Frauen bei der Bischofskonferenz. Geht das? Und wie! Das zeigte die diesjährige Sommervollversammlung, bei der der Austausch mit Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen ein erster großer Programmpunkt war.

„Wir wollen aufmerksam hören, was uns gesagt wird“, hatte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner, mit Blick auf den Studiennachmittag verlautbaren lassen. Und zu hören gab es viel, schließlich hatten die 15 Frauen, die alle in leitenden Positionen „ihre“ Kirche mitgestalten, viele Wünsche, Forderungen, Kritik und Realität im Gepäck. Kurze Impulse und spontane Diskussionsbeiträge prägten den moderierten und strukturierten Austausch, der übrigens ein Novum war. Dabei ging es zum einen um die aus Sicht der Frauen wichtigen Themen der Kirche und zum anderen um die Frage, inwieweit die Mitarbeit der Frauen in Leitungsfunktionen gestärkt werden kann. Ob und was aus diesem Austausch entsteht, wird sich zeigen. Wie der Weg zu einer gemeinsamen Kirche auf Augenhöhe aussehen kann, lesen Sie in den Statements der Frauen in alphabetischer Reihenfolge.

Eder-Cakl GabrieleMag.a Gabriele Eder-Cakl
Pastoralamtsdirektorin der Diözese Linz

Viele Menschen - vor allem junge Menschen - verstehen eigentlich gar nicht mehr, warum Männer und Frauen nicht gleichberechtigt in der Katholischen Kirche sind. Warum es keine Diakoninnen, Priesterinnen und Bischöfinnen gibt. Es ist an der Zeit, hier Veränderungen vorzunehmen.

Ferchl-Blum Annamaria 2020Mag. Annamaria Ferchl-Blum
Schulamtsleiterin Diözese Feldkirch

Die feministisch-theologische Forschung hat zahlreiche Ergebnisse zu Tage gebracht, auf denen eine Gleichstellung von Frauen in allen Ämtern theologisch gut begründet werden könnte. Der bibilische Befund zur  Apostelin Maria von Magdala und zur hervorragenden Stellung von Frauen in der frühen Hauskirchenbewegung bei Paulus begründet eine Tradition, in der wir uns als Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen gut wiederfinden.

Anna HollwögerMag. Anna Hollwöger
Generalsekretärin der Katholischen Aktion Steiermark und Leiterin des Ressorts Seelsorge & Gesellschaft in der Diözese Graz-Seckau

Kirchliche Rollenzuschreibungen engen Frauen ein, vgl. zuletzt etwa Querida Amazonia, 2020: „Denn der Herr wollte seine Macht und seine Liebe in zwei menschlichen Gesichtern kundtun: das seines göttlichen menschgewordenen Sohnes und das eines weiblichen Geschöpfes, Maria.“ (QA 101) Das widerspricht dem Wissen um die Gottesebenbildlichkeit aller Menschen, egal welchen Geschlechts, und der daraus abgeleiteten Würde. Wie können wir den jungen Menschen, zumal unserer Töchtergeneration, vermitteln: „Jeder Mensch ist zur Freiheit berufen!“, wo diese starre Zuschreibung von Rollen dem entgegenläuft?  Hier hat die Kirche ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, das häufig als Grund für den Kirchenaustritt genannt wird – bei Frauen und Männern.

Kandler-Mayr Elisabeth Lic.iur.can. Dr. Elisabeth Kandler-Mayr
Ordinariatskanzler der Erzdiözese Salzburg

Ein zentraler Punkt muss die aktive Förderung von jungen Frauen in Berufen in der Kirche sein, nicht nur im Ehrenamt, und unabhängig von der Frage der Weihe. Dafür braucht man ein aktives Mentoring, familienfreundliche Posten und passende Ansätze der Personalentwicklung. Übernehmen Frauen pfarrliche oder diözesane Ämter, trägt das dazu bei, die katholische Kirche als echte Gemeinschaft in allen Lebensbereichen sichtbar und erfahrbar zu machen. Die Teilnehmerinnen am Studiennachmittag erleben ihre Leitungsaufgaben in der katholische Kirche als positive Herausforderung und Tätigkeit, möchten das gerne anderen vermitteln und sie motivieren. Es muss besser sichtbar werden, dass verschiedene Leitungsaufgaben der Kirche auch jetzt schon Frauen offenstehen.

Kupka-Baier Rita Mag. Rita Kupka-Baier     
Leitung der Kontrollstelle der Erzdiözese Wien

Die Verantwortung für sein eigenes Tun und Handeln zu übernehmen, ist wesentlich. In der neuen literarischen Gattung – Rücktritt anbieten / Annahme verweigern – wird dieses Thema der Verantwortungsübernahme treffend dargestellt und ausgeführt. DER kirchliche Ort für Übernahme von Verantwortung ist die Beichte. Ich stehe, zu dem, was ich getan habe, bereue und bemühe mich um Wiedergutmachung und Besserung. Und die Frage, die ich an Sie habe: Wieso werde ich als Frau gezwungen bei einem Mann zu beichten?

Mayrhofer Beatrix Sr. Beatrix Mayrhofer
Ehemalige Vorsitzende der Frauenorden Österreich

Als Ordensfrau fühle ich mich verbunden mit den Frauen unserer Kirche. Im ehrlichen Ringen um wertschätzende Beteiligung an kirchlichen Entscheidungsprozessen können wir gerade jetzt, in der Vorbereitung auf die Synode, einen guten gemeinsamen Weg finden. Das Treffen mit den Bischöfe war für mich ein ermutigender Schritt.

Müller Sigrid Univ.-Prof. Dr. Sigrid Müller
Vorständin des Instituts für Systematische Theologie und Ethik an der Universität Wien

Was wünschen sich junge Frauen von ihren Bischöfen? Dass sie ihnen zuhören, für einen wertschätzenden Leitungsstil in den Pfarren sorgen und pastorale Aufgaben nach persönlichen Charismen vergeben; und darüber hinaus, dass in allen Gremien und Prozessen vom Pfarrgemeinderat bis zur Bischofssynode Frauen präsent sind und eine Stimme haben. Ein Danke an die Bischöfe, die sich bereits darum bemühen!

Pinz Andrea HRn Mag. Andrea Pinz
Schulamtsleiterin der Erzdiözese Wien

Meine Aufgabe als Verantwortliche für den Bildungsbereich ist eine Brückenfunktion hinein in die Gesellschaft, zu öffentlichen Stellen und politischen Parteien. Wir arbeiten „an den Rändern“ von Kirche und erreichen Menschen, die nicht zur kirchlichen Kernschicht gehören. Bei unseren Partnern werde ich als das „Gesicht von Kirche“ wahrgenommen. Es löst immer wieder wohlwollendes Staunen aus, dass eine Frau diese zentrale und vielschichtige kirchliche Position innehat und gestalten kann.

Ritter-Grepl Angelika Mag.a Angelika Ritter-Grepl   
Vorsitzende Katholische Frauenbewegung Österreichs

Es gibt kein Kochrezept für Gerechtigkeit. Geschlechtergerechtigkeit in Gesellschaft und Kirche sind nicht voneinander zu trennen. Es braucht einen strukturierten Dialog zwischen Bischöfen und Frauenvertreterinnen, damit Welt und Kirche für Frauen gerechter werden und Gerechtigkeit fängt in den Pfarren an.


Schmid Rita-MariaSr. Rita-Maria Schmid SSC
Äbtissin der Gemeinschaft der „Schwestern der Hl. Klara“

Frauen als Priesterinnen oder viri probati werden nicht die Kirche retten, werden nicht die Kirchenbänke füllen – oder doch? Aber wir gewinnen an Glaubwürdigkeit in der Gesellschaft.  Es geht mir darum, die kirchlichen Dienste mit unserem Frausein zu füllen und zu ergänzen, damit es ein ganzer Schöpfungsauftrag wird.“


Velik-Frank Barbara Dr.in Barbara Velik-Frank     
Personal- und Regionalentwicklerin, Leitung der diözesanen Ausbildung für Pastoralassistent*innen, geistliche Assistentin KFB(Ö)

Die Berufung zum/zur Seel-sorger/in ist nicht ans „Mannsein“ oder ans „Frausein“ gebunden, sondern es ist ein Geschenk Gottes. Ich bin in der Aus- und Fortbildung von Pastoralassistent*innen tätig. Wo finden wir in unserer Kirche Orte, wo junge Menschen, die diese Berufung verspüren,  seelsorglich tätig sein können, ohne auf vorgefertigte Identitätsangebote oder Rollen reduziert zu werden.


Wessely  Nadja Dr.in Nadja Wessely
Leiterin der Ombudsstelle für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch, Militärdiözese

Es genügt nicht, Leitungsfunktionen pro forma mit Frauen zu besetzen, ohne ein Umfeld zu fördern und zu schaffen, welches diesen ermöglicht, ihre
Leitungsfunktion auch tatsächlich auszuüben. 

Fotocredit: Kneidinger-Photography, Joseph Kreplan, Sonntagsblatt/Gernd Neuhold, Franz Neumayr, Gabriele Paar, Steve Schoenlaub, C.Sigl, Dietmar Steinmair, Violetta Wakolbinger