Wie ein kleiner Schubser ein ganzes, großes Ding ins Rollen bringen kann, das lässt sich anhand des Vereins "KlimaVOR" eigentlich wie aus dem Bilderbuch beobachten. Und dabei befindet man sich erst im ersten Kapitel.

Vor etwas mehr als einem Jahr hat der Vorarlberger Landtag den Klimanotstand ausgerufen und ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen. Jede und jeder weiß, die Erderwärmung ist ein (zu) heißes und immer heißer werdendes Eisen. Jede und jeder weiß, dass der CO2-Ausstoss drastisch reduziert werden muss, und eigentlich wüsste auch jede und jeder, was man ganz konkret ab morgen dafür ändern könnte. Könnte, ja Konjunktiv.

Dass es dabei überhaupt kein Kunststück ist, aus dem Konjunktiv einen Indikativ werden zu lassen, das stellt zum Beispiel der Kurzfilm "Klimaneutral leben - Was geht in Vorarlberg?" ins Schaufenster des "KlimaVOR"-Vereins. Präsentiert wurde er erst kürzlich im Caritas Wirkraum in Dornbirn und diskutiert wurde über Möglichkeiten und Unmöglichkeiten auch gleich direkt im Anschluss.

Schon klimagecheckt?

Ein Knackpunkt war dabei natürlich das vom Vorarlberger Landtag beschlossene Maßnahmenpaket. Die Umsetzung des Beschlossenen hinke dem Beschluss nämlich noch nach. Für "KlimaVOR"-Obmann Christof Drexel ist die rasche Einführung des beschlossenen Klimachecks, mit dem jedes Gesetz, jede Verordnung und jede Förderung dahingehend geprüft wird, ob sie den Zielen der Energieautonomie und dem Klimaschutz dient, deshalb unumgänglich. „Dieser Gesetzescheck muss weitreichende Folgen haben“, ist er überzeugt. „Dass er nach mehr als einem Jahr noch immer nicht umgesetzt ist, zeigt, dass Klimaschutz in der Landesregierung nach wie vor einen zu geringen Stellenwert hat. In den vergangenen Monaten ist viel zu wenig Konkretes passiert.“

Was ein Verein tun kann

Natürlich, Gesetze werden nicht auf Vereinsebene gemacht. Was aber sehr wohl an dieser Stelle geleistet werden kann, ist Bewusstseinsbildung und die Arbeit daran, dass ein Dauerbrenner-Thema wie das Klima nicht aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwindet. In mehreren Arbeitsgruppen sollen deshalb, so die Zielvorgabe der "KlimaVOR"-Mitglieder, Maßnahmen und Vorschläge für die Bereiche Mobilität, Gebäudewärme, Ernährung und Energie erarbeitet werden. „Der Fokus liegt dabei auf konkreten, in Vorarlberg rasch umsetzbaren Schritten, die wir dann auch mit der Landespolitik diskutieren wollen“, kündigt Drexel an.

Klimaschutz per Kurzfilm

Ein Zwischenergebnis der Arbeitsgruppe "KlimaWissen - KlimaHandeln" (abrufbar unter: www.klimavor.at), bekam man übrigens im Wirkraum Dornbirn ebenfalls gleich zu Gesicht. Dabei begleitete Steffi Rüscher drei ihrer VereinskollegInnen durch den Alltag. Dabei fiel auf, dass alle drei sehr gut leben, ohne großartig unter Verzicht zu "leiden". Denn, was macht es schon, wenn man für den Einkauf die Stofftasche von zu Hause mitnimmt? Es tut auch nicht wirklich weh, wenn ein bisschen weniger Fleisch auf dem Teller landet. Urlaub? Ja, sicher, aber das geht vielleicht ja auch mit dem Zug. Und auch der Weg zur Arbeit und vom Büro nach Hause kann in sehr vielen Fällen gut mit den Öffis gemeistert werden. Dann kann man es sich auch erlauben, am Wochenende mal über die Stränge zu schlagen.

100 Punkte!

Woher die AG-Mitglieder Christina Vaccaro, Johannes Blacha und Maximilian Secklehner wissen, ob sich da klimatechnisch noch ein Ausreißer ausgeht? Aus einer App, in der man mit einer klimafreundlichen Alltagsgestaltung Punkte spart und für weniger klimaverträgliche Aktionen Punkte kassiert. Ein guter Tag hat dabei 100 Punkte. Dass diese App auch nicht das Allheilmittel sein wird, wissen sie natürlich auch. Aber sie hilft - gerade anfangs bei der Orientierung im Klimadschungel.

Kurzfilm-Wettbewerb im Herbst

Mit einem Kurzfilm-Wettbewerb, an dem sich unter anderem Schulklassen, Vereine und Private beteiligen können, will der Verein "KlimaVOR" nun im kommenden Herbst aufhorchen lassen. „Wir wollen die Vorarlbergerinnen und Vorarlberger anregen, sich kreativ mit dem Klimaschutz auseinanderzusetzen“, schildert Christina Vaccaro. Ob Profi-Produktion oder kreativ-amateurhaft ist dabei übrigens zweitrangig.

Der Verein "KlimaVOR"

Den Stein ins Rollen brachte eine Vernetzungs-Veranstaltung im September 2019. Über 30 Organisationen, Initiativen und Unternehmen trafen sich in den Räumen des vorarlberg museums in Bregenz, um sich gegenseitig kennenzulernen, voneinander zu lernen und um ihre Kräfte zu bündeln. Um es nicht dabei zu belassen, wurde eine Struktur gesucht, die eine kontinuierliche Arbeit ermöglicht. Der Verein "KlimaVOR" ist dabei ein Baustein. Der Verein ermöglicht es, eigene Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen des Klimaschutzes zu gründen. Gleichberechtig daneben versteht sich der Verein aber auch als Plattform, die Initiativen, Organisationen und Unternehmen, die einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten, vorstellt und so zum Vermittler von guten Lösungen wird. Obmann des Vereins ist derzeit der Bregenzer Christof Drexel, der nach rund 30 Jahren Führungsverantwortung als Unternehmer heute als Berater und Buchautor tätig ist.

Fotocredit: Ben White / Unsplash/ CC0