Weihnachten, diese Zeit der Familien, der Feiern, der frohen Botschaften – sie ist auch die Zeit, in der sich Einsamkeit oft ein bisschen einsamer anfühlt, Traurigkeit noch ein bisschen trauriger und psychischer Stress stressiger als ohnehin. Die gute Nachricht: All das muss niemand allein ertragen!

Die Mitarbeiter/innen der Telefonseelsorge stehen auch und gerade an den Feiertagen unter der österreichweit einheitlichen Telefonnummer 142 rund um die Uhr gratis für Gespräche zur Verfügung. Und es ist kein bisschen merkwürdig oder „unnormal“, diese drei Ziffern zu wählen (wahlweise die Online- oder Chatberatung zu nutzen). Im Gegenteil zeugt es von echter Stärke, wenn man um Hilfe bitten kann, wenn man sie braucht.

„Die Anruferinnen und Anrufer können bei uns ohne Angst vor Bewertungen oder Konsequenzen, ohne das Gefühl, versagt zu haben, und ohne Scham mit einer neutralen Person über ihre Schwierigkeiten, Sorgen, Ängste und Nöte sprechen“, bestätigt DSA Marlies Matejka, Leiterin der Telefonseelsorge Wien. Oft sei schon das Zuhören eine echte Hilfe, mit Beziehungsproblemen, Einsamkeit oder psychischen Belastungen umzugehen.

Wunsch versus Wirklichkeit

In der Vorweihnachtszeit werde vor allem die Sorge darüber, alleine feiern zu müssen oder mit familiären Konflikten konfrontiert zu sein, sichtbar. Immer wieder komme es bei den Feierlichkeiten auch zu Streit und Enttäuschung, denn gerade hier sei Wunsch nach Harmonie und Liebe groß und nicht mit der Realität vereinbar. „Manchmal führt das dazu, dass Menschen überfordert sind“, so Matejka. Konflikte ließen sich im Alltag besser verdrängen als zu Weihachten. „Wenn diese Konflikte nicht gut besprochen werden können, dann kann es gerade in dieser Zeit auch zu vermehrtem Alkoholkonsum und auch zu Gewalt kommen.“

Die Sorgen der Anrufer drehten sich zumeist darum, wer mit wem feiert und ob man alleine sein wird. Schwierig sei vor allem das erste Weihnachtsfest nach einer Trennung oder nach dem Tod eines wichtigen Menschen. „Wenn es im Laufe des Jahres zu einer Trennung oder Scheidung gekommen ist, gilt es auch mit dem Schmerz umzugehen, dass es eben nicht mehr so ist, wie es immer war. Und wenn Kinder da sind, ist auch zu organisieren, wer mit welchem Elternteil feiert“, erläuterte Matejka.

Offene Ohren

Ein Gespräch mit Mitarbeitern der Telefonseelsorge könne keine Wunder bewirken, „aber die Menschen erleben es als entlastend, wenn ihnen zugehört wird, wenn sie nicht unterbrochen werden, wenn ihnen Zeit geschenkt wird, um ihre Gedanken in Ruhe formulieren zu können“, so Matejka. Ein Gespräch mit der Telefonseelsorge könne deshalb dabei helfen, zur Ruhe zu kommen, sich selber besser annehmen zu können, vielleicht eine Vorstellung darüber zu bekommen, was ein nächster kleiner Schritt sein könnte.

Eine besondere Rolle spiele an den Feiertagen vor allem die Online-Beratung. „Vielen Menschen fällt es leichter zu schreiben als zu reden“, so die Erfahrung Matejkas. Auf der Website www.telefonseelsorge.at werden E-Mail- und Chatberatungen angeboten. Es sei entlastend, sich etwas von der Seele zu schreiben, Worte für das zu finden, was in einem brodelt.

Die Telefonseelsorge Österreich ist eine landesweite Organisation mit neun Telefonseelsorge-Stellen. Träger sind die römisch-katholischen und evangelischen Kirchen, in Vorarlberg ein privater Verein. Das Team setzt sich aus etwa 25 hauptamtlichen und rund 800 für die Telefon- und Onlineberatung umfassende ausgebildeten, ehrenamtlichen Berater/innen zusammen.

Quelle: kathpress.at / Telefonseelsorge / red