„Egal ob sie im engeren Sinne zu den Mitgliedern gehören oder nicht, wir wollen für die Menschen im Land da sein“, hält Pastoralamtsleiter Martin Fenkart die Türen geöffnet – und zwar nicht nur für die 236.101 „offiziellen“ KatholikInnen, sondern auch für die Menschen, die 2017 aus der Kirche ausgetreten sind.

„Ja, natürlich ist jeder Austritt einer zu viel und tut uns leid“, gibt Martin Fenkart zu. Aber es ist eine Entscheidung, die wir respektieren wollen  und die manchmal auch wieder zurückgenommen wird.  213 Männer und Frauen traten letztes Jahr (wieder) in die Kirche ein, weitere 23 widerriefen ihren Austritt innerhalb der dreimonatigen Frist.

„Viele Menschen in unserem Land gehören der Kirche gerne an. Insbesondere an wesentlichen Wendepunkten ihres Lebens, bei Festen, aber auch in schwierigen Zeiten ihres Lebens“, betont Fenkart.  2443 Kinder und Jugendliche wurden 2017 durch die Taufe in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen, 504 Paare gaben sich das „Ja“-Wort, 1891 Jugendliche wurden im vergangenen Jahr gefirmt. Positive Zahlen, denen 2797 Austritte gegenüber stehen. Im Vergleich mit den Zahlen des Vorjahres bedeutet das ein Anstieg von rund 3,4 Prozent -  oder 91 Personen mehr.

Krug ist mehr als halbvoll

„Die Katholische Kirche Vorarlberg läuft aber nicht mit einer Depressionsbrille herum“, betont der  Pastoralamtsleiter. Der Blick auf die Austrittszahlen 2017 verrate, dass der Krug nicht halbleer, sondern mehr als halbvoll sei, weist Fenkart auf die 61% KatholikInnen in Bezug auf die Gesamtbevölkerung Vorarlbergs hin. Und 2017 gab es noch weitere spannende Zahlen:  Über 1000 neue Pfarrgemeinderäte haben nach der Wahl im März ihre Arbeit für fünf Jahre begonnen. Rund die Hälfte von ihnen sind neue  ehrenamtliche MitarbeiterInnen. „Somit halten wir weiterhin die Zahl von 25.000 Ehrenamtlichen, die sich in vielfältiger Art und Weise dafür engagieren, dass die Kirche vor Ort ein Gesicht hat“, freut sich Martin Fenkart und bedankt sich schon im Voraus für ihren Einsatz 2018.

Engagement hat viele Gesichter

„Wir erleben bei vielen Menschen, die zu uns kommen und die Dienste der Kirche in den Pfarren, Klöstern, Krankenhäusern, Privat-Schulen, der Hospizarbeit, der Telefonseelsorge etc. in Anspruch nehmen Dankbarkeit, Wertschätzung, Interesse und Gestaltungswille für Kirche und Gesellschaft der  Zukunft. Es gibt viel Sympathie und Wertschätzung für die Kirche in unserem Land und die drückt sich nicht zwingend immer in einer offiziellen Mitgliedschaft aus“, betont Fenkart. „Sie alle sind getaufte Christen und als Gemeinschaft der Christen möchten wir  immer füreinander und für alle Menschen in unserem Land da sein.“

Ausblick 2018

Ein Schlüsselwort des vergangenen und des kommenden Jahres lautet deshalb Kontakt. Zum Beispiel in Form der Dialogstelle, die vor sieben Jahren eingerichtet wurde. Ihr Ziel ist das Gespräch mit Ausgetretenen, um aus den Erfahrungen und Erlebnissen zu lernen. Auch das 50-Jahr-Jubiläum der Diözese wird zum Anlass genommen, um mit vielen Menschen mehr in Kontakt zu treten. Jung und alt, Frauen und Männer, arm und reich, kirchennah und –fern. Am liebsten natürlich in Form eines Dialogs. Weitere Schwerpunkte bilden die gute Weiterentwicklung der Seelsorge im  Bereich „Tod und Trauer, aber auch die Firmpastoral oder die Begleitung  neu zu errichtender Pfarrverbände. Und auch der Umgang mit der  Schöpfung bzw. das  ökosoziale Handeln  steht mit dem Projekt „f5 – einfach.fair.leben“ (analog zu den e5-Gemeinden) auf der Liste für 2018.


Factbox

Vorläufige Zahlen zum Jahreswechsel
Jahr  /  Austritte  /  Taufen  /  (Wieder)Eintritte / Widerrufe

2017 / 2797 / 2443 / 213 / 23
2016 / 2706 / 2604 / 244 / 32
2015 / 2617 / 2496 / 212 / 29
2014 / 2553 / 2374 / 193 / 35
2013 / 2613 / 2264 / 204 / 28


Gesamtzahl der Katholik/innen in Vorarlberg
(jeweils resultierend aus dem Saldo „Eintritte/Austritte/Taufen/Sterbefälle“):

2017 – 236.101
2016 – 238.848
2015 – 240.649
2014 – 242.787
2013 – 245.062