Falls Sie es noch nicht mitbekommen haben: Seit 17. Februar befinden wir uns in der Fastenzeit. Also vorausgesetzt, Sie sind ChristIn. Aber wie sieht es in anderen Religionen mit dem Fasten aus?

Sollten Sie kein Fan der Fastenzeit sein, hier gleich die "schlechte" Nachricht vorweg: Fasten ist nicht nur ein katholisches Phänomen, sondern auch bei den anderen Weltreligionen fester Bestandteil. In der evangelischen Kirche gibt es die Passionszeit mit zahlreichen Angeboten, in der Ostkirche sind es gleich vier Fastenzeiten im Kirchenjahr, die viel strenger gelebt werden als die Fastenzeit vor Ostern in der katholischen Kirche. Und wie es im islamischen Fastenmonat Ramadan aussieht, dürfte den meisten auch zumindest in Grundzügen bekannt sein.

Fasten im Judentum

Im Judentum gibt es mehrere religiöse Feiertage, an denen gefastet wird: vor Purim, vor Pessach und zu Jom Kippur. Letzterer, der „Tag der Versöhnung“, ist der wichtigste jüdische Fasttag. Das Fasten ist an diesem Tag allumfassend und bedeutet für diejenigen, welche die religiöse Tradition befolgen, eine ganze Nacht und den ganzen darauffolgenden Tag weder zu essen noch zu trinken. Verboten sind auch Sex, Autofahren, Baden oder Schminken. Heuer beginnt Jom Kippur am 15. September. Das Fasten beginnt noch vor dem Sonnenuntergang des Vorabends und dauert bis zum Einbruch der Nacht am folgenden Tag, somit in etwa 25 Stunden.

In Israel steht an diesem Tag das Leben still – es fahren keine Fahrzeuge, die Grenzen, Flughäfen, Cafes und Restaurants sind geschlossen. Ausgenommen von den strengen Regeln des Fastens am Versöhnungstag sind kranke Menschen, Schwangere und Kinder. Von vielen wird am Versöhnungstag ausschließlich weiße Kleidung – als Zeichen der Reinheit – getragen und viel gebetet, um sich mit den Mitmenschen und mit Gott auszusöhnen. In den Gebeten wird auch an verstorbene Freunde und Angehörige gedacht.Es gibt außer Jom Kippur noch weitere Fastentage, an denen ähnlich streng gefastet wird. Diese Tage dienen zur Erinnerung an besonders tragische Geschehnisse im Laufe der Geschichte des jüdischen Volkes

Fasten im Christentum

Das christliche Fasten beginnt am Aschermittwoch, der heuer auf den 17. Februar fällt. Bis Ostern verzichten die Gläubigen 40 Tage lang, um Gott näher und selbst zur Ruhe zu kommen. In der Orthodoxie hat das Fasten einen höheren Stellenwert, Angehörige der Westkirchen sind oft weniger streng – jeder entscheidet selbst, worauf er verzichten will. Grundgelegt ist die Tradition in der Bibel, laut der sich Jesus 40 Tage lang in die Wüste zurückzog und fastete. Als wichtigste Fastentage gelten im Christentum Aschermittwoch und Karfreitag.

Die Tradition vor Weihnachten sowie ganzjährig mittwochs und freitags zu fasten, ist zunehmend in Vergessenheit geraten. Viermal im Jahr fasten Gläubige der orthodoxen Kirchen mehrere Wochen lang. In der Zeit vor Ostern sind es sieben Wochen. Weitere Fastenwochen finden nach Pfingsten, im August und in der Adventzeit von Mitte November bis zum Heiligen Abend statt. Mittwochs und freitags wird ebenfalls gefastet, Fleisch, Eier und Milchprodukte sind in dieser Zeit nicht erlaubt.

Fasten im Islam

Der Fastenmonat Ramadan ist im Islam die wichtigste Fastenzeit. Das Frühstück steht schon vor Sonnenaufgang auf dem Tisch und der Sonnenuntergang wird mit dem Fastenbrechen zelebriert. Ramadan ist der neunte Monat im muslimischen Kalender und dauert 29 oder 30 Tage. 2021 beginnt der Ramadan am 12. April und dauert bis zum 12. Mai.

Die Zeit bis zum Fest des Fastenbrechens gilt als Zeit der Besinnung. Gläubige Muslime verzichten in dieser Zeit tagsüber auf Essen und Trinken, auf Sexualität und versuchen, mit sich und ihren Mitmenschen ins Reine zu kommen. Fasten ist ein wichtiges Gebot im Islam, das auch im Koran festgeschrieben ist. Ausgenommen vom Fastengebot sind Kinder, Schwangere, Kranke und Reisende.

Fasten im Buddhismus

Im Buddhismus gibt es keine strenge Fastenzeit, aber Enthaltsamkeit und weniger Nahrung wird als Vorbereitung auf die Meditation genutzt. Buddha lehrte einen „Weg der Mitte“: Er lehnte sowohl Völlerei als auch vollkommene Entbehrungen ab. Will man allerdings einen Fasttag nennen, so ist das Fest „Vesakh“. Am ersten Vollmondtag im Mai oder Juni feiern Buddhisten auf der ganzen Welt dann Geburt, Erleuchtung und Tod Buddhas. Viele Menschen fasten zu „Vesakh“ und kleiden sich ganz in Weiß.

Fasten im Hinduismus

Auch im Hinduismus gibt es keine einheitlichen Fastenzeiten. Manche Hindus fasten zum Ehrentag Shivas, andere zu Krishnas Geburtstag und wieder andere folgen mit ihrem Verzicht auf Nahrung dem Beispiel Gandhis und versuchen damit, politisch etwas zu erreichen. Für viele hinduistische Gurus, „Sadhu“ genannt, ist das Leben bestimmt durch Askese. Sie verzichten also auf alles, was nicht unbedingt zum Überleben notwendig ist: Sie leben zurückgezogen als Einsiedler, besitzen nur, was sie am Leib tragen, essen und trinken nur das zum Überleben Nötige und leben auch sexuell enthaltsam. (red/ religion.ORF.at/KAP)