Was können Erzieher/innen, was können Eltern tun, damit der Start eines Kindes in der Einrichtung gelingt? Bei der Fachtagung "Brücken bauen“, organisiert vom Team Elternbildung des Katholischen Bildungswerk Vorarlberg, erhielten 150 Kleinkindbetreuer/innen am Samstag im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast Ideen und Impulse.

Die drei größten Fehler, die Eltern machen können, wenn sie ihr Kind in die Tagesbetreuung bringen? Erstens: Das Kind ob seines Abschiedsschmerzes bedauern („Oh ja, es ist wirklich arg…“). Zweitens: Sich heimlich davonstehlen, in der Hoffnung, dass es der/die Kleine nicht merkt (Er/sie wird es merken – spätestens nach der durchschnittlichen Halbwertszeit von acht Minuten). Und das wirklich allerschlimmste ist: Das Kind eigentlich gar nicht abgeben wollen.

„Das“, meinte Prof. Dr. Gabriele Haug-Schnabel am Samstag in St. Arbogast, „sorgt mit ziemlicher Sicherheit dafür, dass sich das Kind nur sehr schwer eingewöhnt.“ Die Verhaltensbiologin sprach allerdings nicht zu Eltern, die den Erstbesuch ihres Sprösslings in einer Einrichtung vorbereiten, sondern zu deren Konterparts – Pädagoginnen und Pädagogen.

Gelungene Premiere

„Brücken bauen“ lautete der Titel der ersten Fachtagung für Kleinkindbetreuer/innen, die von dem Team Elternbildung des Katholischen Bildungswerks Vorarlberg in Kooperation mit dem Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast veranstaltet wurde. 150 Teilnehmer/innen sammelten in Workshops nicht nur Ideen und Anregungen für ihre tägliche Arbeit in den Einrichtungen (Wie sieht eine gesunde Jause aus? Wie schaffen wir „sinnliche“ Rückzugsräume und Wohlfühloasen? Wie binden wir Eltern optimal ein?), sondern erfuhren auch, was sie als Profis dazu beitragen können, dass der Übergang vom Elternhaus in die Betreuungseinrichtung gelingt.

„Für die Kinder ist das ist ein Weltenwechsel“, stellte Haug-Schnabel im Eingangsvortrag klar. Wer bis dato nur eine Zwei- oder Drei-Zimmer-Wohnung kenne, für den sei eine Einrichtung mit vier bis sechs Gruppen ein gigantisches Universum. „So viel zum Spielen, so viele andere Kinder“, übersetzte Haug-Schnabel aus der Gefühlswelt der Kleinen. Dummerweise hat die Sache einen Pferdefuß: Mama und Papa gehen irgendwann wieder! Da gelte es als Betreuer/in sensibel zu sein: Was braucht das Kind, damit es mit seinen (Trennungs-)Ängsten und Emotionen umzugehen lernt? Hilft ihm ein bestimmtes Ritual, jeden Morgen gut anzukommen? Vereinfachen so genannte „angespielte Bereiche“ im Flur- oder Eingangsbereich den Übergang oder sind es manchmal doch ein paar beruhigende Minuten auf dem Arm der Bezugsperson? „Wenn das Kind spürt, dass es Möglichkeiten hat, solche Situationen gut zu bewältigen, sind das die besten Voraussetzungen, um auch später konstruktiv mit den Unwägbarkeiten des Lebens umgehen zu können“, erklärte Haug-Schnabel das Zauberwort „Resilienz“.

Hilfe zur Selbsthilfe

Ihre Best-Practice-Beispiele und Anekdoten aus Betreuungseinrichtungen in ganz Europa sorgten bei den Pädagog/innen für glänzende Augen: Ja, so ein komplett überdachter Außenbereich wie in Norddeutschland oder eine Bauecke, in der mannshohe Kapla-Gebäude konstruiert werden können, wie in Freiburg – das wär’s!

„Eltern erwarten heute viel von den Einrichtungen“, bestätigte Haug-Schnabel. Jedoch dürften alle ausgeklügelten Spiel-, Lern- und Erlebnisangebote nicht darüber hinwegtäuschen, dass es vor allem gute und sichere Beziehungen seien, die ein Kind in seiner Entwicklung förderten. Sie seien die Basis, von der aus es jeden Tag ein bisschen mehr Selbstständigkeit erarbeiten könne. Bis zu dem Moment, in dem es seine/n Betreuer/in fragt: „Du, seit wann weine ich eigentlich nicht mehr, wenn die Mama geht?“