Nein, noch weht keine Regenboggenflagge im Vatikan – aber Papst Franziskus hat gerade einen ernsthaften Schritt in Sachen "Anerkennung" gemacht, der sicher nicht allen behagt.

Papst Franziskus befürwortet eingetragene, zivile Partnerschaften für homosexuelle Paare, jedoch keine Ehe. Das geht aus einem am Mittwoch in Rom vorgestellten Dokumentarfilm über Franziskus hervor. In einer Szene sagt er: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu leben.“ Sie seien Kinder Gottes. „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.“ Betroffene sollten rechtlich abgesichert sein. Dafür habe er sich auch eingesetzt.

Rechtssicherheit

Während der Papst schon in früheren Aussagen eine Duldung eingetragener Partnerschaften für Homosexuelle signalisierte, spricht er sich dieses Mal ausdrücklich für eine solche rechtliche Form der Partnerschaft aus.

Die jüngsten Äußerungen des Papstes sind auf kein spezielles Land bezogen. Mit seinen Aussagen in dem Dokumentarfilm „Francesco“ des russischen Regisseurs Jewgeni Afinejewski kommentiert er den Bericht eines homosexuellen Mannes von seiner Partnerschaft und seinen drei Kindern. Diese hatten ihm zuvor über ihre Angst geschrieben, in ihrer Pfarrei in Rom nicht akzeptiert zu werden. Der Gesprächspartner, Andrea Rubera, ist Sprecher von „Cammini di speranza“, einer christlichen LGBT-Bewegung.

Mit seinen Aussagen bestätigt Franziskus eine Haltung, die von Theologen, aber auch Kardinälen und Bischöfen bereits früher geäußert wurde. Demnach brauchen homosexuelle Paare von Seiten des Staates Rechtssicherheit.

Notwendig und begrüßenswert

„Diese notwendige und begrüßenswerte Forderung ist in Österreich längst umgesetzt, aber bei weitem noch nicht in allen Ländern weltweit“, erklärte der Innsbrucker Bischof Glettler am Donnerstag in einer Stellungnahme gegenüber Kathpress. Glettler ist in der Österreichischen Bischofskonferenz für das Referat „Ehe und Familie“ verantwortlich.
Die römisch-katholische Kirche in Österreich pflege seit vielen Jahren einen „bewusst wertschätzenden Umgang“ mit homosexuell orientierten Menschen. In einigen Diözesen gebe es drüber hinaus spezielle Initiativen und Arbeitskreise, „um Vorurteile abzubauen, spirituelle Heimat zu ermöglichen und mit und für diese Zielgruppe auch als Kirche präsent zu sein“, so der Bischof: „Gott lädt uns alle ein, an seiner lebendigen Kirche mitzubauen.“

Einen „großen Schritt nach vorn“ sieht auch der Wiener Theologe Paul M. Zulehner in den jüngsten Papst-Aussagen, gleichzeitig sei vorhersehbar, dass nach dem unerwarteten päpstlichen Statement „Panik im Vatikan“ ausbrechen werde, schrieb der Wiener Pastoraltheologe am Donnerstag in seinem Blog. Auch würden die Worte dem Papst „bei seinen konservativen ‚Freunden‘ weiteren Ärger einbringen“, prognostizierte Zulehner.

Quelle: kathpress.at (1 | 2) / religion.orf.at / Blog Paul M. Zulehner / red