Der Tempel in Jerusalem wurde 587 v. Chr. von den Babyloniern unter Nebukadnezar zerstört und die religiöse und politische Führungsschicht nach Babylon verschleppt. In dieser sog. Babylonischen Gefangenschaft entwirft der Prophet Ezechiel Pläne für einen neuen Tempel, der im Wesentlichen am alten orientiert ist (Ez 40-42). Der neue Tempel gleicht einer Stadt, die von Mauerringen umgeben ist - mit einem viereckigen Platz, der nach allen Seiten durch Tore geschützt ist. Dieser Tempel ist zwar nie gebaut worden, die ausgiebige und plastische Beschreibung Ezechiels wurde aber später von Christen immer wieder aufgegriffen und mündet auch in die Bilderwelt der Apokalypse.

Das Neue Jerusalem (auch „Himmlisches Jerusalem“ genannt) entspringt einer Vision aus dem neutestamentlichen Buch der Offenbarung des Johannes (Kapitel 21), wonach am Ende der Apokalypse eine neue Stadt, ein neues Jerusalem entstehen wird. Dies geschieht, nachdem der alte Himmel und die alte Erde vergangen sind. Am Ende der Zeiten entsteht ein neuer Himmel und eine neue Erde und diese Endzeit wird symbolisiert in der heiligen Stadt, dem neuen Jerusalem (Offb 21,1–2). In der Wirkungsgeschichte der Vision stand oft der Berg Zion als solcher für das eigentliche Jerusalem und darum sollten in dieser Vorstellung die Kreuzzüge das irdische Jerusalem befreien, weil dann erst das Himmlische Jerusalem kommen könne.

In Offb 21,11–21 folgt eine detaillierte Beschreibung dieser Stadt. Sie soll von gleißendem Licht strahlen, aus glasartigem Gold und von quadratisch würfelförmiger Gestalt sein. Auf jeder der vier Seiten existieren jeweils drei Stadttore innerhalb der Stadtmauer, auf denen wiederum insgesamt zwölf Engel stehen. Zusätzlich sollen auf den Toren selbst die Namen der zwölf Stämme Israels vermerkt sein und auf den zwölf Grundsteinen die Namen der zwölf Apostel. Tore und Mauern sind mit Juwelen und Edelsteinen geschmückt.

Dieses Himmelsbild einer großen prächtigen Stadt hat die Kunst im Laufe der Geschichte immer wieder inspiriert, auch wenn sich das Bild von Stadt mit ihren charakteristischen Merkmalen im zeitgenössischen Verständnis immer wieder wandelt z.B. von der Himmelstadt des Frühmittelalters zur Himmelsburg der Romanik und dann wieder zur verzierten Bürgerstadt der Gotik.