Österreichs Hilfsorganisationen appellieren an die politisch Verantwortlichen, die Mittel für humanitäre Hilfe deutlich zu erhöhen – weil die beste Katastrophenhilfe Katastrophenschutz sei.

Aufgabe: Die Ausgaben der Bundesregierung für Werbung betrugen 2018 45 Millionen Euro. Für Parteienfinanzierung wurde fast das Anderthalbfache aufgewendet, nämlich 62 Millionen Euro. Wie hoch, glauben Sie, war das Budget für humanitäre Hilfe?

Die Antwort könnte Sie erstaunen: 23 Millionen Euro waren im Haushalt für die Unterstützung Menschen von Krisenregionen vorgesehen – kaum die Hälfte der Werbeaufwendungen und gerade mal ein Drittel des Parteienbudgets. Vorgesehen wären laut Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) allerdings 0,7 Prozent des Bruttonationalprodukts; also 53,6 Millionen Euro.

Das, was von diesen Geldern finanziert werden muss, wird mehr – auch dank unseres bislang wenig umsichtigen Umgangs mit dem fragilen ökologischen Gleichgewichts dieser Welt: Hungersnöte und Verteilungskriege aufgrund von Klimaveränderungen haben auch wir Österreicher/innen zu verantworten.

60 Millionen Euro für Humanitäre Hilfe gefordert

Darum appellierten Österreichs Hilfsorganisationen an die politisch Verantwortlichen, die Mittel für humanitäre Hilfe deutlich zu erhöhen: „Die nächste Bundesregierung muss im Regierungsprogramm die Mittel des Auslandskatastrophenfonds auf 60 Millionen anheben“, so Anneliese Vilim, Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung, am Montag bei einem Pressetermin in Wien. Die AG ist der Dachverband von 35 humanitären und entwicklungspolitischen Organisationen. Anlass für die Forderungen der Hilfsorganisationen war der Welttag der humanitären Hilfe.

Rund 142 Millionen Menschen seien weltweit auf Unterstützung Dritter angewiesen, sagte Sabine Wartha von der Caritas Österreich. Umweltkatastrophen würden sich häufen und immer länger dauern. Als Beispiel nannte sie den mittlerweile acht Jahre andauernden Syrien-Krieg, durch den mehr als zehn Millionen Menschen abhängig von humanitärer Hilfe seien. Nicht weniger dramatisch sei die Situation für jene, die die Folgen des Klimawandels unmittelbar zu spüren bekämen wie die Menschen in Mosambik, die durch den Zyklon Idai ihre Lebensgrundlage verloren hätten. Die, die am wenigsten Schuld trügen, litten am meisten unter der Erderwärmung, so Wartha.

Katastrophen verhindern helfen

Schon mit kleinen Beträgen könne man jedoch effizient Hilfe leisten, erklärte Wartha: „Zehn Euro reichen, um ein Kind im Kongo einen Monat lang zu ernähren. Deshalb macht es einen großen Unterschied, ob Österreich 20 oder 60 Millionen Euro für humanitäre Hilfe ausgibt.“
Andrea Barschdorf-Hager von Care-Österreich wies darauf hin, dass andere Länder wesentlich mehr humanitäre Hilfe leisteten als Österreich: Die Schweiz habe 2018 etwa 293 Millionen Euro bereitgestellt (0,44 % des BNP), Dänemark 304 Millionen (0,72 % des BNP) und Deutschland gar zwei Milliarden (0,62 % des BNP). Barschdorf-Hager kritisierte, dass im beginnenden Wahlkampf kein einziger Politiker die Handlungsnotwendigkeit thematisiere. „Machen Sie die humanitäre Hilfe endlich zum Thema!“, so ihr Appell gen Wien.

„Es gibt nur eines, das besser ist, als nach Katastrophen zu helfen: sie zu verhindern. Daher brauchen wir nicht nur mehr Mittel für die Katastrophenhilfe, sondern auch Mittel für Vorsorgemaßnahmen“, sagte Walter Hajek, Leiter der Internationalen Zusammenarbeit beim Österreichischen Roten Kreuz. „Wir wissen, dass aufgrund des Klimawandels wetterbedingte Katastrophen häufiger auftreten. Durch Vorsorgemaßnahmen wie Hangverbauungen, Evakuierungspläne oder Frühwarnsysteme können wir die Auswirkungen solcher Phänomene reduzieren.“ Sinnvoll wäre daher ein Fonds, aus dem Projekte zur Katastrophenvorsorge finanziert werden, analog zum Auslandskatastrophenfonds. Das sei nicht nur aus humanitärer Sicht wichtig, sondern auch ökonomisch sinnvoll. Hilfsmaßnahmen würden nämlich das vier- bis achtfache von Prävention kosten, so Hajek.

Quelle: kathpress.at / oecd.org / red