Könnte es nicht heißen „Frohes Sonnenfest“? Oder „Frohes Lichterfest“?

Was ist das, „Frohe Weihnachten“?
Könnte es nicht heißen „Frohes Sonnenfest“? Oder „Frohes Lichterfest“?
Ja, könnte es. Das sei betont. Könnte es.

Als es nämlich darum ging, den Tag der Geburt Jesu Christi festzulegen, wurde jener Zeitpunkt gewählt, an dem das römische Fest „sol invictus“ begangen wurde. Das Fest der unbesiegbaren Sonne.
Gefeiert wurde diese Unbesiegbarkeit, die Übermächtigkeit des Lichts jeweils zur Wintersonnenwende, in einer Jahreszeit, in der die Welt am dunkelsten ist: die Wende hin zum Licht bezeugt, das sich die Sonne nicht und niemals unterkriegen lässt (ist ja rein naturwissenschaftlich auch schon widerlegt).
Und so ist es nicht verwunderlich, dass zum Zeitpunkt des „sol invictus“ auch das jüdische Lichterfest, „Chanukka“, gefeiert wird. Es beginnt am 25. Tag des Monates Kislew (November/Dezember) und dauert acht Tage.

„Frohes Lichterfest“, „Frohes Sonnenfest“, das alles wäre also durchaus legitim. Und in modernen Zeiten, betrachtet aus weniger romantisch verklärten als vielmehr realistischen Augen, kann der Glückwunsch lauten: „Frohes Lichterkettenfest“, „Frohes Kaufdichglücklichfest“, oder abfälliger: „Frohes Keksefresserfest“, „Truthahnkillerfest“, „Fettschwimmreifenausbaufest“, „Weihnachtsbockbiererbrecherfest“, oder familiär realitätsbezogen: „Frohes Gehasstetantenbegegnungsfest“, „Kinderenttäuschungslautschreifest“, und nicht zuletzt für Sprachlose: „Frohes Romantiksongskonsumfest“.

Die Gratulationsfloskeln sind endlos kreierbar. Wäre da nicht Weihnachten. Warum also zwingend „Frohe Weihnachten“? Aufrichtig dem anderen ins Gesicht gesagt. Oder durch eine Karte mitgeteilt. Oder auch hier, an dieser Stelle, wie auf dem Bild zu sehen: mit Kreide auf eine Tafel gemalt.

Der Winter geht vorbei. Und damit die Dunkelheit. Die Sonne wird verglühen. Irgendwann, wenn es uns nichts mehr angeht. Vergänglich auch die Glückwunschkarten, natürlich alle Lichterketten (meine streikt seit Jahren) und Kreide bleibt Staub. Nichts ist dauerhaft.

Abgesehen von der Erinnerung. Jener an die Geburt Jesu Christi. Der geboren wurde. Der Mensch war. Der uns die wunderbarste aller Geschichten erzählt hat. Die Geschichte des Heils. Die Geschichte der Liebe. Die endgültige Geschichte des Lichts. Tatsächlich unvergänglich, unauslöschlich. Das ist Weihnachten. In der Krippe. Allzu verletzlich in all dem glitzernden Licht unserer Tage.