Keine Lust auf nichts, alles ist blöd und ohne Perspektive?! Nach einem Jahr on-off-Lockdown sieht es auch für 2021 leider nicht viel besser aus. Die Telefonseelsorge gibt Tipps, wie man aus dem Corona-Stimmungstief raus kommen kann.

Es gibt sie - diese Tage, an denen alles einfach "nur blöd" ist. Noch blöder ist es, wenn aus Tagen Monate und ein Jahr wird. Was 2020 als Ausnahmezustand begann, hat sich zum "Dauerzustand" entwickelt, der vielen aufs Gemüt schlägt. Die Überforderung durch Homeoffice, Homeschooling, Social Distancing oder Arbeitslosigkeit werde vor allem an den steigenden Beratungszahlen der Telefonseelsorge (2019: 15.000; 2020: 17.000), aber auch an vermehrt geäußerten Zukunfts- und Kontrollverlustängsten sichtbar, so Barbara Lanzerstorfer-Holzner, Referentin der Telefonseelsorge OÖ.

Besonders betroffen seien dabei  Kinder und Jugendliche, Menschen mit psychischen Vorerkrankungen, aber auch das Pflegepersonal. Letztere seien mit der Betreuung von Covid-19-Patientinnen und -Patienten besonders herausgefordert, hätten vermehrt Sterbende begleitet und müssten mit der Angst leben „den Virus mit nach Hause zu nehmen“. Folge davon sei bei vielen eine akute Burn-out-Gefährdung, so die Ärztin Katharina Glück.

Und das können Sie tun

Wenn es Ihnen ähnlich geht, gibt es eine Reihe an Dingen, die Sie tun können, wie z.B.:

  • den Gemeinschaftsgedanken stärken und auf andere schauen. Hier reichen auch kleine Gesten wie Anrufe, Nachrichten oder das „Anläuten beim Nachbarn“
  • Schauen wir auf die gesundheitliche und seelische Verfasstheit unserer Nächsten, bleiben wir in Kontakt.
  • Pyjama ausziehen und dem Tag Struktur geben kann bei Ängsten oder dem Gefühl der Perspektivlosigkeit helfen
  • Bewegung an der frischen Luft wirkt antidepressiv
  • negative Nachrichten aber auch den Missbrauch von Substanzen wie Alkohol vermeiden
  • sich von eigenen überzogenen Erwartungen lösen, mit sich selbst geduldig sein und eine positive Alltagsstruktur einführen, in der auch Dankbarkeit und positive Erlebnisse wieder Platz bekommen sollten
  • nicht davor scheuen, den Notrufdienst der Telefonseelsorge 142 anzurufen

Aktuell gehe es darum „handlungsfähig zu bleiben und fürsorglich mit sich umzugehen“, betont Lanzerstorfer-Holzner, auch und vor allem weil die Sehnsucht nach körperlichen Interaktionen, die Wut über die mangelnde Kontrolle der Situation und die Perspektivlosigkeit übermächtig zu werden scheinen. „Wenn jeder Mitmensch eine potenzielle Gefahr darstellt, braucht es eine gute Balance, um das auszuhalten“, mahnte Lanzerstorfer-Holzner. Und zur Not einfach 142 anrufen.

Telefonseelsorge - die Fakten

Das Angebot der Telefonseelsorge wird verstärkt von Frauen (67 Prozent) angenommen, Männer machen 33 Prozent der Kontakte aus. Die meisten Anrufenden sind zwischen 40 und 60 Jahren alt. An die Onlineberatung wenden sich vorwiegend Jüngere, so sind 64 Prozent der Ratsuchenden in der Mailberatung unter 30 Jahre alt. Die drei häufigsten Hauptberatungsthemen sind Beziehungsprobleme, Einsamkeit und psychische Gesundheit.

Mehr Infos, was es zum Glücklichsein braucht und was nicht, erklärt der Glücksforscher Dr. Karlheinz Ruckriegel hier