Noch nie hat es weltweit mehr Flüchtlinge gegeben als im vergangenen Jahr. Rund 79,5 Millionen Menschen und damit mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung befanden sich 2019 auf der Flucht, wie aus dem am Donnerstag in Genf veröffentlichten Bericht „Global Trends“ des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hervorgeht. Damit habe sich die Zahl der Flüchtlinge in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt, hieß es.

Und man muss sich fragen, was eigentlich unser Problem ist. Wir leben im 21. Jahrhundert. Es gibt Internet, teilweise sogar richtig schnelles. Wir fliegen längst nicht mehr nur zum Mond, sondern weiter und weiter. Viele unserer Autos brauchen keine fossilen Brennstoffe mehr. Warum, zum Henker, schaffen wir es also nicht, für die gleichen lebenswerten Bedingungen für alle Menschen auf der Erde zu sorgen? Für Frieden, Sicherheit, Gerechtigkeit?

Flucht im eigenen Land

Mehr als zwei Drittel der Flüchtlinge stammten aus Syrien, Venezuela, Afghanistan, dem Südsudan und Myanmar, wobei die Zahl in dem arabischen Kriegsland mit rund 6,6 Millionen Menschen deutlich am höchsten liegt, so das UNHCR. Besonders zugenommen habe dort wie auch weltweit die Zahl der Binnenvertriebenen, also der Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes fliehen. Diese sei global um mehr als 4 Millionen auf rund 45 Millionen gestiegen.

Ein weiterer Grund für den Anstieg der Gesamtzahl aller weltweit registrierten Flüchtlinge um rund 9 Millionen im Vergleich zu 2018 sei neben den Binnenflüchtlingen laut UNHCR die Lage in Venezuela. Sie sei im aktuellen Bericht deutlich genauer abgebildet als zuvor. Viele Menschen in dem südamerikanischen Land seien zwar nicht als Flüchtlinge oder Asylsuchende registriert, bräuchten aber dennoch dringend Schutz.

Europa sieht zu

In Europa veränderte sich die Situation den Angaben zufolge hingegen kaum. Auf dem Kontinent und in einer der wohlhabendsten Regionen der Erde lebten demnach nur rund 10 Prozent der weltweiten Flüchtlinge – was sicherlich auch an den immer rigideren Maßnahmen an den Außengrenzen liegt.

Aber: Sie leben unter mitunter erbärmlichen Bedingungen, wie im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Die Corona-Krise bedeute für die Menschen in den Lagern eine zusätzliche enorme Belastung, berichtet SOS-Kinderdorf-Nothelferin Popi Gkliva. Die Arbeit der Hilfsorganisation sei enorm erschwert, weil keine direkten Kontakte mehr zu den Kindern und Familien gepflegt werden dürften. Das könne schwerwiegende Auswirkungen haben, auch psychische, wenn die Kinder den Kindergarten und den Unterricht im Bildungsprogramm nicht mehr besuchen können.

Eine neue Haltung

Nach Ansicht des UNHCR sei eine Verbesserung der weltweiten Lage nicht absehbar. Konnten in den 90er Jahren jährlich noch rund 1,5 Millionen Flüchtlinge nach Hause zurückkehren, so sei diese Zahl in den vergangenen zehn Jahren auf etwa 390.000 gesunken. „Vertreibung betrifft aktuell nicht nur viel mehr Menschen, sondern sie ist auch kein kurzfristiges und vorübergehendes Phänomen mehr“, so UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi. Es brauche „eine grundlegend neue und positivere Haltung gegenüber allen, die fliehen“.

Mahnwache in Bregenz

Anlässlich des Weltflüchtlingstag veranstalten der Verein Vindex Schutz und Asyl e. V. und die Initiative "Uns reicht's" am morgigen Sonntag, den 21. Juni ab 18 Uhr eine Mahnwache auf dem Landhausplatz in Bregenz. Mehr dazu »

Quelle: kathpress.at / UNHCR / SOS Kinderdorf / red