Die Risiken und Nebenwirkungen, die die Novelle des Fortpflanzungsmedizingesetzes mit sich bringt, sind schwer einzuschätzen, gleich auf mehreren Ebenen tun sich Fragen auf: Wie steht es um das Wohl des Kindes? Mit welchen Schwierigkeiten müssen Frauen rechnen? Kritische Stimmen sprechen von "Designerbabys", "Gebärmaschinen" und der "Kommerzialisierung" des Kinderkriegens. Tatsächlich scheint der Bedarf an Diskussion und Klärung hoch. Kirchliche Institutionen fordern nun via Internetseite ein Mehr an Zeit und Diskurs.

In bisher beispielloser Geschlossenheit treten alle großen Vereinigungen der katholischen Kirche gemeinsam gegen die umstrittene Novelle beim Fortpflanzungsmedizingesetz auf. Über die Internetseite www.kinderbekommen.at sowie auf Twitter und Facebook laden sie die Bürger ein, sich an die Abgeordneten zu wenden, damit sie der für den 21. Jänner angesetzte Beschlussfassung der Novelle nicht zustimmen und stattdessen die Gesetzesmaterie einer breiten umfassenden Diskussion zuführen.

Bedenken gegen das "Durchpeitschen" des Gesetzes seien demokratiepolitischer Natur, heißt es in dem Aufruf. Schließlich seien die Auswirkungen der beabsichtigten Neuregelung der Fortpflanzungsmedizin in Österreich auf Kinder, Frauen und die Gesellschaft als Ganzes nicht geklärt. Initiatoren sind die Katholische Aktion, der Katholische Familienverband, die "Aktion Leben", die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände und die Ordensgemeinschaften.

Das neue Gesetz müsse ethischen und wissenschaftlichen Anliegen gerecht werden und dürfe nicht von ökonomischen und parteipolitischen Interessen bestimmt sein, so die Initiatoren. Sie fordern dafür die Einbindung unabhängiger, auch internationaler Experten, die Analyse der Folgen des Gesetzes für alle Betroffenen und die Diskussion mit allen Beteiligten.

Wie in dem Aufruf dargelegt wird, bleibt bei einer Ablehnung der derzeitigen Novelle das bisherige Gesetz - und somit das Verbot von Eizellspende und Präimplantationsdiagnostik (PID) - gültig. Verändert würde lediglich der Ausschluss lesbischer Paare von der Fremdsamenspende, die aufgrund eines Urteils des Verfassungsgerichtshofes seit 1. Jänner rechtlich zulässig ist.

Bereits in den vergangenen Wochen hatten die katholischen Bischöfe ihr klares "Nein" zu der Novelle ausgesprochen, darunter Kardinal Christoph Schönborn, der für die Debatte mehr Tiefgang, Breite und vor allem Entschleunigung statt Husch-Pfusch eingefordert hat. Wir dürfen nicht alles, was wir können, so die Mahnung des Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Als "ethischen Dammbruch und großen Irrtum - ohne Diskussion" bezeichnete die Bischofskonferenz in ihrer offiziellen Stellungnahme den Gesetzesentwurf. Dieser schaffe "unüberbrückbare Probleme und Leiden", im Namen einer "naiven Fortschrittsgläubigkeit".

Scharfe Kritik von Frauenseite


Der vorliegende Entwurf zum Fortpflanzungsmedizingesetz geht nicht nur zu Lasten der Kinder, sondern auch der Frauen. Wie die Präsidentin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ), Gerda Schaffelhofer, in der jüngsten Ausgabe der "Furche" warnte, "degradiert" die Novelle Frauen "zu Eizell-Lieferantinnen und Gebärmaschinen". "Da müssten eigentlich alle Frauenorganisationen aufschreien!" und dazu beitragen, das Gesetz "mit allen Mitteln zu verhindern".

Eine Weichenstellung wie die von der Regierung vorgesehene würden laut Schaffelhofer vorhersehbar auch den Weg zur Zulassung der Leihmutterschaft bereiten, sofern deren Verbot nicht in der Verfassung verankert werde. Ein mögliches Einfallstor bilde die Ungleichbehandlung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften. Schaffelhofer: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Verfassungsgerichtshof lesbischen Paaren ein Recht auf Kinder zugesteht, aber homosexuellen Männern nicht."

Auch in Bezug auf die Präimplantationsdignostik (PID) erneuerte die KAÖ-Präsidentin und "Furche"-Geschäftsführerin ihre massiven Bedenken wegen der damit verknüpften Unterscheidung von lebenswertem und lebensunwertem Leben. PID "nur in Ausnahmefällen" zu gestatten beinhalte die Gefahr, "dass Ausnahmefälle in Österreich schnell zur Regel werden".

Zum Einwand, wenn laut Strafgesetzbuch eine Abtreibung behinderter Föten bis kurz vor der Geburt erlaubt ist, sei es eigenartig, wenn Eizellen vor der Einsetzung in die Gebärmutter nicht auf Erbdefekte untersucht werden dürften, sagte Schaffelhofer, er sei berechtigt. Aber wenn diese eugenische Indikation schon einen "Dammbruch" darstelle, "legitimiert das keinen weiteren".

Das Fortpflanzungsmedizingesetz kurz vor Weihnachten mit gekürzter Begutachtungsfrist im Ministerrat "durchzuwinken", hält Schaffelhofer für eine "miese, politische Taktik". Der "zweite Wahnsinn" bestehe darin, dass ausgerechnet jene Experten als Berater tätig sind, "die durch ein liberaleres Gesetz Gewinne wittern". Die Forderung der KAÖ-Präsidentin: "Deshalb braucht es endlich eine Entschleunigung für eine ideologiefreie Debatte." Die zusammen mit dem Katholischen Familienverband, der "Aktion Leben", der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände und den Ordensgemeinschaften gebildete Protestplattform "kinderbekommen.at" werde "alles tun, um die Abgeordneten davon zu überzeugen.

Probleme mit "Fremdem im Bauch"


In dem "Furche"-Gespräch kamen auch Gertraude Steindl, die Präsidentin der "Aktion Leben", und die Kinderärztin und Psychotherapeutin Katharina Kruppa zu Wort. Zum Thema Eizellspende berichtete Steindl, die "Aktion Leben"-Beratungsstellen seien schon jetzt mit Frauen konfrontiert, die nach einer Befruchtung mit einer fremden Eizelle im Ausland nun "massive Probleme haben, das "Fremde in ihrem Bauch" anzunehmen". Kruppa wies auf die erhöhten gesundheitlichen Risiken durch die Gesetzesänderung hin: Die in Österreich ohnehin hohe Frühgeburtrate von elf Prozent liege bei assistierter Reproduktion mehr als doppelt so hoch, nämlich bei 23 Prozent. Zur Elternpsychologie sagte die Ärztin und Therapeutin, sie wisse aus ihrer langjährigen Berufserfahrung, "dass es einen Unterschied macht, ob Kinder als Geschenk oder Produkt gesehen werden".


kathpress / red.