Es ist mindestens so wichtig wie das Fasten selbst: Das allabendliche gemeinsame Fastenbrechen im Kreise von Familie und Freunden. Für viele Musliminnen und Muslime, für die heute der zweite Ramadan im Zeichen der Corona-Pandemie beginnt, bedeutet das doppelten Verzicht. Sie fasten heuer tagsüber nicht nur Nahrung, sondern abends auch die Feiern im großen Kreis.

Ramadan ist der neunte Monat im muslimischen Kalender und dauert 29 oder 30 Tage – 2021 von 12. April bis 12. Mai. Die Zeit bis zum Fest des Fastenbrechens gilt als Zeit der Besinnung. Praktizierende Musliminnen und Muslime verzichten in dieser Zeit tagsüber auf Nahrung und Flüssigkeit, Zigaretten, Alkohol und Sexualität und versuchen, mit sich und ihren Mitmenschen ins Reine zu kommen.
Im Monat Ramadan, so die Lehre, wurde dem Propheten Mohammed der Koran herabgesandt. Die Fastenzeit werde von vielen als besonders gemeinschaftsbildend empfunden durch das Fastenbrechen am Abend und das gemeinsame Gebet danach.

Verzicht als Akt der Nächstenliebe

Auf dies werde man heuer in Österreichs Moscheen verzichten, so Ümit Vural, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Der Schutz und die Gesundheit der Mitmenschen habe weiterhin absolute Priorität. „Den Fastenmonat Ramadan begehen wir daher unter größtmöglichen Sicherheitsvorkehrungen, schließlich liegt es auch im Interesse unserer Glaubensgemeinschaft, dass in unseren Gotteshäusern keine Ansteckungen stattfinden“, so Vural in einer Aussendung.
aut Gesundheitsexpertinnen und Experten erhöhe das Fasten das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus nicht, so die Aussendung der IGGÖ. „Geistig und körperlich gesunde Menschen, die die religiöse Reife erreicht haben, können daher auch dieses Jahr wie gewohnt fasten.“

Die IGGÖ hatte bereits im März des vergangenen Jahres ein ausführliches Sicherheits- und Hygienekonzept für ihre rund 350 Moscheen österreichweit ausgearbeitet. Dadurch seien bisher Cluster in Moscheen verhindert worden.

Aufruf zum Impfen

Die IGGÖ ruft die muslimische Community auf, sich impfen zu lassen. „Der sicherste und effektivste Weg, sich selbst, unsere Mitmenschen und vor allem die am meisten gefährdeten Personen vor dem Coronavirus zu schützen, ist die Inanspruchnahme einer Schutzimpfung.“

Vural kündigte an, sich „aus einer solidarischen Haltung der Gesellschaft gegenüber jedenfalls impfen lassen“. Auch der theologische Beratungsrat der IGGÖ sprach die Empfehlung aus, sich impfen zu lassen. Ausdrücklich wird festgehalten, dass die Impfung das Fasten im Ramadan nicht bricht.

Quelle: religion.orf.at / kathpress.at / red