Auch, wenn es jeden treffen kann – die beste Freundin, den Bruder, den netten Kerl von nebenan – es gibt Menschen, die Arbeitslosigkeit besonders trifft – nicht nur besonders häufig. Es sind die, deren Leben ohnehin nicht ganz so einfach sind. Weil sie alleinerziehend sind oder jung und aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen. Weil sie gerade ihren 50. Geburtstag gefeiert haben, der dummerweise mit der Insolvenz des Arbeitgebers zusammenfällt. Wenn die letzte „richtige“ Stelle dann auch noch ein bisschen her ist und das Bapperl „Langzeitsarbeitslose/r“ an einem haftet… Jobsuche quasi unmöglich.

Auf dem Weg in den Arbeitsmarkt

In Vorarlberg sind derzeit rund 2.900 Menschen als „langzeitsarbeitslos“, also länger als ein Jahr ohne festes Beschäftigungsverhältnis, registriert. Für 600 von ihnen leuchtet allerdings seit 20 Jahren ein Licht am Ende des Tunnels: So lange unterstützen die Sozialen Unternehmen Vorarlbergs Menschen schon auf dem Weg zurück ins „echte“ Arbeitsleben. Die befristeten Anstellungen in Unternehmen wie der carla der Caritas Vorarlberg, der Integra, der AQUA Mühle Vorarlberg, den Dornbirner Jugendwerkstätten und den Kaplan-Bonetti-Arbeitsprojekten sind für rund ein Drittel der Türöffner in eine reguläre Stelle. Von den Jugendlichen, die in den Dornbirner Jugendwerkstätten mitanpacken, ist es sogar jeder Zweite.

„Arbeit zu haben, ist der Schlüssel zu einem selbstständigen Leben“, erklärt Benedicte Hämmerle, Sprecherin des Verbands der Sozialen Unternehmen, bei einem Pressegespräch, das anlässlich des „Tags der Arbeitslosen“ (30. April) bei der Integra Vorarlberg in Schwarzach stattfand.

Nicht nachlassen

Der Erfolg gibt ihnen Recht: Im Vergleich zum Vorjahr waren im März 2017 weniger Menschen als arbeitssuchend gemeldet (12.185 zu 12.250 im März 2016), und auch die Zahl der Langzeitsarbeitslosen sank von 3.091 auf 2.919. Dennoch: Die Differenzen sind marginal und kein Grund, im Einsatz nachzulassen, wie Harald Moosbrugger, Leiter der Wirtschaftsabteilung Land Vorarlberg, betont.

Auch darum werden die Mittel auf sieben Millionen Euro durch das AMS Vorarlberg und etwa 2,6 Millionen Euro durch das Land Vorarlberg aufgestockt (2016: 6,75 bzw. 2,2 Millionen Euro).

Neue Ideen für alte Probleme

Und man gibt sich keinen Illusionen hin: Es gebe Menschen, die auch mit diesen Maßnahmen auf dem ersten Markt keinen Fuß fassen würden, stellt Benedicte Hämmerle klar. Auch für sie müssten Modelle entwickelt werden.

Die Chancen dafür stehen aber gut, schließlich sind kreative Lösungen seit jeher „Geschäftsmodell“ der Sozialen Unternehmen. Etwa wenn es um Arbeiten geht, die nach privatwirtschaftlichen Maßstäben kaum kostendeckend betrieben werden könnten, die für das Gesamtwirtschaftsgefüge des Landes trotzdem von großer Bedeutung sind wie Verpackungsdienste, Postpartnerschaften, Landschaftspflege, Recycling, Digitalisierung von Archiven, et cetera pp. Die Sozialen Unternehmen operieren nicht gewinnorientiert, müssen aber die Hälfte des Umsatzes selbst erwirtschaften.