Wo es nicht mehr erlaubt ist, anders zu denken, da wird Kritik zur Pflicht. An diesem Punkt hakt die Carl Lampert Woche 2017 (4. bis 14. November) ein und ruft unter dem Generalmotto „LebenWert“ jene in Erinnerung, die nur zu gerne vergessen werden.

Was macht ein Leben lebenswert oder umgekehrt, wer darf darüber entscheiden, was wertes und was unwertes Leben ist? In den 1930er und 40er Jahren war seitens des herrschenden Systems klar, wo diese Grenze zu verlaufen hatte, wer leben darf und wer zu verschwinden hatte.


Ihr „Verbrechen“ – anders sein

An all die Verschwundenen erinnert die Carl Lampert Woche 2017 besonders. In acht Veranstaltungen, die historische, musikalische, spirituelle und auch zeitkritische Zugänge öffnen, werden alle jene in Erinnerung gerufen, deren einziges „Verbrechen“ es war, anders zu sein. „Das ist auch die zentrale Botschaft der Carl Lampert Woche überhaupt. Menschen müssen Menschen bleiben dürfen. So ist unser Erinnern auch ein Erinnern gegen den schleichenden Abbau von Menschlichkeit und Menschenrechten – damals wie heute“, erklärt Bernhard Loss, Leiter des Carl Lampert Forums.


Die 300 Toten von Valduna – Pilgerweg gegen das Vergessen

Dabei wird die Carl Lampert Woche bereits mit einem ganz speziellen Projekt eröffnet, dem „Pilgern gegen das Vergessen“. Auf einem gemeinsamen Weg von der Basilika Rankweil zum Valduna-Friedhof wird an die Toten des Weltkriegs, besonders an die über 300 Euthanasieopfer von Valduna, erinnert. Gerade sie zählen zu jenen Menschen, die anders waren als die Norm und allein dafür in den Tod geschickt wurden. Ihre Namen werden in Wort und Bild präsent sein – u. a. auf überdimensionalen Leichentüchern, die von den Künstler/innen des LebenshilfeArteliers gestaltet wurden. Ergänzend dazu wird in Rankweil das Buch „Das Nazi-Interregnum von Valduna“ (herausgegeben von Thomas Albrich, Universität Innsbruck) präsentiert, das eben jene Jahre historisch aufarbeitet, während im Rankweiler Rathaus eine Ausstellung ebenfalls an dieses Kapitel der Orts- und Landesgeschichte erinnert.


Orts- und Landesgeschichte

Dieser zeitgeschichtliche rote Faden der Lampert Woche findet sich dann auch im Vortrag von Albert Lingg und Oliver Seifert im vorarlberg museum in Bregenz wieder, wo die Stationen der Euthanansie-Opfer in Vorarlberg und Tirol Thema sind. Mit dem Tag der Zeitgeschichte in Fraxern wird u. a. mit Zeitzeugenberichten in der Geschichte eines typischen Vorarlberger Dorfes geblättert.


Von Spiritualität bis Kunst – Schauplatz Göfis

Die Carl Lampert Woche führt aber natürlich auch nach Göfis, dem Geburtsort des namensgebenden Seligen Carl Lampert. An sein Leben und Streben wird dort am 13. November in einer Andacht und einem Gedenkgottesdienst mit Bischof Benno Elbs erinnert. Die Schauspielerin und Regisseurin Renate Bauer steuert dann gemeinsam mit Helmut Sonderegger und der Capella Stella den künstlerischen Zugang zum großen Gedenken bei. Musik, Literatur, Schauspiel und Spiritualität reichen sich hier die Hände und machen das große Ganze komplett. Ergänzend dazu rollt Meinrad Pichler in seinem Vortrag die „NS-Verfolgung Andersdenkender und Andersseiender“ auf.


Warum denn immer noch erinnern?

Die Carl Lampert Woche 2017 hält die Erinnerung an jene wach, die keine Stimmen mehr im heute haben. So ist sie ein Streifzug durch Gegenwart und Geschichte und besonders an die vor aller Augen verborgenen Orte der Orts- und Landesgeschichte. Denn dort, wo Geschichte vergessen wird, steigt die Gefahr, dass sie sich zu wiederholen beginnt.

 

Termine

  • 4. November, 14.30 Uhr – gemeinsamer Pilgerweg von der Basilika Rankweil zum Valduna Friedhof. Gleichzeitig ist ab 14. November eine Ausstellung dazu im Rathaus Rankweil zu sehen.
  • 8. November, 19 Uhr – „NS-Euthanasie in Vorarlberg und Tirol“, Vortrag von Albert Lingg und Oliver Seifert, vorarlberg.museum
  • 10. November, 14-17 Uhr – Tag der Zeitgeschichte in Fraxern mit Vorträgen und Buchpräsentation
  • 10. November, 20 Uhr – Anders denken, anders sein, Vortrag mit Meinrad Pichler, Carl Lampert Saal Göfis
  • 12. November, 18 Uhr – Mors et vita duello, Renate Bauer (Texte), Capella Stella (Musik), Helmut Sonderegger (Leitung), Pfarrkirche Göfis
  • 13. November, 16 Uhr – Andacht zur Todesstunde Carl Lampert; 19 Uhr, Gedenkgottesdienst mit Bischof Benno Elbs und der Männerschola Göfis, Pfarrkirche Göfis
  • 14. November, 19 Uhr – „Das Nazi-Interregnum in Valduna“, Buchpräsentation mit Thomas Albrich und Podiumsdiskussion mit Albert Lingg, Alfons Dürr und Angelika Schwarzmann, Vinomnasaal Rankweil

www.carl-lampert.at