Gestern fand in Stockholm die Verleihung des Alternativen Nobelpreises, des Right Livelihood Awards, statt. Den mit 150.000 Euro dotierten Preis erhielten die Menschenrechtsaktivistin und Rechtsanwältin aus dem Tschad, Jacqueline Moudeina, die US-Hebamme Ina May Gaskin und die internationale Organisation Grain sowie an den Chinesen Hunag Ming. Wofür? Für ihren beispiellosen Einsatz für die Rechte von Bauern, gegen einen Diktator oder auch für Solarenergie.

So vielseitig wie die Menschen sind auch die Gründe, für die die drei Personen den Right Livelihood Award erhalten haben: Jacqueline Moudeina beispielsweise  wurde für "ihren unermüdlichen Einsatz" für die Opfer der Diktatur im Tschad und für die Menschenrechte in Afrika geehrt, die US-Hebamme Ina May Gaskin und die Organisation Grain für ihren Einsatz für die Rechte von Kleinbauern und Hunag Ming weil er die Entwicklung im Bereich der Solarenergieentwicklung vorantreibt.

Eine Frau mit Kampf im Blut
Die Menschenrechtsaktivistin und Rechtsanwältin aus dem Tschad, Jacqueline Moudeina, versucht seit Jahren den Diktator Hissene Habre vor Gericht zu stellen. Von 1982 bis 1990 regierte der Habre im Tschad - acht Jahre, in denen er vermutlich rund 40.000 Menschen verhaften, foltern und ermordern ließ.  "Afrikas Pinochet" nannte ihn die Menschenrechtsorganisation "Human Rights Watch" damals. 1990 wurde der Dikator zwar von Rebellen gestürzt, aber niemals zur Rechenschaft gezogen. Seither lebt er in Senegal. Moudeina, die als Studentin vor der Bürgerkrieg und der beginnenden Diktatur in den Kongo floh, studierte Jus und wurde Rechstanwältin. Die Gesichter der vielen Waisenkinder, die wegen Habre ihre Eltern verloren, haben sie bestärkt ihren Kampf gegen den ehemaligen Diktator aufzunehmen.

Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Genozids und Kriegsverbrechen
Ihre Versuche, den Diktator in Senegal vor Gericht zu stellen, scheiterten aufgrund des starken politischen Druckes seiner Anhänger. Habre wurde zwar unter Hausarrest gestellt, die senegalesische Justiz erklärte sich aber für unzuständig. Moudeina gab nicht auf. Sie wandte sich an Belgien und ein Untersuchungsrichter ermittelte vier Jahre lang, bis seiner Ergebnisse ausreichten, um Habre wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Genozids und Kriegsverbrechen anzuklagen. Dennoch weigert sich Senegal, Habre auszuliefern.

„In Afrika ist Straffreiheit eine Form von Krebs, die unseren Kontinent auffrisst und uns davon abhält, unser wahres Potential zu entfalten. Ich werde meinen Kampf für Menschenrechte solange weiterführen, bis der Ruf derjenigen, die unter Ungerechtigkeit leiden, von ihren Machthabern und der internationalen Staatengemeinschaft gehört wird. Wir hätten gerne gesehen, dass der ehemalige tschadische Diktator Habré auf afrikanischem Boden unter Anklage gestellt wird, aber nach mehr als zwanzig Jahren können wir nicht länger warten. Es ist an der Zeit, dass Senegal Habré an Belgien ausliefert, um ihn dort vor Gericht zu stellen.“ (Jacqueline Moudeina)

Sichtbarkeit der Arbeit erhöhen
Doch nicht nur gegen den Ex-Dikatur setzt sich die Protestantin ein, auch die Aufklärungsarbeit gegen die Beschneidung von Frauen ist ihr ein großes Anliegen. Zudem engagiert sie sich dafür, dass Kinder im Süden des Landes von ihren Eltern nicht länger als Viehhirten verkauft werden. Manchmal auch mit ihrem Leben: 2001 überlebte sie nur knapp einen Anschlag mit einer Handgranate. "Der Alternative Nobelpreis wird die Sichtbarkeit meiner Arbeit erhöhen", lässt sich die 54-Jährige nicht von ihren Plänen abbringen. Aber: Die Verbrecher, Folterer und Mörder leben noch im Tschad", so Moudeina. "Und sie warten nur auf eine Gelegenheit, mich zum Schweigen zu bringen."

Weitere Informationen zu den Right Livelihood Awards finden Sie hier.