Nach den umstrittenen Äußerungen von Außenminister Sebastian Kurz hinsichtlich des Einsatzes von NGOs an den europäischen Mittelmeerküsten hat sich nun auch Kardinal Christoph Schönborn, Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz zu Wort gemeldet. Er stellt sich hinter die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen.

Wie auf Rollschuhen

285 Kilometer – das ist die Entfernung, die Menschen überwinden müssen, wenn sie an der libyschen Küste starten und ihr Ziel die italienische Insel Lampedusa ist. Eine Distanz so weit wie von Feldkirch nach Mailand – auf Rollschuhen. Denn die Boote, in denen die Menschen kauern, sind vielleicht für eine Fahrt von Lindau nach Bregenz gemacht – wenn überhaupt. Dass sie spätestens in europäischen Hoheitsgewässern kentern: nahezu unausweichlich. Dort kreuzen neben den Booten im Auftrag der EU-Grenzsicherungsagentur Frontex auch Schiffe von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), deren Mitglieder versuchen, die Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten.

Ticket nach Europa?

Diese Praxis hatte Innenminister Kurz bei einem Frontex-Besuch auf Malta am vergangenen Freitag infrage gestellt: Das Vorgehen der NGOs würden das Geschäft der Schlepper erleichtern, wenn eine Rettung „indirekt mit einem Ticket nach Europa verbunden sei“, so Kurz, weshalb er ein Ende des „NGO-Wahnsinns“ forderte. Es gebe laut seinen Aussagen NGOs, die mit den Schleppern kooperierten, weshalb er seine Forderung am Montag gegenüber der österreichischen Presseagentur APA nochmals bekräftigte.

Einhellige Kritik an Äußerung

Von dieser Haltung haben sich nicht nur Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) sowie viele weitere Politiker distanziert, auch Kardinal Schönborn stellte sich gestern in einer Äußerung gegenüber dem Standard hinter die NGOs: „Hilfsbereitschaft ist schon immer auch ausgenutzt worden. Aber das darf man nicht den Hilfsbereiten zur Last legen.“

Miteinander Herausforderungen bewältigen

Diese Ansicht teilt auch der Präsident der österreichischen Caritas Michael Landau: Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass die Helfer für die Not verantwortlich sind. Dies sei ein „hochproblematisches Signal“ – nicht nur an die Helfenden, sondern auch hinsichtlich der nötigen Solidarität in der Gesellschaft. In Österreich gebe es eine gute Tradition, nach der Nichtregierungsorganisationen und öffentliche Hand gut miteinander arbeiteten, pflichtete ihm Herbert Beiglböck, Direktor der Caritas in der Steiermark, bei. Dieses Miteinander sei notwendig, um die komplexer werdenden Herausforderungen gut zu bewältigen. (kathpress/Standard/red)