Der Belgier Frank Van Den Bleeken wird demnächst sterben. Weil er das so will. Seit den 1980er Jahren sitzt er eine lebenslange Haftstrafe wegen Vergewaltigung und Mordes ab, nun wurde sein Antrag auf Sterbehilfe genehmigt. Was in Belgien erlaubt ist, ist in Österreich illegal. Und soll es, wenn es nach den 20.700 österreichischen Unterzeichnern der Bürgerinitiative "An der Hand" geht, auch bleiben. Sie treten für ein Sterbehilfe-Verbot im Verfassungsrang und eine flächendeckende Hospiz- und Palliativversorgung ein.

Nicht mehr lange, dann wird Van Den Bleeken vom Gefängnis  in ein Krankenhaus verlegt werden. Anschließend darf er noch 48 Stunden mit seiner Familie verbringen, dann wird seinem Wunsch nachgekommen. Der 50-jährige Frank Van Den Bleeken stirbt mit ärztlicher Hilfe. Der Fall des Verurteilten ist der erste genehmigte Sterbehilfefall in Belgien, der einen Häftling betrifft. Seit seit drei Jahren kämpft Van Den Bleeken vor Gericht. Nicht, um aus der Haft entlassen zu werden, sondern für sein Recht auf Sterbehilfe.

Sterbehilfe in Belgien: Seit 12 Jahren erlaubt
Der Belgier sitzt eine lebenslange Haftstrafe wegen Vergewaltigung und Mordes ab, zu der er in den 1980er Jahren verurteilt wurde.  Der Grund, warum Van Den Bleeken unter ärztlicher Hilfe sterben möchte, ist, dass er seine gewalttätigen sexuellen Zwänge nicht unter Kontrolle bringen könne. Den ersten Antrag auf Sterbehilfe stellte der Verurteilte im Jahr 2011, weil er unter "unerträglichen psychischen Qualen" leide. In Belgien ist aktive Sterbehilfe seit zwölf Jahren erlaubt. 

An der Hand
Anders sieht die Lage in Österreich aus, wo Sterbehilfe nach wie vor verboten ist. Seit Mai gibt es eine Bürgerinitiative, die bereits über 20.700 ÖsterreicherInnen unterzeichnet haben. "An der Hand" heißt die Initiative, die für ein Sterbehilfe-Verbot im Verfassungsrang und eine flächendeckende Hospiz- und Palliativversorgung steht. Zur Unterzeichnung haben u.a. zahlreiche kirchliche Persönlichkeiten, darunter die Mitglieder der Österreichischen Bischofskonferenz, aufgerufen.

Sterben lernen müssen
Die Erstunterzeichnerin Gudrun Kugler erklärte, sie hoffe, dass die Anliegen der Unterzeichner auch von der anlaufenden parlamentarischen Enquetekommission zur "Würde am Ende des Lebens" wahrgenommen werden. Die Bürger müssten ernstgenommen werden, appellierte sie an die Kommissionsmitglieder, die am Mittwoch im Parlament zu einer internen Sitzung zusammenkommen waren. "Ich glaube, dass wir in Österreich das Sterben lernen müssen, aber nicht das Töten erlauben sollen", sagte Kugler. Es sei wichtig, den in Österreich rechtlich geltenden Status quo durch eine entsprechende Verfassungsbestimmung vor vorschnellen Änderungen in künftig eventuell anderen politischen Konstellationen abzusichern.

Erklärung der Bischofskonferenz
Die Österreichische Bischofskonferenz sprach sich zuletzt in einer Erklärung nach der jüngsten Sommervollversammlung für eine verfassungsrechtliche Verankerung des geltenden Verbots der aktiven Sterbehilfe aus. Der in Österreich bestehende breite Konsens hinsichtlich eines Verbots der aktiven Sterbehilfe und des Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung müsse gestärkt werden, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Bischöfe. (red/kathpress/standard)