Mit dem apostolischen Schreiben „Querida Amazonia“ (Geliebtes Amazonien) ermutigt Papst Franziskus die ganze Kirche und speziell die Kirche in Amazonien, das, was bei der Amazonien-Synode im vergangenen Herbst erarbeitet und gewachsen ist, weiter reifen zu lassen.

Foto: Marcin Mazur / Catholic Church of England and Wales / flickr.com / CC BY-NC-SA 2.0

Das hat Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch in einer ersten Reaktion zum päpstlichen Schreiben im „Kathpress“-Interview betont. Der Papst gehe mit dem Schreiben einen neuen, überraschenden Weg: „Er stellt das Schlussdokument der Amazonien-Synode ganz in die Mitte und gibt ihm ein starkes Gewicht, indem er es selber offiziell präsentieren möchte.“

Das 50-seitige Schreiben „Querida Amazonia“ sei ist ein „grundsätzliches Ja des Papstes zu den Ergebnissen der Amazonien-Synode, ohne gleich diese Ergebnisse in konkrete Maßnahmen umzusetzen“. Aber das Schlussdokument sei von Franziskus mit einem starken Gewicht versehen und habe damit einen Status, den Synodendokumente bisher so nicht hatten, erläuterte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der an der Sondersynode im vergangene Oktober im Vatikan teilgenommen hatte

Die päpstliche Position zu einem der meistdiskutierten Punkte – der Zölibatspflicht für katholische Priester – ist hingegen weniger klar: Deren Lockerung befürwortet Franziskus in seinem Schreiben jedenfalls nicht eindeutig und greift eine entsprechende Anregung der Amazonien-Synode vom vergangenen Oktober nicht auf. In ihrem Abschlussdokument hatten die Synodenteilnehmer dafür votiert, in Ausnahmefällen verheiratete Ständige Diakone zu Priestern zu weihen. Dieser Idee erteilt der Papst allerdings auch keine definitive Absage. Status: Es ist kompliziert.

Geöffnete Tür?

Papst Franziskus biete jedenfalls in seinem Schreiben keine simplen Lösungen an, so Kardinal Schönborn. Die Erfahrung der Synode hat freilich auch ihm – Schönborn – gezeigt, „wie richtig es ist, wenn der Papst nicht Schwarz-Weiß Entscheidungen trifft.“ Darüber würden manche wohl enttäuscht sein, die sich klares Ja oder Nein zu Ausnahmeregelungen erwartet hätten, räumte der Kardinal ein.

Franziskus fordert jedoch Anstrengungen, um auch in entlegenen Teilen der Amazonasregion die Eucharistiefeier häufiger zu ermöglichen. In erster Linie sollten Lateinamerikas Bischöfe dafür sorgen, dass ihre Priester tatsächlich in dem Gebiet eingesetzt und entsprechend ausgebildet würden. „Es macht nachdenklich, dass es in einigen Ländern des Amazonasgebiets mehr Missionare für Europa oder die Vereinigten Staaten gibt, als solche, die bereit sind, in den eigenen Vikariaten Amazoniens mitzuhelfen“, heißt es dazu in einer Fußnote des Papstschreibens.

Kirchliche Dienst von Frauen aufwerten, ohne sie zu weihen

Papst Franziskus ziele hinsichtlich der Eucharistie als Zentrum und Höhepunkt des kirchlichen Lebens nicht nur auf die Frage des Klerus ab, sondern stelle genauso die Notwendigkeit lebendiger Gemeinden in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Er unterstreiche die Bedeutung der Laiendienste für die Gemeinden; besonders spreche er über die Bedeutung der Frauen für die Gemeinden und darüber, dass Dienste von Frauen auch einen offizielleren Status bekommen können bis hin zur Leitung von Gemeinden. Das sei eine deutliche Ermutigungen, so Schönborn.

Weiheämter für Frauen hingegen, etwa als Diakoninnen, lehnt der Papst in seinem postsynodalen Schreiben vorerst ab. Wer die Bedeutung und Beteiligung von Frauen in der Kirche nur mit ihrer Zulassung zur Weihe stärken wolle, greife zu kurz und „klerikalisiere“ Frauen, hält er fest. Bei der Sondersynode über Amazonien war von Teilnehmern mehrfach die Forderung nach einem Diakonat für Frauen erhoben worden.

Vier Träume des Papstes

Kardinal Schönborn skizzierte im „Kathpress“-Interview den Duktus des Dokuments. Papst Franziskus fasse seine zentralen Aussagen in vier Träumen zusammen: „Zuerst ist da der soziale Traum, der Traum der Gerechtigkeit für die Menschen in Amazonien, besonders für die indigenen Völker.“ Dann der Traum der Inkulturation, „dass das Evangelium in das Leben der rund 110 indigenen Völker eingewebt und eingefügt werden kann, dass es ein intensives Bemühen darum gibt“.

Drittens gehe es um den ökologische Traum, wenn der Papst die gewaltige Sorge um die Zukunft Amazoniens und die Bedeutung dieses Gebiet für die gesamte Welt anspricht. Im vierten Traum gehe es schließlich um eine „Seelsorge, die den Menschen nahe ist“.

Abschließend ein optimistischer Blick des Kardinals in die Zukunft: „Mir gefällt, dass Papst Franziskus am Schluss seines Schreibens das Wort 'desborde', zu deutsch in etwa 'Überlaufen', gebraucht. Dahinter steht das Bild einer Art Brunnenschale, die sich allmählich füllt und aus einer Fülle heraus überläuft. Franziskus vertraut darauf, dass in diesem synodalen Prozess, der ja weitergeht, die lebendigen Quellen zum Fließen kommen und sich praktische Lösungen ergeben werden, auch in der Hoffnungen auf die Wirksamkeit des Heiligen Geistes.“

„Querida Amazonia“

Quelle: kathpress.at (1 | 2 ) / red