Persönliche Dankesworte des Kardinal Dr. Angelo Amato. Seligsprechungsfeier für Carl Lampert, 13. November 2011, Donbirn St. Martin.
1. Am 13. November 1944 – genau vor 67 Jahren – wurde Dr. Carl Lampert, österreichischer Priester und Märtyrer der Kirche Christi, durch die Guillotine in odium fidei hingerichtet. Heute, am 13. November 2011, spricht der Heilige Vater, Benedikt XVI., der eure noble Nation und eure glorreiche Kirche liebt, diesen Priester selig und rühmt ihn mit dem Namen „Märtyrer“.
Das Martyrium ist der größte Akt der Gottesliebe und bildet den edelsten Weg zur Heiligkeit. Wie in den ersten Jahrhunderten, so beugt auch heute die Kirche bewegt ihre Knie vor diesem Märtyrer-Sohn, der sein Blut mit dem Blut des gekreuzigten Christus vereint hat. Wie das Opfer Christi Unterpfand des Heils für die Menschheit war, so wird das Opfer des seligen Lampert ein Samenkorn für ein erneuertes christliches Leben in diesem gesegneten Land sein.
Die Übergabe des Apostolischen Briefes des Heiligen Vaters an die Jugendlichen, während diesem feierlichen Gottesdienst, ist ein Zeichen des kostbaren Erbes der Liebe zu Christus und der Treue zur Kirche, die unser Seliger den jungen Generationen Österreichs anvertraut.
2. Wir können zwei grundlegende Elemente in der tragischen und zugleich glorreichen Geschichte Dr. Lamperts feststellen: auf der einen Seite der unversöhnliche Hass der Verfolger und auf der andere Seite die außerordentliche Stärke dieses Priesters im Angesicht der unmenschlichen, ihm ungerechterweise zugefügten Leiden.
Als 1938 Österreich von den Invasoren eingenommen wurde, wurde der familiäre und schöne Gruß „Grüß Gott“ abgeschafft. Das Regime nahm sogleich eine besonders feindselige Haltung gegenüber überzeugten Gläubigen, Laien und vor allem gegenüber Priestern ein, die verfolgt, in Konzentrationslager gesperrt und getötet wurden. Durch dieses gewaltsame Vorgehen gegen die Diener Gottes, wollte man den Glauben aus den Herzen der Gläubigen ausmerzen.
Aber die Kirche vergisst ihre heldenhaften Kinder nicht. Im Mai und im Juni dieses Jahres wurden in Deutschland fünf junge Priester seliggesprochen, die ebenfalls in der Zeit des Dritten Reiches gemartert wurden: Georg Häfner in Würzburg, Alois Andritzki in Dresden, Johann Prassek, Hermann Lange und Andreas Müller in Lübeck. Wie Dr. Carl Lampert, wurden auch diese drei jungen Kapläne aus Lübeck, zusammen mit dem protestantischen Pastor K.F. Stellbrink, barbarisch enthauptet.
Während die Nachfolger des Hakenkreuzes Unterdrückung und Tod herbei brachten, traten die Jünger des Kreuzes Christi unerschrocken den finsteren Reitern der Offenbarung entgegen, die Zerstörung, Hunger, Krieg und Tod auf die Erde brachten (vgl. Offb 6,1-8). Auf die barbarischen Taten der Verfolger antworteten sie mit dem Gebet, eingedenk der Worte des Apostels Paulus: „Segnet eure Verfolger; segnet sie, verflucht sie nicht! […] Vergeltet niemand Böses mit Bösem! […] Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!“ (Röm 12,14.17.21)
Inmitten des Schreckens der Übergriffe und Lügen erstrahlten die Unschuld und die heldenhaften Taten des Märtyrers Carl Lampert, der den Hass mit der Liebe erwiderte, die Beleidigungen mit der Vergebung, die ungerechten Urteile der Menschen mit dem Glauben an das gerechte Urteil Gottes, in der unerschütterlichen Hoffnung auf das ewige Leben.
In den wiederholten und zermürbenden Verhören wurde er bis aufs Blut geschlagen, sie schlugen seinen Kopf auf den Tisch, zertrümmerten Brille und Uhr.Während den verschiedenen Gefängnisaufenthalten wurde er isoliert, es wurde ihm verboten das Evangelium zu lesen, das Brevier und den Rosenkranz zu beten, er bekam nichts zu essen, oft für zwei, drei aufeinanderfolgende Tage. Auch das „Nichts-tun-Können“ war ein grausames Leiden, das Leib und Seele zermürbte.
Wie Gott ein guter Vater ist und seinen Kindern Gutes gibt, so ist der Fürst der Lüge der große Erfinder grausamer und unmenschlicher Qualen. Dem von Gott geschaffenen Paradies, setzt „die alte Schlange“ (Offb 12,9) seine Hölle entgegen, in welcher unser Märtyrer mit Glaubensstärke, Hoffung und unvergleichlicher Liebe lebte. Einige Monate vor seinem Tod, bekräftigte unser Seliger in einem Brief an seinen Bruder Julius, im Gefängnis von Torgau geschrieben, die Unerschütterlichkeit seines Glauben, trotz der grauenvollen Verleumdungen eines lügnerischen Verräters, sein einziger Ankläger:
„Obwohl es nun schon fünf Monate sind, dass ich in Ketten bin und die Existenz eines Todeskandidaten führe, trotz all dem habe ich meinen Mut wieder gefunden und habe ziemlich gut auf dieses ganze Elend reagiert. […] Es ist eine traurige Zeit, und noch trauriger sind die Personen! Welch ein Leiden! Eine übergroße Tröstung ist für mich die fast wundertätige Hilfe Gottes. Stell dir vor, wir zelebrieren fast täglich! Ein Wunder, jeden Tag habe ich den Herrn im Heiligsten Sakrament mit mir! Jeden Tag gebe ich die Sakramentale Segnung, in alle vier Himmelsrichtungen, und kann viel beten; ich flehe für euch, helfe euch in dieser Weise, und wirklich ‚ich fürchte kein Unheil, auch wenn ich im Schatten des Todes wandeln sollte, denn der Herr ist mit mir’ […]. Vor mir steht ein kleines Bild der Muttergottes mit einer kleinen Blume […]. Christus und seine Mutter finden den Weg, um bis zu diesem Orten zu kommen.“
Gegen Ende seiner langen Gefangenschaft, fühlt sich der selige Lampert wie ein Schiffbrüchiger, der trotz der Gewalt des Sturmes stand hält und festgeklammert am Stamm des Kreuzes Christi sich rettet. Wenige Stunden vor der Hinrichtung schreibt er an den Bruder: „Nun ist die Stunde gekommen, - die „so schmerzliche“ für Dich und alle meine Lieben, die „erlösende“ für mich! Der Kreuzweg geht nun zur letzten Station, „tenebrae factae sunt – sed dies albescit – in Te Domine speravi, alleluja“.
Wenig später, genau um 16 Uhr des 13. Novembers 1944, wurde unser Seliger enthauptet. Noch heute fließen spontan die Tränen angesichts solcher Grausamkeit. Der Heilige Vater Benedikt XVI. zeichnet in seinem Apostolischen Brief das beispielhafte Porträt des Seligen Carl Lampert und nennt ihn „Priester und Märtyrer, unerschrockener Diener des Evangeliums, der Verfolgung und Tod entgegentritt um den Herrn Jesus Christus zu bekennen und die Kirche zu verteidigen.“
3. Liebe Gläubige, unser Seliger hat zu uns gesprochen durch sein leidvolles und mutiges Dasein. Für uns alle ist er ein Beispiel dafür, uns nicht dieser Gesellschaft anzugleichen, die die Frohe Botschaft Jesu vergisst und sich vom guten Weg des Evangeliums abwendet.
Der selige Carl Lampert richtete an alle Priester einen besonderen Gruß, den er kurz vor seinem Tod, am 13. November 1944 schrieb. Nachdem er seinen Priesterfreunden dankte, die für ihn beteten, richtete er einen letzten Gruß an sie: „Grüß mir zum letzten Mal […] die ganze Pfarrgemeinde, ich werde niemanden vergessen – allen, allen Helfern mein innigstes Vergelt’s Gott ! Oh, wie bin ich froh, daß endlich ein Ende kommt von all dem harten Leid – nun geht’s heim – und bleibe doch bei Euch. Lebt wohl, wohl, wohl! Auf Wiedersehen!“
„Auf Wiedersehen“ wiederholt heute der selige Carl Lampert und ruft uns alle auf ein mutiges Zeugnis zu sein für Jesus und sein Evangelium des Lebens und nicht des Todes, der Wahrheit und nicht des Lüge, des Friedens und nicht des Krieges, der Einheit und nicht der Zwietracht, der Freude und nicht der Traurigkeit.
„Auf Wiedersehen“ im Himmel wünscht der selige Carl Lampert der Kirche in Österreich, Land der Heiligen und der Märtyrer.
Es gilt das gesprochene Wort.
Von Veronika Fehle veröffentlicht am 13.11.2011
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