Ein Boot mit Migranten "ankert" seit dem Welttag der Migranten am Sonntag auf dem Petersplatz – enthüllt von Papst Franziskus persönlich.

140 Menschen drängen sich auf einem kleinen Boot. Frauen und Männer, die Koffer tragen, Bündel und Gesichtsausdrücke, die von stoisch über besorgt bis hoffnungsvoll reichen. Auch Kinder sind unter ihnen, ein Hund – und: ein Engel.

„Angels unaware“ lautet der Titel einer lebensgroßen Skulptur aus Bronze und Ton, die seit Sonntag den Petersplatz in Rom ziert. Sie stammt vom kanadischen Künstler Timothy Schmalz, der für seine Arbeiten mit religiösem Bezug bekannt ist (z. B. „Homeless Jesus“, der u. a. vor dem Eingang der päpstlichen Almosenverwaltung im Vatikan steht) und sich hier vom Hebräer-Brief inspirieren ließ: „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt!“

Gelebte Gastfreundschaft

Anlässlich des gestrigen Welttags der Migranten enthüllte Papst Franziskus die Plastik. Er habe sie ausgesucht, damit sie „stets an die Herausforderungen der Gastfreundschaft aus dem Evangelium erinnert“, so Franziskus am Ende des Gottesdienstes.

Darin hatte er dazu aufgerufen, sich um alle zu kümmern, die rechtlos sind und an den Rand gedrängt werden. Mit Bezug auf das Motto des Welttages „Es geht nicht nur um Migranten!“, betonte der Papst erneut den Einsatz für alle Schwachen einer Gesellschaft. „Es geht nicht nur um Fremde, es geht um alle Bewohner der existenziellen Ränder, die zusammen mit den Migranten und Flüchtlingen Opfer der Wegwerfkultur sind.“

Mit bewegter Stimme zitierte der Papst aus seiner Botschaft zum Welttag: „Die heutige Welt ist von Tag zu Tag elitärer und grausamer gegenüber den Ausgeschlossenen.“ Dies sei „eine Wahrheit, die schmerzt“, so Franziskus. „Wir können nicht umhin zu weinen. Wir können nicht umhin zu reagieren“, mahnte er angesichts fortgesetzter Ausbeutung von Entwicklungsländern sowie des Waffenhandels, von dem wenige profitieren, und von Kriegen, die „nur bestimmte Regionen der Welt“ betreffen.

Es geht um Menschen

Der „Welttag des Migranten und Flüchtlings“ wurde 1914 von Papst Benedikt XV. (1914–1922) eingeführt. 2019 findet er laut Vatikanangaben zum 105. Mal statt. Mit dem Motto der heurigen Ausgabe will die katholische Kirche einerseits auf die größeren Ursachen für Flucht und Migration aufmerksam machen, andererseits aber auch auf die Lage Einheimischer am Rande der Gesellschaft.

Quelle: kathpress.at (1 | 2) / red