Die Tragödie im Mittelmeer erschüttert. Menschen setzten - wie in Wien - Zeichen der Solidarität. Andere, wie Papst Franziskus, rufen zum "schnellen und entschiedenen" Reagieren auf. Aus der Verantwortung ziehen kann sich mittlerweile niemand mehr.

Papst Franziskus hat die internationale Gemeinschaft angesichts der neuerlichen Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer zum sofortigen Handeln aufgefordert. Sie müsse "schnell und entschieden" reagieren, damit sich solche Tragödien nicht wiederholten, sagte er am Sonntag beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz. Die Opfer seien "Männer und Frauen wie wir, unsere Brüder", so Franziskus. Es handele sich um Hungrige, Verfolgte, Verletzte, Ausgebeutete und Kriegsopfer, die ein besseres Leben und Glück suchten. Franziskus rief die mehreren zehntausend Menschen auf dem Petersplatz zum stillen Gebet für die Opfer auf.

Bei einem neuerlichen Schiffsunglück sind nach ersten Befürchtungen bis zu 700 Flüchtlinge ertrunken. Nach italienischen Medienberichten kenterte in der Nacht zum Sonntag ein überfülltes Fischerboot 60 Meilen nördlich von Libyen im Kanal von Sizilien.

Apell des Caritas-Präsidenten

Auch Caritas-Präsident Michael Landau fordert ein Bündel von Maßnahmen, damit sich ein derartiges Drama nicht wiederholt. "Italien kann das nicht alleine leisten. Es muss eine Rückkehr zum EU-Programm Mare Nostrum geben", so Landau am Sonntag. Es brauche weiters ein Resettlementprogramm und die Möglichkeit einer sicheren und legalen Antragsstellung für Asyl.

Landau wörtlich: "Wer Schleppern das Handwerk legen möchte, muss Menschen auf der Flucht die Möglichkeit geben, legal Europa zu erreichen und legal einen Antrag zu stellen." Ob das in Lagern in Afrika erfolgen könne, ist aus seiner Sicht "mehr als fraglich" - etwa hinsichtlich des erforderlichen Schutzes, der Sicherheit, aber auch der rechtsstaatlichen Verfahrensqualität.
 
Indem die Innenminister die Festung Europa aufgerüstet hätten, machten sie sich mitschuldig, "wenn sie jetzt nicht rasch und wirksam helfen". Landau: "Aber wir alle tun das auch, wenn wir wegsehen."
 
Kundgebung am 20. April

Bei einer stillen Kundgebung auf dem Wiener Minoritenplatz gedachten Caritas und andere Menschenrechts- und Flüchtlingsorganisationen - darunter das Rote Kreuz, die Diakonie, Volkshilfe, SOS Mitmensch, Amnesty International - am Montag der 700 ertrunkenen Flüchtlinge des Bootsunglücks, das sich in der Nacht von Samstag auf Sonntag ereignet hat.

kathpress