Den Tod will man oft nicht sehen. Dennoch ist er da und gehört auch dazu. „Von den letzten Dingen“ ist eine Veranstaltungsreihe, die vom 17. Oktober bis zum 7. November dem Sterben und der Trauer nachspürt. Organisiert wird sie von Helferinnen und Helfern rund um Johannes Herberger und Martin Salzmann, seines Zeichens Mesner am Rankweiler Liebfrauenberg. Ihn traf das KirchenBlatt zum Gespräch über ein Thema, über das man nicht gerne spricht und es gerade deshalb doch tun sollte.

Veronika Fehle

„Von den letzten Dingen“, so lautet der Titel eines breit angelegten Themenschwerpunkts rund um den Rankweiler Liebfrauenberg. Das Thema ist der Tod und das Sterben. Warum?
Martin Salzmann: Während und nach der Pandemie habe ich gemerkt, dass durch die Corona-Regeln unsere Beerdigungsrituale sehr eingeschränkt wurden und sich dadurch Veränderungen ergeben haben, die für mich in eine falsche Richtung gehen. Die Verabschiedung von Verstorbenen für die Öffentlichkeit nur auf gewisse Zeiten in der Aufbahrungshalle zu beschränken und auf Gottesdienste ganz zu verzichten oder diese nur im engsten Familienkreis durchzuführen, nehmen den Menschen eine wichtige Form der Verabschiedung. Das Thema „Tod und Trauer“ soll nicht tabuisiert werden. Es scheint, dass unsere Gesellschaft wieder lernen muss, mit der eigenen Vergänglichkeit umzugehen, Trauer und Schmerz zuzulassen und mit der Trauer anderer umzugehen.

Worauf haben Sie in der Programmierung der Reihe besonders Wert gelegt?
Martin Salzmann: Viele scheuen sich davor, sich mit der Thematik des Sterbens auseinanderzusetzen. Wir laden ein, mit uns mutig zu sein, und sich dem Thema zu stellen. Dazu bieten wir unterschiedliche Herangehensweisen. Sei es durch Musik, Gespräche oder auch kulinarisch, wenn wir Speisen, die in verschiedenen Kulturen zum Totenmahl gereicht werden, ausprobieren. Wir gehen auch mit Kindern der großen Frage nach „Wo ist der Mensch, oder das liebgewordene Haustier, wenn sie tot sind?“. In Gesprächsabenden setzen wir uns mit kontroversen Formen der Sterbebegleitung auseinander.

Sie selbst werden u. a. einen Rundgang über die Friedhöfe am Liebfrauenberg anbieten. Was gibt es dort zu entdecken?
Martin Salzmann: Zum Beispiel eine steinerne Friedhofslaterne aus dem Jahr 1406, die auf die lange Begräbnistradition auf dem Liebfrauenberg hindeutet. Am Fuße des Liebfrauenberges wurden Gräber aus dem 7. Jahrhundert n. Chr. bei Grabungen gefunden. Wir werden das ehemalige Beinhaus der Basilika besuchen und bei St. Michael die Kirche und den Arkadengang erkunden.

Das „Mesner-Stüble“ ist das Zentrum dieses Themenschwerpunktes. Soll das mehr werden?
Martin Salzmann: Wie der Balkon des Mesnerhauses den Blick über Rankweil hinaus weitet, so möchten wir vom Verein „Mesner-Stüble“ Menschen einladen durch Begegnung und Dialog an diesem Ort den eigenen Horizont zu weiten und das Zusammenleben in unserer Region zu gestalten. Mit einem regelmäßigen Programm möchten wir Interesse wecken.

Themenschwerpunkt
 „Von den letzten Dingen“, 17. Oktober bis
7. November, Liebfrauenberg Rankweil

  • 17. Oktober: Salingari Ensemble, 15 Uhr, St. Michael Kirche; Ausstellungseröffnung, Nikolaus Walter „Von den letzten Dingen“, 17 Uhr, Mesner-Stüble
  • 19. Oktober: Tod und jetzt?, Gesprächsabend mit Jozef Niewiadomski, 19 Uhr, Mesner-Stüble
  • 22. Oktober: Begräbnisrituale in Christentum und Islam, Gesprächsabend mit Hans Rapp, 19 Uhr, Mesner-Stüble
  • 23. Oktober: Rundgang auf Rankweiler Friedhöfen, Rundgang und Erzählungen mit Martin Salzmann, 15 Uhr, Treffpunkt: Kirchplatz Basilika Rankweil


Alle Termine: www.mesnerstueble.com
Anmeldung zu den Veranstaltungen unter: