Die MHG (Mannheim- Heidelberg-Gießen)-Studie zu sexuellem Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige wurde 2013 von allen 27 Diözesen Deutschlands gemeinsam in Auftrag gegeben. Neben dem Erheben eines Ist-Bildes gibt die Studie darüber hinaus Handlungsempfehlungen – und landete auch in der Kritik.

Am meisten Kritik hagelte es für die Studie wohl für die Tatsache, dass die StudienautorInnen keinen direkten Zugang zu entsprechenden Akten bzw. Akteninhalten hatten. Die Personalakten wurden von diözesanen MitarbeiterInnen nach Anweisungen der StudienautorInnen auf Hinweise auf sexuellen Missbrauch durchgesehen. Dieser rein durch Dritte vermittelte Einblick in die Akten rief Unverständnis und Zweifel hervor – von „Der Zeit“ bis zur „New York Times“. Auch der Theologe und Vatikan-Berater Manfred Lütz nannte die Studie aus diesem Grund „spektakulär misslungen“.

Kritisches las man auch in Zeitschriften wie der „Herder Korrespondenz“, wo der forensische Psychiater Hans-Ludwig Kröber betonte, dass der sexuelle Missbrauch durch Kleriker seit den 1990er Jahren stark zurückgegangen sei. Weitere kritische Stimmen sahen die katholische Kirche hier zu Unrecht an den Pranger gestellt, da sexueller Missbrauch ein in der gesamten Gesellschaft vertretenes Problem sei.

Von der Empfehlung zur Umsetzung

Die auftraggebenden Diözesen selbst bemühten sich in der Folge der Studie, den darin formulierten Empfehlungen zu entsprechen. Als eine Konsequenz der Studie beschloss die Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe 2019 den „Synodalen Weg“, der sich vor allem mit der katholischen Sexualmoral auseinandersetzt. Auch die Entschädigungsverfahren an sich wurden nach den Empfehlungen der Studie überarbeitet. Ebenso wurde eine neue „Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen“ eingerichtet, die über Entschädigungszahlungen für Betroffene in allen deutschen Diözesen entscheidet. Harald Dreßing, einer der Studienautoren selbst, kritisierte die Stelle allerdings als „viel zu spät und völlig unzureichend“.

Ein Kardinal bietet seinen Rücktritt an

In weiterer Folge der MHG-Studie und vor allem auch in Zusammenhang mit dem Aufdecken der Missbrauchsskandale im Erzbistum Köln, bot der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, Papst Franziskus im Mai 2021 seinen Rücktritt an. Der Papst lehnte ihn im Juni ab. Für Kardinal Marx war es dennoch ein wichtiger Schritt. Er habe nach der Präsentation der MHG-Studie gesagt, „dass wir versagt haben“. Danach habe er sich immer gefragt, wer denn dieses „Wir“ sei und gemerkt, dass diese Frage nicht einfach beiseitegeschoben werden dürfe.   

Strafrechtliche Ermittlungen, die in weiterer Folge der Studie eingeleitet worden waren, wurden bis 2020 zum Großteil ergebnislos wieder eingestellt. 

Die Arbeit geht weiter

Allerdings wird im Nachgang der MHG-Studie weiterhin geforscht. Eine Studie, die in Zusammenhang mit der MHG-Studie gebracht werden kann, beschäftigt sich mit dem Dunkel-Feld des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche Deutschlands. Harald Dreßing, selbst Studienautor der MHG-Studie, veröffentliche mit weiteren KollegInnen eine Studie zum zeitlichen Verlauf des sexuellen Missbrauchs. Fazit: Trotz teils intensiver Bemühungen im Bereich der Missbrauchsprävention blieb die Fallzahl auch in den Jahren 2009-2015 relativ stabil. Ein deutlicher Rückgang der Fallzahlen blieb aus.

Bis heute wird in vielen der 27 Diözesen an weiterführenden, auch kleineren Studien gearbeitet. Die Untersuchungszeiträume und mit ihnen die Fallzahlen variieren teils stark.