Heute haben der Abt des Klosters Mehrerau, Lic.iur.can. Anselm van der Linde, und der Generalvikar der Diözese Feldkirch, Dr. Benno Elbs, zu einem Pressegespräch in die Aula Bernardi des Klosters Mehrerau geladen. Dabei haben sie zu den in den letzten Tagen an die Öffentlichkeit gelangten Fällen von sexuellem Missbrauch in Einrichtungen der Katholischen Kirche Stellung genommen.
Generalvikar Benno Elbs: "Vorweg ist es mir ein großes Bedürfnis, meiner Erschütterung und meiner Betroffenheit Ausdruck zu verleihen. Das Ausmaß an Leid und Traumatisierung ist bei jedem der Opfer von Gewalt und sexuellen Übergriffen sehr schwer gut zu machen. Jede Tat erfüllt mich mit großer Scham. Allen betroffenen Kindern, heute Erwachsenen, ist jede Hilfe zu gewähren, die es braucht, um das Erlebte zu verarbeiten und damit umgehen zu können. Der Schutz der Opfer und die Hilfe für sie ist oberste Priorität."
Die Stimmung, die inzwischen entstanden sei, so Benno Elbs, könne hilfreich sein: "Opfer melden sich österreichweit bei den Ombudsstellen und den Behörden." Als Generalvikar der Katholischen Kirche Vorarlberg könne er nicht mehr leisten, als die Opfer um Verzeihung bitten. "Die Katholische Kirche und alle Klöster haben sich – wie Kardinal Schönborn betont hat - der Situation zu stellen und entsprechende Maßnahmen zu setzen," so der Generalvikar.
Konkrete Maßnahmen
Die Kirche setzt konkrete Schritte für die Zukunft. Eine österreichweite Arbeitsgemeinschaft hat begonnen, die Standards und die Vernetzung der Ombudsstellen zu verbessern. In der Priesterausbildung wurde die Biografiearbeit der Seminaristen mit Fachleuten eingeführt. Die Diözese wird mit Experten des Vorarlberger Kinderdorfs zusammenarbeiten, die hohe Standards für den Kinderschutz entwickelt haben. Regelmäßige Priestertreffen werden diese Fragestellungen bearbeiten.
Die Ombudsstelle wird in Zukunft noch unabhängiger von der offiziellen Kirchenstruktur gestaltet werden. Die Ombudsstelle existiert bereits seit vielen Jahren in Form der „Beratungsstelle zum Schutz von Gewalt und sexuellen Übergriffen“. Ein Team aus anerkannten und von der Kirche unabhängigen Persönlichkeiten, bestehend aus einer Ärztin, einem Psychiater, einer Psychotherapeutin sowie einem Juristen, gibt Betroffenen Begleitung, Beratung und Unterstützung. "Es war immer und bleibt ein großes Anliegen, allen Fällen aktiv, aufrichtig und selbstverständlich ehrlich nachzugehen," so Benno Elbs.
Die Stellungnahme des Generalvikars der Diözese Feldkirch, Dr. Benno Elbs, finden Sie im Gesamtwortlaut hier: "Die Wahrheit heilt".
Verhaltenskodex für die Mehrerau geplant
Auch Abt Anselm van der Linde nahm Stellung: "Ich bedaure zutiefst alle Missbrauchsfälle, die in der Vergangenheit im Kloster Mehrerau stattgefunden haben und bitte alle Opfer um Vergebung. Es liegt nicht in meiner Macht, das Unrecht der Vergangenheit ungeschehen zu machen, aber ich kann allen Opfern die hand reichen und ihnen Gespräch, Offenheit und Versöhnung anbieten.
Meine ehrliche Bereitschaft, offen über das Thema Missbrauch zu sprechen, hat zu zahlreichen Reaktionen geführt, von betroffenen Schülern und von Opfern. Aber auch sehr viele Menschen, ehemalige und jetzige Schüler und Eltern haben mir ihre Solidarität und ihr Vertrauen in der Mehrerau offen bekundet."
Das Kloster werde alles unternehmen müssen, um einen klaren Schlussstrich unter diese Vergangenheit zu ziehen und jede Art von Missbrauch schonungslos zu bekämpfen. In der Mehrerau werde ein Verhaltenskodex erarbeitet, der für alle Schüler, Lehrer, Patres und Mitarbeiter der Abtei bindend sei. Der Verhaltenskodex diene einerseits der Vorbeugung und der Wachsamkeit, er solle aber vor allem die Bewusstseinsbildung unterstützen.
Abschließend bat der Abt die anwesenden Journalisten um einen sensibleren Umgang in der medialen Aufarbeitung des Themas. Auch die Opfer müssten geschützt werden.
Hier der Gesamtwortlaut der Erklärung des Abtes der Mehrerau.
Von Dietmar Steinmair veröffentlicht am 12.03.2010
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