Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ist von Papst Benedikt zum Vorsitzenden der Glaubenskongregation ernannt worden. Der 64-Jährige bekleidet damit das formal dritthöchste Amt in der römischen Kurie.

Der gebürtige Mainzer gilt als renommierter Dogmatiker, dessen Standardwerk sogar schon ins Chinesische übersetzt worden ist. Müller ist Ökumene-Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz, seit 1997 Mitglied der Internationalen Theologenkommission und seit 2002 Mitglied der Glaubenskongregation. Durch die Herausgabe der gesammelten Ratzinger-Werke stand er in den letzten Jahren in ständigem Kontakt mit Papst Benedikt XVI., die beiden Kirchenmänner verbindet eine langjährige Freundschaft.

Das Spektrum von Müller's Kontakten reicht von Opus Dei-nahen Hochschulen bis zu führenden lateinamerikanischen Befreiungstheologen wie dem Peruaner Gustavo Gutierrez, mit dem Müller befreundet ist. Der Regensburger Bischof bringt damit gute Voraussetzungen für die Aufgabe in der römischen Kurie mit.

Das Amt

Müller übernimmt die Aufgabe des Präfekten der Glaubenskongregation vom amerikanischen Kardinal William Joseph Levada, der im Alter von 76 Jahren in den Ruhestand tritt. Der Vorgänger Levadas war Joseph Ratzinger, der das Amt bis zu seiner Papstwahl mehr als zwei Jahrzehnte inne hatte.

Als Leiter der Glaubenskongregation hat Müller nun die Aufgabe, den katholischen Glauben zu stärken und zu schützen. Auf Fragen aus Kultur und Wissenschaft muss er Antwort aus dem Glauben geben sowie das Glaubensverständnis fördern. Zu seinen Aufgaben zählt auch, Lehrmeinungen hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit oder Unrichtigkeit zu prüfen. Zudem gehen alle Dokumente anderer Kongregationen, die Fragen des Glaubens oder der Sittenlehre betreffen, über den Schreibtisch des neuen Präfekten.

Erste Reaktionen

Die Reaktionen in kirchlichen Kreisen auf Müller's Ernennung waren sehr unterschiedlich. Die Deutsche Bischofskonferenz gratulierte, Kardinal Schönborn bezeichnete ihn als "hervorragend geeignet und vorbereitet", der deutsche Theologe Hans Küng sprach von "Fehlbesetzung" und die Piusbrüder beschrieben ihn auf ihrer Internetseite als "Karrierist". Ein Portrait, das sich dieser Unterschiedlichkeit durchaus annähert, findet sich in der Frankfurter Allgemeinen.