In den Tagen bis Weihnachten lesen Sie an dieser Stelle Geschichten und Ansichten von Menschen zum Advent, zur "stillen Zeit", zur Weihnacht schließlich. Besondere Geschichten, kleine Ereignisse, Gedanken. Miniaturerzählungen also, formuliert von Menschen, die nicht im Licht der Öffentlichkeit stehen. Mehr noch: Menschen, die von der Gesellschaft übersehen werden, Menschen an Schnittpunkten existenzieller Fragen. Oder auch Menschen, die an Weihnachten arbeiten werden. Wir werfen einen Blick in Welten, die zwischen Küachle und Glühweinromantik gerne ausgeklammert werden.

Der 23. und damit vorletzte Tag unseres Adventfensters gehört einem Mann, der in Zeiten der Weihnacht zumeist mit traurigen Ereignissen konfrontiert ist. Aus Gesprächen weiß ich, dass er oft am Heiligen Abend, in der Nacht, am Folgetag arbeiten muss. Seine Arbeit lässt kaum zu, die Tage rund um die Weihnacht zu planen. Da das Unvorhersehbare Teil seines Berufslebens ist: der 23. Dezember gehört dem Bestattungsunternehmer Christoph Feuerstein.

Ans Außergewöhnliche gewöhnen

von Christoph Feuerstein

Besonders in den Tagen des Advents und in der Vorbereitung auf das Weihnachtsfest ist der Umgang mit der Situation des Todes um einen nahe stehenden Menschen besonders kritisch.

Zum einen nehmen die Vorbereitungen und schönen Erwartungen an stimmungsvolle Festtage einen breiten Raum ein, zum anderen bricht die emotionale Situation des Todes gerade in "dieser Zeit" auf Menschen ein.

Und jetzt muss auch "das" noch sein.

In diesem Umfeld Menschen zu betreuen, ihnen zu helfen, ihr Vertrauen zu gewinnen bringt selbst erfahrene Mitarbeiter in Bestattungen an ihre Grenzen.

Überzogene Erwartungshaltungen, unbegründete Forderungen an gesellschaftlichem Verständnis, Zorn, Selbstmitleid und zum teil auch fehlende "Bodenhaftung" von betroffenen Menschen machen die Zeit um Weihnachten für Bestattungsmitarbeiter beschwerlich.

Jeder Mitarbeiter in einem Bestattungsbetrieb ist auch "Mensch" mit seinem persönlichen Umfeld, mit seiner Familie, seinen Kindern, seinen Freunden. Dass in dieser Zeit (auch am Heiligen Abend und in der Heiligen Nacht) vermehrt außergewöhnliche Ereignisse eintreten, die vom Bestatter jederzeitige Einsatzbereitschaft verlangen, erfordert zudem ein gerüttelt Maß an Demut. Falsche oder gekünstelte Stimmungsszenarien sind fehl am Platz.

Weihnachten - Geburt des Herrn - und der Tod, das irdische Ende menschlichen Lebens sind in direkte Verbindungen, die wir bewusst leben müssen.

Von Rainer Juriatti veröffentlicht am 23.12.2009

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