Frauen bei der Bischofskonferenz. Geht das? Und wie! Das zeigte die diesjährigen Sommervollversammlung, bei der der Austausch mit Frauen in kirchlichen Leitungsfunktionen ein erster großer Programmpunkt war. Vielleicht mit Wiederholungsbedarf?

"Ganz ehrlich müssen wir sagen, dass eigentlich alle Frauen nach der Einladung zur Bischofskonferenz gedacht haben: Ist es schon gut, wenn ich dorthin gehe? Eine Frau brachte es so zum Ausdruck: „Ich habe ernsthaft überlegt, ob es eine Feigenblattaktion der österreichischen Bischöfe ist.“", bringen es die Frauen auf den Punkt. 15 Frauen, die in Diözesen bzw. Ordensgemeinschaften in Leitungspositionen wirken, waren zur diesjährigen Sommervollversammlung der Bischofskonferenz eingeladen. "Wir wollen aufmerksam hören, was uns gesagt wird", so der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner. Und zu hören gab es viel.

Gut zuhören

Der moderierte und strukturierte Austausch zwischen Bischöfen und Frauen war der erste dieser Art im Rahmen der Bischofskonferenz. Dabei ging es zum einen um die aus Sicht der Frauen wichtigen Themen der Kirche und zum anderen um die Frage, inwieweit die Mitarbeit der Frauen in Leitungsfunktionen gestärkt werden kann. Beim Studiennachmittag wurde eine breite Themenpalette im Plenum angesprochen und in Kleingruppen von Bischöfen und Frauen vertieft.

Gleichberechtigung!

Trotz der Vielfalt und verschiedenen Hintergründe der 15 Frauen habe man im Rahmen eines wertschätzenden Dialogs gemeinsame Anliegen erarbeiten, betonen sie. Beispielsweise, wenn es um die Stärkung der Frauen in Führungspositionen geht. "Geschlechtergerechtigkeit ist ein Schlüsselbegriff, wenn die Kirche ihrem Auftrag nachkommen will, das in Christus verheißene Heil je neu erfahrbar zu machen", sprechen sie sich für einen wertschätzenden, gleichberechtigten Umgang aus. 

Klartext

Das Frauenbild der Katholischen Kirche hinke dem der aktuellen Gesellschaft und den Früchten des Einsatzes für Geschlechtergerechtigkeit in Österreich zum Teil hinterher, sprechen die Frauen Klartext. "Frauen in Leitungspositionen innerhalb der Kirche sind deshalb auch Vorreiterinnen. Sie sind Vorbilder für junge Menschen."

To do - Liste

Und als solche haben sie Punkte formuliert, die angegangen werden sollten:

  • Die Sorge um die Töchtergeneration und der Einsatz für eine klare und wertschätzende Haltung den Leitungsfrauen gegenüber. Die konkrete Lebenswelt der jungen Frauen in ihrer Vielfalt wird gesehen und sehr ernst genommen. Initiativen zur Inklusion werden gesetzt.
  • Geschlechtergerechtigkeit ist ein Schlüsselbegriff, wenn die Kirche ihrem Auftrag nachkommen will, das in Christus verheißene Heil je neu erfahrbar zu machen.
  • Ein regelmäßiger Dialog, ein institutionalisiertes Gespräch mit Vertreterinnen der kirchlichen Frauenorganisationen und den Bischöfen wird eingerichtet.
  • Der Vorschlag eines Referatsbischofs für Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit wird in der Bischofskonferenz weitergedacht.
  • Den drei Bitten der Frauen in Bezug auf das Gespräch mit Papst Franziskus und den Vertretern der Weltkirche wird entsprochen. Nämlich: Das Gehörte in Bezug auf Frauen in der Kirche auch beim Ad-limina-Besuch und in den diversen Gesprächen mit den weltkirchlichen Stellen ganz bewusst zur Sprache zu bringen. Papst Franziskus um eine Aufhebung des Diskussionsverbotes über die Priesterweihe der Frau zu bitten und den Wunsch nach der Weihe von Diakoninnen einzubringen.

Die 15 Frauen - auch aus Vorarlberg

Teilgenommen am Gespräch haben Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Pastoralamtes der Diözese Linz, die Schulamtsleiterinnen der Diözesen Feldkirch und Wien, Annamaria Ferchl-Blum und Andrea Pinz, die Ordinariatskanzlerin der Erzdiözese Salzburg, Elisabeth Kandler-Mayr sowie die neue burgenländische Caritas-Direktorin Melanie Balaskovics. Seitens der Ordensfrauen kam die frühere Vorsitzende der Frauenorden Österreichs, Sr. Beatrix Mayrhofer, von der "Kongregation der Armen Schulschwestern" in Wien zu Wort. Eingebracht wurde auch ein schriftliches Statement von Sr. Rita-Maria Schmid, Äbtissin der Gemeinschaft der "Schwestern der Hl. Klara", die kurzfristig verhindert war.

Die Katholische Frauenbewegung war durch ihre Vorsitzende, Angelika Ritter-Grepl, sowie durch die geistliche Assistentin, Barbara Velik-Frank, vertreten. Aus der Diözese Graz-Seckau nahm Anna Hollwöger, Generalsekretärin der Katholischen Aktion Steiermark und Leiterin des Bereichs "Seelsorge & Gesellschaft", an den Gesprächen teil. Weitere Gesprächspartnerinnen der Bischöfe waren die Moraltheologin Prof. Sigrid Müller von der Universität Wien, Barbara Taubinger, Direktorin des Diözesanmuseums St. Pölten und Rita Kupka-Baier, Leiterin der Kontrollstelle der Erzdiözese Wien. Die Diözese Innsbruck war durch ihre Kommunikationschefin Fiona Zöhrer vertreten, aus der Militärdiözese war Nadja Wessely, Leiterin der Ombudsstelle für Opfer von Gewalt und sexuellem Missbrauch, gekommen. (red/kathpress)