Manche werden ob des "leidigen" Themas stöhnen, aber: heute ist wieder Equal Pay Day. Sie wissen schon - das ist der Tag, an dem Frauen dasselbe Gehalt erreichen würden, das Männer für die gleiche Arbeit bereits mit Ablauf des Vorjahrs erhalten hätten. Mit "roten Taschen gegen rote Zahlen" will das internationale Frauennetzwerk BPW wieder die Chancengleichheit und Einkommensschere thematisieren. Da stellen sich viele irgendwie die Frage: Brauchen wir den Tag überhaupt?

Groß ist das Datum auf der "Equal Pay Day" Website des überparteilichen internationalen Frauennetzwerks BPW (Business and Professional Women) zu lesen: 05.04.2013. Tauscht man die Jahreszahl aus, könnte man den Eindruck bekommen, dass sich nichts getan hat. Nicht nur auf der Homepage, sondern auch für die arbeitende Frauenwelt. Genau am gleichen Tag fand der Equal Pay Day nämlich auch letztes Jahr statt. Also der Tag, bis zu dem  Frauen theoretischerweise arbeiten müssen, um auf das gleiche Jahresgehalt wie ihre männlichen Kollegen im Vorjahr zu kommen.

Altes neues Thema
Das Thema ist natürlich nicht neu, aber dennoch wichtig: "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist seit knapp einem Jahrhundert eines der wesentlichen Ziele der internationalen Frauenbewegung. In vielerlei Hinsicht wurde die Arbeitssituation der Frauen bereits verbessert - die Gleichstellung bei der Entlohnung wurde aber noch nicht erreicht", erklärt Nationalratspräsidentin Barbara Prammer. Um auf diese Ungerechtigkeit hinzuweisen und die Menschen zum Nachdenken zu animieren, wurde vor fünf Jahren der Equal Pay Day eingeführt, erklärt BPW-Vizepräsidentin Christa Kirchmair. Business and Professional Women ist ein internationales Netzwerk für berufstätige Frauen. Als ein zentrales Anliegen im Gründungsjahr 1930 wurde - wie auch aktuell - "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" gefordert.

Einmal vorrechnen bitte
Die berufliche Laufbahn starten Frauen wie Männer - nach dem Studium - mit einem ähnlichen Gehalt, erklärt das BPW.  Ab diesem Zeitpunkt ändert sich das aber. Das Einkommen ganzjährig vollzeitbeschäftigter Frauen liegt in Österreich laut Daten der Statistik Austria 25,5 Prozent unter dem vollzeitbeschäftigter Männer. Trotz identischer Ausbildung und vergleichbaren Jobs ergibt sich laut den Berechnungen durch die Plattform für Frauen eine Gehaltsdifferenz von 70.000 Euro in zehn Jahren. Bekommt eine Frau in dieser Zeit ein Kind, erhöhe sich der Unterschied sogar auf fast 95.000 Euro.

Dialog gefällig
"Der Equal Pay Day verfolgt das Ziel, den konstruktiven Dialog rund um das Thema Lohngleichheit zu fördern. Dazu sind Arbeitnehmer und Unternehmer gleichermassen gefordert. Denn Einkommensunterschiede wirken sich indirekt auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes aus. Weniger Einkommen fährt zu weniger Investitions-Spielraum und Konsum und zu einer verminderten Rücklagenbildung und Vorsorge", ist auf der bereits genannten Website nachzulesen. Und natürlich ist auch die Berechnungsart des Equal Pay Day aufgeführt, die da lautet:

Fehlerteufel
Männer verdienen im Durchschnitt 25,5 % mehr als Frauen. 52 x 5 Arbeitstage ergibt 260 Arbeitstage. 25,5 Prozent weniger Lohn gibt + 66 Tage Arbeit (260 : 100 x 25,5).  66 Arbeitstage im 2013 = 5. April. Verstanden? Im Nachbarland Deutschland wurde der Equal Pay Day am 21. März "gefeiert", da die deutschen Frauen um 22 Prozent weniger verdienen, als ihre männlichen Kollegen. "Die Rechnung stimmt jedoch nicht" , führt ein Spiegel-Journalist aus und verschiebt den Tag auf den  12. April oder 13. April. Interessierte können den Artikel und die Rechnung hier nachlesen. Nichtsdestotrotz ändert sich nichts an der Einkommensschere.

Drei Ursachen
Anlässlich des "falschen" deutschen Equal Pay Day hat die Frauenrechtlerin Henrike von Plate aufgezeigt, was sich alles ändern muss. Oder müsste. Denn Tatsache sei, dass durch die Verdiensteinbuße Frauen weniger Vermögen aufbauen können und deshalb "am Ende von einer Rente, die durchschnittlich 60 Prozent niedriger ist als die von Männern" leben.  Sie sieht drei Ursachen für den sogenannten Gender Pay Gap:

"Erstens die Teilzeitarbeit. Frauen kümmern sich noch immer hauptsächlich um die Familie, Kinderbetreuungsplätze fehlen. Zweitens Maßnahmen wie das Ehegattensplitting oder Betreuungsgeld, die dafür sorgen, dass es sich für Frauen finanziell oft gar nicht lohnt, ihre Erwerbstätigkeit nach einer Familienpause wieder aufzunehmen. Drittens werden Berufe, die überwiegend von Frauen ausgeübt werden, oft schlechter bezahlt."

Ihr Fazit: "Unser Ziel haben wir aber erst erreicht, wenn der Aktionstag sich selbst abgeschafft hat. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, dauert es nur noch 100 Jahre."

Den ganzen Artikel "Noch 100 Jahre bis zur Lohngerechtigkeit" von Henrike von Plate können Sie hier nachlesen