarte" mittels Thesenanschlag an Dom- und Kirchentüren ihre Forderungen nach Reformen hin zu einer zukunftsfähigen Kirche.

Sieben Thesen hat "Maria 2.0" auf dem Herzen - also eigentlich auf dem Papier. Und das hängt in A3-Format nun an vielen Kirchen- und Domtüren. Auch Martin Luther soll damals 1517 seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben. Dies sei nach heutigen Erkenntnissen "wohl eher eine Legende, aber seine Thesen haben etwas Großes in Bewegung gesetzt", ziehen die OrganisatorInnen von Maria 2.0 Parallelen.

Die Thesen richten sich an "alle Menschen, die guten Willens sind!" und haben es in sich. Maria 2.0 fordert eine geschlechtergerechte Kirche, in der alle Menschen Zugang zu allen Ämtern haben, sowie die Aufklärung, Verfolgung und Bekämpfung der Ursachen von sexualisierter Gewalt. Darüber hinaus wird eine wertschätzende Haltung gegenüber selbstbestimmter Sexualität und eine Aufhebung des Pflichtzölibats gefordert.

Klerikalismus als "Grundproblem"

Mit „Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche“ oder "der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten" findet Maria 2.0 eine deutliche Sprach. Und zeigt Humor, wenn sie die Thesen auch auf Latein anbietet. „Damit man uns auch in Rom versteht...“ Neugierig geworden? Hier geht es zu den Thesen

Ist die Kirche noch elastisch?

Dass sich die vatikanische Kongregation für die Glaubenslehre in Rom mit „Maria 2.0“ befasse, bezeichnen die Reformerinnen als "einen Ritterschlag": „Es zeigt doch, dass wir einen Nerv getroffen haben.“ Und wie begegnen sie dem Vorwurf die Kirche zu entzweien? „Das mit der Kirchenspaltung ist immer ein Gespenst, das aufgebaut wird, wenn Kritiker sich mit uns befassen. Es heißt ja auch immer, Luther habe die Kirche gespalten, aber das stimmt doch nicht. Gespalten werden die Dinge, die erstarrt sind. Elastische Dinge können Sie nicht spalten.“

Bitte um Geduld

Mit ihrem Thesenanschlag hat "Maria 2.0" auf jeden Fall Aufmerksamkeit auf sich und ihre Anliegen gezogen.  Die Thesen machen in ihrer Schärfe unmissverständlich klar, "wie sehr sich die Konfliktlage in unserer Kirche inzwischen zugespitzt hat", bestätigt zum Beispiel der Generalvikar der Diözese Essen, Klaus Pfeffer: "Dieser Protest muss sehr ernst genommen werden, weil er aus der Mitte unserer Kirche kommt und einer breiten Mehrheit der Gläubigen aus dem Herzen spricht."

Und auch der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, erklärt: "Wir wissen darum, dass es Veränderungen bedarf." Deshalb habe die Bischofskonferenz den Synodalen Weg ins Leben gerufen, um diesen Fragen nachzugehen, so Kopp. Protest sei sicherlich ein legitimes Mittel. "Aber wir können nicht von heute auf morgen die Kirche ändern, sondern müssen das in einem guten und von Vertrauen geprägten Dialog tun", bittet Kopp um Geduld. Die Bischöfe würden sich bei ihrer anstehenden Vollversammlung ausführlich mit dem Fortgang des Synodalen Weges befassen. Die Kirche in Deutschland werde aber bei Fragen von weltkirchlicher Relevanz keinen Sonderweg ohne Rom gehen, so der Sprecher.

Maria 2.0

Die Protestbewegung "Maria 2.0" ist 2019 in Münster entstanden und fordert eine geschlechtergerechte Kirche sowie eine rückhaltlose Aufarbeitung des Missbrauchsskandals. Eine Woche lang führten die Frauen im Mai vor zwei Jahren einen Kirchenstreik durch, um auf die von ihnen kritisierten Missstände hinzuweisen.

Mehr Info: www.mariazweipunktnull.de