Das Regierungsprogramm der neuen türkis-grünen Bundesregierung sieht vor, Österreich bis zum Jahr 2040 „klimaneutral“ zu machen. Was das bedeutet, erläuterte die Klimawissenschaftlerin Helga Kromp-Kolb am Montag während einer Pressekonferenz im Landhaus - und Umweltlandesrat Johannes Rauch erklärte, welche Maßnahmen Vorarlberg setzen will.

„2050? Das wird schön!“ Für eine Klimaforscherin ist das ein bemerkenswerter Satz. Normalerweise ist seitens ihrer Zunft eher von schmelzenden Gletschern, steigenden Meeresspiegeln, verheerenden Dürren und Verteilungskämpfen um Wasser und Brot die Rede, wenn es um die nahe und mittlere Zukunft geht. Aber: Helga Kromp-Kolb, Mit-Initiatorin und Autorin des Nationalen Referenz-Energie- und Klimaplans (Ref-NEKP), hat ihn gesagt. Auf der Pressekonferenz zu den Klimaneutralitätsvorhaben der Vorarlberger Landesregierung warb sie am Montag für eine optimistische Zukunftsvision: Man müsse wegkommen von der großen Verzichtserzählung, sobald es um Maßnahmen des Klimaschutzes gehe - und vielmehr vor Augen führen, dass klimaneutrales Wirtschaften zu einem großen Mehr an Lebensqualität führen könne. „Wir dürfen uns nicht vor dem fürchten, was zu tun ist“, so die Wissenschaftlerin, „wir müssen Angst davor haben, was passiert, wenn nichts passiert.“

Die Zeit drängt

Wenn es nicht gelinge, die Erderwärmung unter der Marke von 1,5 Grad zu halten, müsse man davon ausgehen, dass das Klima so genannte Kippunkte passiere und eine Negativspirale in Gang gesetzt werde, deren Folgen nicht abzusehen seien - apokalyptische Szenarien inklusive, siehe oben. Und: Besagte „magische“ Marke ist nicht mehr weit: Kromp-Kolb geht davon aus, dass sie 2035, spätestens aber 2045 erreicht wird. „Uns bleibt nicht mehr viel Zeit!“
Diese Dringlichkeit sei klar, so Umweltlandesrat Johannes Rauch, aber noch nicht von allen erkannt worden. Umso wichtiger sei es darum, dass Bund, Länder und Kommunen an einem Strang zögen, um das Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2040 in Österreich zu erreichen. Damit gemeint sind wirkungsvolle Maßnahmen in Bereichen wie Energie, Bauen und Wohnen, Mobilität, Steuern und Bildung, die verhindern helfen, dass das 1,5-Grad-Ziel überschritten wird.

Konkrete Pläne

Neben gesetzgeberischen Rahmenbedingungen wie die Novellierung des Baurechts oder Förderungen für den Umstieg auf nicht-fossile Heizungslösungen - ab 2021 gilt im Land beispielsweise ein Einbauverbot für Ölheizungen und bis 2030 soll die derzeitige Zahl von ca. 27.000 Ölkesseln in Vorarlberg halbiert werden - seien zahlreiche weitere Schritte geplant. Dazu zählt der Ausbau von Photovoltaikanlagen, um dem Ziel einer Stromversorgung aus ausschließlich erneuerbaren Quellen bis 2030 näherzukommen, und ein überarbeitetes Mobilitätskonzept.

Es bleibt viel zu tun

Der Landesrat zeigte sich dabei durchaus selbstkritisch: Im Verkehrsbereich seien die Ziele trotz einer Steigerung um zehn Prozent bei den Nutzer/innen des Schienenverkehrs im vergangenen Jahr nicht erreicht worden, auf dem Gebiet der Energieautonomie brauche es trotz der nunmehr zehn Jahre währenden Erfahrungen „deutlich mehr“ Anstrengungen, und weshalb eine eindeutig klimaschädliche fossile Ressource wie Diesel nach wie vor subventioniert werde, „entzieht sich“ seinem Verständnis. Gerade Vorarlberg als Brennpunkt des so genannten „Tanktourismus“ müsse ein Interesse haben, hier Abhilfe zu schaffen, schließlich litte die Klimabilanz des Bundeslandes extrem unter „LKW-Kolonnen, die eigens zum Tanken Umwege führen.“

Den Schwung am Beginn der Legislaturperioden sowohl im Bund wie im Land gelte es zu nutzen und Maßnahmen zu addieren.  Ein wichtiger Aspekt sei die Bildung. „Die nächsten fünf bis zehn Jahre sind entscheidend“, so Rauch.