In der Renaissance entstehen zu Beginn der Neuzeit ein völlig neues Lebensgefühl und ein Menschenbild, das versucht den Gott des Mittelalters durch den Menschen als Maß aller Dinge zu ersetzen. Erfindungen und Entdeckungen stehen im Mittelpunkt, das Aufkommen der modernen Naturwissenschaften, der Humanismus als der Versuch, menschliche Werte unabhängig von Religionen zu definieren, kritischer Geist und neues Selbstbewusstsein, der Aufstieg der Städte und des Bürgertums und gleichzeitig eine Blütezeit der unumschränkten Monarchie.

Ein einheitlicher Begriff von Renaissance ist für Europa aber nicht möglich. Die Grundlagen für diese „Wiedergeburt der Antike“ werden in Italien geschaffen und zwar schon in der Zeit der Gotik; über die Alpen nach Norden kam die Bewegung erst später und nicht mehr in dieser Einheitlichkeit. Nun entsteht auch das Bild vom angeblich finsteren Mittelalter und so versteht sich die Renaissance als starke Gegentendenz zur mittelalterlichen Gotik.

Wenn man von Architektur der Renaissance redet, denkt man eher an italienische Palazzi als an die Sakralarchitektur, die in der die Renaissance im Vergleich zur bildenden Kunst eher wenig Spuren hinterlassen hat; auch wenn sie in Rom und Venedig den Barock vorbereitet hat. Klassische Renaissancekirchen nördlich der Alpen gibt es wenige (z.B. Jesuitenkirche St. Michael, München). Der Einfluss der Renaissance auf den Kirchenbau unserer Gegend ist im Grunde von geringer Bedeutung.

Die Schönheit des Himmels soll sich in Kirchen der Renaissance in Klarheit, Schönheit und Harmonie der Architektur widerspiegeln. Das neue Formideal sind klar überschaubare, in sich abgeschlossene Räume, die aus der Geometrie von Quadrat (Würfel, Quader) und Kreis (Kreis, Zylinder, Kugel, Halbkugel) entwickelt werden. Eine Architektur mit klarer Geometrie und harmonischem Wohlklang soll für die göttliche Vollkommenheit stehen. Antike Architekturelemente werden neu aufgegriffen und gleichsam christianisiert.

Subjektive Wahrnehmung
Die Baukunst der Renaissance hat wieder einen stark ‚objektiven‘ Charakter. Eine Renaissancekirche predigt nicht, sie ist in sich und stellt ein Ideal auch mathematischer Vollkommenheit dar. Es ist allerdings eine Art der ‚Vollkommenheit‘, die uns nicht selten kalt lässt, oft nicht innerlich zu berühren vermag.

Architektonische Merkmale
Plastik und Malerei