Wie hält man den Kontakt in einer kontaktlosen Zeit? Diese Frage stellt sich auch für „die Kirche“. Auch in Vorarlberg. Und es hat sich viel getan. Zu wenig für 3508 Frauen und Männer, die 2021 aus der Kirche austraten.

3508 – diese Zahl steht am Ende des zweiten Corona-Jahres. 3508 Frauen und Männer in Vorarlberg haben im vergangenen Jahr ihren Austritt aus der Katholischen Kirche erklärt. Das sind um rund 600 mehr, als 2020 und um 300 mehr als noch 2019.
„Die Zahl der Kirchenaustritte schmerzt, liegt aber im Trend der Vorjahre“, ist ein erster Schluss, den man mit Pastoralamtsleiter Martin Fenkart und mit dem Blick auf die reinen Zahlen ziehen kann. Man brauche nun „keine hellseherischen Kräfte um zu erkennen, dass sich der Trend der Kirchenaustritte weiterhin fortsetzen wird. Kirche wird kleiner werden. Wir bleiben aber für alle Menschen im Dienst, nicht zuletzt dank der tausenden hoch engagierten Ehrenamtlichen.“
Was sie alles leisten, so Martin Fenkart weiter, wird im Trubel des Alltags und inmitten einer gesamtgesellschaftlichen Krise, oft leicht übersehen. „In Trauer und Krankheit sind Priester und Seelsorgerinnen für alle da – in den 126 Pfarren und auch in den Krankenhäusern des Landes. Alte und kranke Menschen werden besucht. Notleidende erhalten Hilfe z. B. bei der Telefonseelsorge.“

Kirche ist nicht egal

Das ist ein Aspekt von „Kirche im Land“, die vielen noch lange nicht gleichgültig ist. Nicht ohne Grund haben sich die Eltern von 2357 Kindern im vergangenen Jahr dafür entschieden, ihre Kinder taufen zu lassen. 283 Paare haben sich das Jawort gegeben, 145 Frauen und Männer sind (wieder) in die Kirche eingetreten und 34 haben ihren Austritt innerhalb von drei Monaten rückgängig gemacht. Auch das sind Kirchen-Zahlen aus dem vergangenen Jahr.
„Aus den Gesprächen mit austretenden Menschen bei unserer Dialogstelle wissen wir, dass traditionelle christliche Feste nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert in der Bevölkerung haben. In allen Gemeinden Vorarlbergs stehen die Kirchentüren für jede und jeden stets offen und laden zum Gebet ein. Und was viele nicht wissen, dass die Kirche mit all ihren Bildungshäusern und Einrichtungen zu den großen Bildungs-Playern im Land gehört. Ganz zu schweigen von unseren Leistungen im schulischen Kontext.“
Das alles wissend ist es die große Herausforderung, dieses Angebot, das von vielen gerne angenommen wird, noch zugänglicher zu gestalten. Sprich: Kontakt halten, auch wenn er heute loser sein wird als vor einigen Jahren.
Hier ist ein wacher und kritischer Blick für das gefragt, was schon alles da ist und was es vielleicht auch „nur“ neu zu entdecken gilt.


Vorläufige Zahlen zum Jahreswechsel

Jahr        Austritte    Taufen    (Wieder)Eintritte    Widerrufe
2021        3508        2357        145            34
2020        2898        1758        147            23
2019        3218        2326        141            32



Gesamtzahl der Katholik/innen in Vorarlberg

(jeweils resultierend aus dem Saldo „Eintritte/Austritte/Taufen/Sterbefälle“):
2021: 222.014
2020: 226.003
2019: 229.547