Vom Bautyp her können architektonisch zwei wesentliche Bauweisen unterschieden werden: der Langbau und der Zentralbau. Die Basilika ist ein typisches Beispiel für einen Langbau, der sich an einer dominierenden Längsachse orientiert. Dagegen sind beim Zentralbau die Hauptachsen gleich lang und bilden so ein Zentrum, einen klaren Mittelpunkt. Mögliche Grundrisse eines Zentralbaus sind kreisförmig (Rundkirche), oval, quadratisch, kreuzförmig, oktogonal (achteckig) oder polygonal (vieleckig). Der Abschluss nach oben erfolgt durch eine Decke, ein Gewölbe oder eine Kuppel. Der Zentralbau kann von einem Umgang umschlossen sein und/oder sich zu Kapellen und Nischen öffnen.

Neben der Basilika wurde auch der Zentralbau schon von Kaiser Konstantin gefördert und spielte in der frühchristlichen Zeit eine größere Rolle als in der heutigen westlichen Kirche. Gleichsam als Urmutter des Zentralbaus gilt das römische Pantheon, das Kaiser Hadrian 118 n. Chr. als Tempel für alle Götter bauen ließ. Anfang des 7. Jahrhunderts hat es Papst Bonifaz IV. christlich adaptiert und zu einer Kirche zum Gedenken an alle Märtyrer ernannt, was den Ursprung des Festes Allerheiligen bildete, das seit dem 9. Jahrhundert gefeiert wird.

Vorerst waren die christlichen Zentralbauten nicht auf eine bestimmte Funktion festgelegt, doch bald bildete sich der Zentralbau als bevorzugter Bautyp für Baptisterien (Taufkapellen) heraus. Herausragende Beispiele aus romanischer Zeit sind die Baptisterien von Pisa, Florenz oder Parma. Neben Rundbauten setzte sich immer mehr der achteckige Bau, das Oktogon durch (acht steht symbolisch für Ewigkeit), sodass die Christen mit dem Oktogon erstmals eine dauerhafte Bauform entwickeln, deren Symbolik nicht der antiken Welt entlehnt ist.

Als Taufkapelle war der Rundbau geeignet, weil in der Mitte meist mit einer Statue von Johannes des Täufers nur das Taufbecken steht. Die Messfeier benötigt aber einen Altar und schafft so automatisch ein Vorne und Hinten, was der Logik des Rundbaus entgegensteht.

Da liegt wahrscheinlich der Hauptgrund, warum sich der Zentralbau in der westlichen Kirche nie wirklich durchgesetzt hat, auch wenn von den Architekten der Renaissance dieser Bautyp besonders favorisiert wurde. Die neue Peterskirche sollte nach den Plänen Bramantes und später Michelangelos ebenfalls ein Zentralbau sein, doch im Laufe der Bauzeit wurde dem kleeblattförmigen Zentralbau doch noch ein längeres Kirchenschiff vorgesetzt. Vermutlich entspricht der Zentralbau nicht ganz der westlichen Logik von vorne und hinten, Anfang und Ende und macht Probleme mit der Gestaltung der Liturgie, die eine klare Ausrichtung des Volkes auf den Altarraum hat.

Die Bautradition der Ostkirche hat hingegen eine ganz andere Entwicklung genommen, denn hier dominiert der Zentralbau. Dabei hat aber auch der liturgische Ablauf eine andere innere Logik und wirkt im Vergleich zum linearen Denken des Westens eher zirkulär. Der Haupttypus der Ostkirche ist die Kreuzkuppelkirche. Den Kirchenraum bilden vier gleich lange Kreuzesarme (Griechisches Kreuz) und über der Vierung, der Kreuzung der Arme, befindet sich die Kuppel.

Der Unterschied von Langbau und Zentralbau ist nicht nur ein architektonischer oder liturgischer. Es ist ein ganz anderes Köpergefühl, ob man einen Lang- oder einen Zentralbau betritt. Kommt man von der Vorderfront in einen Langbau entsteht ein innerer Zug nach vorne, ein Drang zu Bewegung. Völlig gegenteilig ist das Empfinden, wenn man einen Zentralbau betritt. Man bleibt fast automatisch stehen, spürt keine Richtung, da alles gleichsam auf das Zentrum hin ruht.