Bei seinem traditionellen Weihnachtssegen "Urbi et Orbi" hat Papst Franziskus am Christtag zu mehr Anstrengungen für den Frieden weltweit aufgerufen und der Opfer von Gewalt und Verfolgungen gedacht.

Bei seinem traditionellen Weihnachtssegen "Urbi et Orbi" hat Papst Franziskus am Christtag zu mehr Anstrengungen für den Frieden weltweit aufgerufen und der Opfer von Gewalt und Verfolgungen gedacht. Von der Mittelloggia des Petersdoms aus erinnerte er vor allem auch an das Leid von Kindern in Konflikten. Für das vom Krieg zerrissene Syrien rief er zu internationalen Friedensbemühungen auf. Auch in der Ukraine brauche es "konkrete Lösungen für einen dauerhaften Frieden". Der Papst beklagte vielfältiges Unrecht als eigentliche Fluchtursache für Migranten weltweit. Auch deren Ablehnung in Europa nannte er eine "Ungerechtigkeit". Christus solle das "oft verhärtete und egoistische Herz" der Menschen erweichen, sagte er vor dem Segen "Urbi et orbi".

Franziskus bestärkte die versöhnlichen Kräfte im Heiligen Land. Trotz der Schwierigkeiten ließen sich dort viele nicht in ihrer Hoffnung auf Frieden, Sicherheit und Wohlstand entmutigen. Der Libanon müsse aus einer aktuellen Krise herausfinden und wieder ein "Modell harmonischen Zusammenlebens" werden. Ferner lenkte der Papst den Blick auf die Spannungen im Irak und die humanitäre Krise im Jemen.

Ebenso erinnerte er an soziale und politische Unruhen in verschiedenen Ländern Amerikas. Die Menschen in Venezuela ermutigte er, sich für Gerechtigkeit, Versöhnung und ein Ende der Armut einzusetzen. Auf Spannungen und Probleme in Fernost, etwa die Lage der Uiguren in China und die Proteste in Hongkong, ging das Kirchenoberhaupt hingegen nicht ein.

In Afrika würden viele durch die sozialen und politischen Verhältnisse zur Auswanderung gezwungen, sagte der Papst. Er verwies auf Gewalt, Naturkatastrophen und Notlagen in der Gesundheitsversorgung. Ausdrücklich beklagte er die andauernden Konflikte im Kongo, aber auch Entführungen von Missionaren und islamistische Angriffe in Burkina Faso, Mali, Niger und Nigeria.

Nachdrücklich bat Franziskus um Schutz für Migranten. Sie erlebten "unsagbare Misshandlungen" und Folter in Auffanglagern. Es sei "Ungerechtigkeit", die Menschen zwinge, Wüsten und Meere zu durchqueren, die zu "Friedhöfen" würden. Ebenso sei es eine Ungerechtigkeit, wenn Migranten mit ihrer Hoffnung auf ein würdiges Leben abgewiesen würden und auf "Mauern der Gleichgültigkeit" stießen.

Im Anschluss an die Weihnachtsbotschaft spendete der Papst den traditionellen Segen "Urbi et orbi", "der Stadt und dem Erdkreis". Zu der feierlichen Zeremonie, die nur an Weihnachten und Ostern sowie nach einer Papstwahl stattfindet, versammelten sich Zehntausende Besucher und Pilger vor der Loggia des Petersdoms.

Feierliche und entspannte Atmosphäre.

Der Segen wurde von 150 Fernsehstationen per Satellit in alle Teile der Welt übertragen. An den Zugängen zum Platz herrschten strenge Sicherheitsvorkehrungen. Wer es aber bis ins Rund der Kolonnaden geschafft hatte, erlebte eine zugleich feierliche und entspannte Atmosphäre.

Ein Bataillon der italienischen Streitkräfte und eine Formation der Päpstlichen Schweizergarde spielten die italienische und die vatikanische Hymne. Der frühere Präsident des Päpstlichen Friedens- und Migrantenrats, Kardinal Renato Martino, wies vor dem lateinischen Segen des Papstes darauf hin, dass dieser Segen auch für alle in den Medien zugeschalteten Menschen gelte und mit ihm ein Ablass verbunden sei. Seit dem Mittelalter erteilen Päpste den Segen "Urbi et Orbi", der der Stadt Rom und dem ganzen Erdkreis gilt.

Neben Franziskus stand auch sein Almosenmeister, der polnische Kardinal Konrad Krajewski, auf der Mittelloggia von Sankt Peter. Krajewski hat Anfang Dezember im Auftrag des Papstes etwa dreißig Migranten von der griechischen Insel Lesbos nach Rom gebracht. Krajewski und sein Team sowie die römische Basisgemeinschaft Sant'Egidio werden sich um die Migranten und Flüchtlinge - vornehmlich Familien aus Afghanistan, Togo und Kamerun sowie einige unbegleitete Jugendliche - kümmern.

Quelle: kathpress.at