Neues Team setzt Arbeit von Emil Bonetti innovativ, menschlich und professionell fort.

Von Wolfgang Ölz

Statt sich auf den Lorbeeren des Gründervaters auszuruhen, macht sich im Haus spürbar guter Teamgeist breit. Neben der im Herbst beginnenden Generalsanierung haben sich die Leute um Geschäftsführer Mag. Peter Mayerhofer und Vereinsobmann Pfarrer Erich Baldauf auch einen neuen Namen für das „Haus der Jungen Arbeiter“ ausgedacht. Der historisch bedingte Namen hat nämlich nichts mehr mit der Situation der Menschen in diesem Heim zu tun: Sie sind größtenteils weder jung noch haben sie eine Arbeit. Deswegen ist es nur folgerichtig und gut, dass in Zukunft vom „Kaplan-Bonetti-Haus“ die Rede sein wird. Unter dem Label „Kaplan Bonetti Sozialwerke“ werden auch alle weiteren Aktivitäten vereint werden, die da sind: Ambulante Wohnungslosenbetreuung, Arbeitsprojekte, weitere Unterkünfte und Wohngemeinschaften.

Zum zweiten Todestag von „Haus der Jungen Arbeiter“ Gründervater Kaplan Emil Bonetti haben Geschäftsführer Mag. Peter Mayerhofer und Vereinsobmann Pfarrer Erich Baldauf zu einem Pressegespräch (siehe Galerie rechts) in diese seit den 50er Jahren bestehenden Institution geladen, die Menschen, die nirgends mehr aufgenommen werden, betreut, auch trotz allen möglichen persönlichen Schwierigkeiten wie etwa einem nicht zu behebenden Suchtproblem. Peter Mayerhofer hat das Haus vor zwei Jahren übernommen, und es ist ihm wichtig, dass er nicht der „große Zampano“ ist, der auf den großen Sozialpionier Emil Bonetti folgt, sondern das große Erbe Bonettis wird von einem ganzen Team von kompetenten Fachleuten weitergeführt. Neben Markus Gonner als Verwaltungsleiter hat sicherlich Helene Matt als Betreuungsleiterin eine Schlüsselstelle. Helene Matt ist diplomierte Sozialarbeiterin und schon zwanzig Jahre im Haus tätig. Ihr ist wichtig die Leute, die Hilfe suchen, wenn möglich, auch wieder in „bürgerlich-normale“ Verhältnisse zurückzubegleiten. Ebenfalls ausgebildeter Sozialarbeiter ist Erich Ströhle, der für den stark wachsenden Bereich „Ambulante Wohnungshilfe“ zuständig ist. Helmut Johler ist für die Arbeitsprojekte zuständig. Die Aufträge aus der Wirtschaft nehmen, so Johler, trotz Krise nicht nennenswert ab.

Die Generalsanierung um geschätzte 5,3 Millionen Euro ist das große Projekt des Hauses. Die teilweise schon sehr desolate Infrastruktur soll stark verbessert werden. Statt WC am Gang und Dusche im Keller, soll es 120 Einzelzimmer mit integrierter Nasszelle geben. Die nächsten Schritte sind ein Architekturwettbewerb im Herbst sowie die Entscheidung darüber im März 2010. Eine innovative Lösung wäre sicherlich im Sinne des Gründers Bonetti, der bereits in den 50er Jahre die Hauskapelle vom damals als sehr avantgardistisch gehandelten Bildhauer Herbert Albrecht gestalten ließ. Es ist eine sehr schöne Geste des bedeutenden Vorarlberger Künstlers und Wotruba-Schülers Albrecht, das kürzlich fertiggestellte Grab für Kaplan Emil Bonetti auf dem Rohrbacher Friedhof in weißem Marmor, ganz ohne Schnörkel, nur mit einem siegreichen Lamm auf einem Kreuz, gestaltet zu haben.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Haus in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Dornbirn kein Ghetto ist. Dazu tragen viele, auch kirchliche Gruppen bei: Eine Frauengruppe aus St. Martin organisiert regelmäßig Kaffeekränzle, die Basisgruppe „Senfkorn“ von Pfarrer Helmut Rohner feiert Advent und Fasching mit den Bewohner/innen, die Frauengesangsgruppe „Bonetti-Singers“ gestaltet die Gottesdienste in der Kapelle und jedes Jahr zu Weihnachten stricken Frauen Socken für jene Menschen, die im Haus Bonetti Heimat und Rückhalt gefunden haben.

Emil Bonetti (28. August 1922 - 9. Juli 2007) setzte sich wie ein Vater fünf Jahrzehnte für das „Haus der Jungen Arbeiter“ ein. Es ist schön, an seinem zweiten Geburtstag für den Himmel, zu sehen wie dieses Erbe seine Töchter und Söhne in der Betreuung, aber auch die Betreuten selber, nicht nur halten, sondern den Bedürfnissen der Gegenwart anpassen und ausbauen. Sinn, Lebensfreude und Optimismus von Kaplan Bonetti leben weiter. Und das ist prima so.

Mehrere Artikel aus dem Vorarlberger KirchenBlatt aus dem Jahr 2007 über Emil Bonetti und seinen Nachfolger als Leiter des „Hauses der jungen Arbeiter“ Peter Mayerhofer finden Sie rechts oben unter „Links und Dateien“.