Hervorragend anmoderiert (auch das darf an dieser Stelle erwähnt sein) präsentierte Dr. Wolfgang Kessler unter dem Titel „Die Moral von der Geschichte. Von den verpassten und genutzten Chancen einer historischen globalen Wirtschafts- und Finanzkrise“ seine Sicht auf unsere Welt nach (während) der Krise. Und gleich zu Beginn stellte der Chefredakteur des 14-tägig erscheinenden „Public Forum“ fest, er können einen Satz aus dem Mund von Politikern nicht mehr hören: In jeder Krise liegt auch eine Chance. Dr. Kessler räumte gleichzeitig ein, dass der Satz wahr und richtig sei, jedoch höre man diese Worte all zu oft, könne bei der Bundespräsidentenwahl gehört werden. Dr. Kessler meint, man müsse sich den Luxus leisten, sich vorzustellen, wie die Welt von morgen aussehen könnte.

Katalog an Thesen und Ideen

Dr. Kessler stellte in seinem Vortrag fest, dass Wachstum nie aus der Krise führe. Hingegen seien Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit wesentliche Eckpfeiler einer Gesundung auf Dauer. Neben seinen Ausführungen stellte der Journalist eine Liste von Visionen zur Verfügung, die wir hier wiedergeben möchten.

Kesslers „Visionen“ einer Welt von morgen

Dr. Wolfgang KesslerEs sorgen nachhaltige, gerechte Investitionsprogramme dafür, dass in allen Ländern in die Zukunft investiert wird, in öffentlichen Verkehr, in Sonne, Wind und Wasser, in Energiesparen, in Bildung – und dies bei einer Umverteilung von hohen Einkommen und Vermögen in die nachhaltige Entwicklung. Dabei werden die sozial Schwächeren gegen zu hohe Belastungen abgesichert.

In unserer Wirtschaft ist es nun nicht mehr sinnvoll, Joghurt 9200 Kilometer durch Europa zu treiben, bevor er in Vorarlberg ausgelöffelt wird. Die Wirtschaft setzt auf regionalere Produktionskreisläufe.

Bei steigenden Abgaben auf Ressourcen setzen die Unternehmen nicht mehr auf kurzlebige Massenprodukte mit hohem Energieverbrauch. Das Maß aller Dinge sind langlebige Produkte, die recyclingfähig und reparaturfähig sind.

Dadurch verändert sich Produktion und Konsum. Waren  werden nicht mehr gleich weggeworfen, sondern repariert. Es entsteht wieder ein Reparaturgewerbe. Die Wegwerfgesellschaft ist passé.

Hilfen aus dem reichen Norden ermöglichen eine nachhaltige Entwicklung im Süden. Sonne, Wind, Wasser und Biomasse machen gerade in ländlichen Regionen eine Entwicklung möglich. Steigende Transportpreise sorgen dafür, dass sich der Süden eigenständig entwickelt. Dort steigt der Lebensstandard, ohne die Welt zu zerstören.

Geld bleibt wichtig. Doch die Spekulation der reinen Rendite wegen hat keine Zukunft mehr. Dafür gibt es jetzt eine einmalige Chance für die Finanzwirtschaft.  Während die alte auslaufende Industriegesellschaft immer weniger Investitionsgelegenheiten bietet, eröffnet das solare Zeitalter völlig neue Investitionschancen. Jetzt gilt wieder: Investieren statt Spekulieren.

Jetzt hat die Politik, haben wir alle wirklich, aus der globalen Umwelt- und Wirtschaftskrise das Richtige gelernt. Die Zeitenwende ist eingeleitet. Der Übergang von der alten fossilen Industriegesellschaft zur solaren Dienstleitungsgesellschaft ist im Gange.“

Dr. Wolfgang Kessler skizzierte einen phantastischen, utopischen und doch gangbaren Weg in die Zukunft...

Von Rainer Juriatti veröffentlicht am 01.10.2009

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