Auch wenn der Tempel in Jerusalem vermutlich nicht ganz bildfrei war, man denke nur an die beiden Cherubim auf der Bundeslade, gilt für das Alte Testament ein grundsätzliches Verbot der bildlichen Darstellung. Dieses Verbot, wie es in den ersten Geboten des Dekalogs ausformuliert ist, beschränkt sich nicht nur auf die Darstellung Gottes:

„Du sollst neben mir keine anderen Götter haben. Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.“ (Ex 20,2-4; par Dtn 5,7-8)

Dort, wo das Bilderverbot konkretisiert wird, ist deutlich, dass es vorrangig um Kritik an der Verehrung von Kultbildern geht. Das sind die sogenannten Götzenbilder, die zwar von Menschen geschaffen, aber dann als Götter verehrt werden. Die Logik der Heiligen Schrift (auch z.B. Paulus in Ephesus) ist ganz pragmatisch: Was vom Menschen geschaffen ist, kann nicht göttlich sein.

Die Bildlosigkeit unterscheidet den Gott des Alten Testamentes von den Göttern der damaligen Umwelt. So wie der Name Gottes letztlich unaussprechbar ist („Ich bin, der ich bin“), kann er auch nicht dargestellt werden. Die Verdinglichung Gottes, indem er in einem von Menschen geschaffenen Bildwerk verehrt wird, gilt als Götzendienst, als sündhafter Verrat an Gott:

„Ihr sollt euch keine Götzen machen, euch weder ein Gottesbild noch ein Steinmal aufstellen und in eurem Land keine Steine mit Bildwerken aufrichten, um euch vor ihnen niederzuwerfen; denn ich bin der Herr, euer Gott.“ (Lev 26,1)

„Dann vertreibt vor euch alle Einwohner des Landes und vernichtet alle ihre Götterbilder! Alle ihre aus Metall gegossenen Figuren sollt ihr vernichten und alle ihre Kulthöhen zerstören.“ (Num 33,52)

„Alle müssen weichen und werden beschämt, die auf Götzenbilder vertrauen, die zu gegossenen Bildern sagen: Ihr seid unsere Götter.“ (Jes 42,17)

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit Götzenbildern findet sich im Brief des Jeremia, wie er in Baruch 6,1-72 überliefert ist. Es wiederholt sich das Kultbild-Verbot:

„Sie sind ja nur hölzerne, mit Gold und Silber überzogene Gebilde; man wird nach alldem erkennen, dass sie Trug sind. Allen Völkern und Königen wird es dann offenbar, dass jene keine Götter sind, sondern Werke von Menschenhand, und dass ihnen keine göttliche Wirkkraft innewohnt. Wer sieht da nicht, dass sie keine Götter sind? (Bar 6,50-51)

Im späteren Buch der Weisheit beschäftigen sich zwei ganze Kapitel (Weis 13 und 14) mit der „Torheit des Götzendienstes“, hier noch einmal zugespitzt in dem Satz: „Mit dem Gedanken an Götzendbilder beginnt der Abfall und ihre Erfindung führt zur Sittenverderbnis.“ (Weis 14,12)