Die Öko-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus soll zum "Megaphon in die Politik" werden und dringend notwendige Veränderungsprozesse anstoßen, erklärte der Präsident des Weltdachverbandes katholischer Entwicklungsorganisationen (CIDSE), Heinz Hödl. Ein Vorschlag, dem er selbst folgt und im Rahmen einer Expertentagung das Motto "Change for the Planet, Care for the people" ausruft. Entscheidungsträger und auch Einzelpersonen sollen für den Klimaschutz "wachgerüttelt" werden - und am besten einen radikalen Lebenstilwandel vollziehen.

Das Echo auf die Enzyklika "Lautdato si" ist - insbesondere in Österreich - ja durchwegs positiv.  Neben zahlreichen Stimmen aus dem Bereich der katholischen Kirche äußerten auch Umweltschutz- und Entwicklungshilfe-NGOs sowie Politiker Wertschätzung für das Mitte Juni  veröffentlichte umfangreiche Rundschreiben. Als "wichtigen Appell an unsere Gesellschaft", oder einen "hochwillkommenen Ansporn zum Umdenken" wurde die Enzyklika bereits bezeichnet. Nun findet auf Einladung des NGO-Dachverbandes CIDSE (Coopération Internationale pour la Solidarité et le Développement) und des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden (Iustitia et Pax) gerade eine  Expertentagung mit 200 Wissenschaftlern, Politikern, Menschenrechtlern und Kirchenvertretern statt.

Ich will mich ändern?
17 große katholische Hilfswerke aus Europa und Nordamerika haben eine gemeinsame Kampagne für radikale Änderungen des Lebensstils zugunsten der Umwelt gestartet. Energieverbrauch und Fleischkonsum sollen etwa zurückgefahren und lokale Lebensmittel bevorzugt werden, so das gemeinsame Anliegen. Schließlich sei die revolutionärste Aussage des gesamten Dokuments "Laudato si", dass das Klima erstmals in der Geschichte der katholischen Soziallehre als gemeinsames Gut aller Menschen definiert werde.

Klimabewusster Lebensstil
Politische Rahmenbedingungen seien nötig, um den Wandel im Lebensstil zu erleichtern, erklärt Heinz Hödl (CISE).  Die Grundbereitschaft für den Kauf fairer und nachhaltiger Produkte oder zu Einschränkungen bei Ressourcen- und Energieverbrauch gebe es nämlich schon bei vielen . Durch das Lostreten einer "Bewegung" für einen klimabewussten Lebensstil soll der Druck auf eine Veränderung des politischen und wirtschaftlichen Systems hin zu mehr Gerechtigkeit erhöht werden, so die CIDSE, zu der auch die - ebenfalls von Hödl geleitete - Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für internationale Entwicklung und Mission (KOO) zählt. Nötig sei dies deshalb, da Klimawandel und Armut nicht voneinander getrennt werden könnten. Menschen in Armutsgebieten der Entwicklungsländer würden schließlich am meisten unter Folgen des Klimawandels sowie unter der Zerstörung der Umwelt leiden - und könnten sich noch dazu kaum dagegen wehren.

Laute Rufe
Die Öko-Enzyklika "Laudato si" von Papst Franziskus soll zum "Megaphon in die Politik" werden und dringend notwendige Veränderungsprozesse anstoßen. Derzeit gebe es noch viel zu viele "stumme Zeugen einer extrem ungerechten Welt" mit einem Weltwirtschaftssystem, das Menschenrechtsverletzungen als Kollateralschäden in Kauf nimmt, erklärte Hödl. Papst Franziskus habe bereits einen Schritt in die richtige Richtung gemacht, nun sei es an den Kirchen alternativen Ökonomiemodelle konsequent zu unterstützen.

Die Summe an guten Dingen und Taten
Auch Bischof Benno Elbs erklärt: „Der Auftrag, der mit der Enzyklika ,Laudato si‘ an uns ergeht, ist ein zweifacher. Er verpflichtet uns dazu, unser Tun und Handeln immer und immer wieder zu überprüfen. Denn wir leben ja tatsächlich auf ,zu großem Fuße‘, wenn unser ökologischer Fußabdruck einem Vielfachen dessen entspricht, was die Natur erträgt. (...) Den zweiten Auftrag der Enzyklika verstehe ich als eine Bestandsaufnahme all dessen, was wir in den letzten Jahren bereits geleistet haben. Ich denke da zum Beispiel an die über 900 Umweltbeauftragten in den österreichischen Diözesen und Pfarren. Ich denke da an Kirchenrenovierungen, bei denen auf alternative Energiequellen gesetzt wurde und ich denke da an ganz kleine Dinge wie das ,Autofasten‘, oder das Verwenden von fair gehandelten Produkten. Das sind kleine Dinge, die in ihrer Summe groß werden können“

Zur rechten Zeit
Die Enzyklika "Laudato si" komme auch im Hinblick auf nichtkirchliche internationale Konferenzen "zur rechten Zeit", wies Hödl auf die heuer anstehenden UN-Gipfelgespräche in Addis Abeba (zum Thema Entwicklungsfinanzierung, 11.-12. Juli), New York (Millennium+15; 25.-27. September) und Paris (Klimakonferenz; 30. November-11. Dezember) hin. (red/kathpress)