Nikolaus, Weihnachtsmann oder doch das Christkind - ein kurzer Blick in die Brauchtumskiste reicht, um zu sehen, dass die Grenzen fließend sind. Oder wer von Euch wusste, dass es eigentlich einmal der Nikolaus war, der die Geschenke brachte, während es zu Weihnachten schlichtweg nichts gab...?

Eigentlich, ja eigentlich war es einmal so, dass die schöne Bescherung nicht zu Weihnachten stattfand, sondern schon viel früher - am 6. Dezember. Und der Heilige Nikolaus war der, der die Geschenke in die Häuser brachte. Diese Tradition geht auf uralte "Einlegebräuche" zurück. Einlegen deshalb, weil oft nur ein Teller oder ein Stiefel aufgestellt wurden, die der Nikolaus dann über Nacht befüllte. Seinen Ursprung hat diese Kombination in der Legende, in der Nikolaus drei Schwestern rettet, indem er in der Nacht Gold durchs Fenster in ihr Zimmer wirft.

Socken vom Nikolaus

Erst infolge der Reformation wanderte die Bescherung allmählich in Richtung Weihnachten bzw. Weihnachtstag und wurde vom "Christkind" abgelöst. Der (amerikanische) Weihnachtsmann, der in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember die Schuhe und Socken mit Geschenken füllt, erinnert bis heute an den Nikolaus und den ursprünglichen Brauch.

Lob und Tadel

Warum der Heilige Nikolaus oft nicht nur als Gabenbringer, sondern auch als jener gesehen wurde, der Lob und Tadel austeilt, hängt wiederum damit zusammen, welche Bibelstellen für welchen Tag vorgesehen waren. Am 6. Dezember war das in der Regel das Gleichnis von den anvertrauten Geld (Mt 25,14-30): So wie der Herr seine Diener im Gleichnis danach befragt, wie sie denn mit dem ihnen anvertrauten Geld umgegangen sind, befragte der Nikolaus die Kinder nach ihrem Benehmen. Am Schluss aber stand die Bescherung.

Eine Predigt für die Großen

Im Mittelalter schließlich gab es in machen Klosterschulen den Brauch, dass die Kinder am Nikolaustag einen "Kinderbischof" aus ihren Reihen wählten. Der durfte nun umgekehrt den Erwachsenen predigen und sie für ungerechtes Verhalten tadeln.

Knecht Ruprecht

Kommt der Heilige Nikolaus in die Häuser, hat er in der Regel einen schweigsamen Begleiter bei sich: Knecht Ruprecht. Meist trägt er eine braune oder schwarze Kutte mit Gürtel, immer aber hat er einen Bart, eine schwarze Mütze und einen Korb oder Sack mit Geschenken dabei. Traditionellerweise sind die kleine Nikolaussäcke mit Mandarinen, Erdnüssen, Schokolade und Lebkuchen gefüllt. Früher wurde der Knecht Ruprecht mancherorts auch mit zoteligem Fell oder gehörnt dargestellt.

Damit aber keine Verwirrung entsteht: Knecht Ruprecht ist kein Krampus! Beide gehen zwar auf die Tradition der Perchten zurück – während die Krampusse jedoch meist in Horden auftreten, ist Knecht Ruprecht immer allein Begleiter und Helfer des Nikolaus. Was die Verbreitung im gesamten deutschen Sprachraum betrifft, so hat der Knecht Ruprecht hier klar die Nase vorn und verweist den Krampus auf den zweiten Platz.

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