Ihre Zahlen und Faktern hat die Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung und Mission (KOO) auch heuer wieder mit dem Jahresbericht auf den Tisch - und damit offen - gelegt. Und die zeigen ganz klar: Österreichs kirchliche Organisationen haben im Jahr 2014 mit 97,44 Millionen Euro insgesamt 3.543 Projekte der Entwicklungsarbeit in 130 Ländern unterstützt.

Den gesamten Jahresbericht zum Nachlesen finden Sie hier in PDF-Form

„Im Mittelpunkt unserer  Tätigkeit stehen jene Menschen in den Entwicklungsländern, die mit unserer Hilfe ihre Lebensumstände  verbessern. Sie zeigen, dass eine erfolgreiche Entwicklungsarbeit möglich  ist", zeigt sich Bischof Dr. Ludwig Schwarz, Vorsitzender der Koordinierungsstelle darüber erfreut, dass die Menschen in Österreich Jahr für Jahr die Botschaft Jesu vom Teilen ernst nehmen. Dennoch fehlt es an Geld - und es wird immer weniger. Mit 0,26% des BNE fielen Österreichs Beiträge 2014 auf einen neuen Negativrekord, ist im Jahresbericht zu lesen. Seit 2010 wurden die staatlichen  Entwicklungshilfeausgaben laufend gekürzt – von über 100 Mio. auf zuletzt 77 Mio. Euro. Dass das Budget für 2014 gleich blieb, ist einer internen Umschichtung von multilateralen auf bilaterale Mittel und der Auflösung von  Rücklagen im Außenministerium zu verdanken.

Starker Rückgang
Für Bischof Schwarz, ist der starke Rückgang der öffentlichen Mittel um 3,67 Mio. auf 8,87 Mio. Euro ein Schritt in die falsche Richtung. Er fordert daher eine deutliche Steigerung der öffentlichen  Mittel und eine  Verbesserung der Rahmenbedingungen für NGOs und insbesondere  für  kirchliche Organisationen. Er  appelliert an die Bundesregierung  endlich die Verpflichtungen zur Erhöhung der  internationalen Hilfe (0,7%  vom BNE) einzuhalten und einen Stufenplan inklusive gesetzlicher Absicherung vorzulegen.

Dass erfolgreiche Entwicklungsarbeit möglich sei, zeigten die Menschen, die durch die Hilfe der 28 KOO-Mitgliedsorganisationen sowie der männlichen und weiblichen Missionsorden ihre Lebensumstände verbessern. Auch KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl sprach angesichts des Jahresergebnisses von einem "großartigen Zeichen internationaler Solidarität". Dennoch sei diese bei weitem nicht ausreichend, um die Not in vielen Ländern ausreichend zu lindern.

Fluchtursache bekämpfen, nicht die Flüchtlinge
Die aktuellen Fluchtbewegungen erinnerten daran, wie groß die Not in der Welt ist, betonte Hödl. Krisen wie die Bürgerkriege, der Staatenzerfall, Terrorismus und Armut in vielen Regionen würden jedoch nicht mit Zäunen an den EU-Außengrenzen oder Patrouillenbooten im Mittelmeer gelöst. "Wir müssen die Fluchtursachen bekämpfen, nicht die Flüchtlinge", so der KOO-Geschäftsführer, der zugleich auch Präsident des Weltdachverbandes der katholischen Hilfswerke (CIDSE) ist. Langfristige Programme seien nötig, die Flüchtlinge schützen und gleichzeitig Entwicklungsperspektiven für die heimische Bevölkerung bieten. Dabei seien alle Politikbereiche miteinzubeziehen - "von der Außen- und Sicherheitspolitik über Handel bis hin zu humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit".

Förderrückgang falscher Schritt
Die öffentliche Entwicklungshilfe ist von dieser Strategie allerdings weit entfernt, wie der Rückgang der öffentlichen Gelder an katholische Hilfswerke verdeutlicht. Im Zeitraum von 2000 bis 2014 gab es hier Kürzungen von 65 Prozent (von 25 auf 8,87 Millionen Euro), während die Eigenmittel der Organisationen um 35 Prozent anstiegen (von 65,5 auf 88,6 Millionen Euro). Der drastische Förderrückgang sei ein "Schritt in die falsche Richtung", betonte Bischof Schwarz, der die Bundesregierung dazu aufrief, endlich die Verpflichtungen zur Erhöhung der internationalen Hilfe (0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens) einzuhalten und einen Stufenplan inklusive gesetzlicher Absicherung vorzulegen. Die Rahmenbedingungen für NGOs und insbesondere für kirchliche Organisationen sollten zudem verbessert werden.

Adäquat zu den aktuellen Herausforderungen sollte die Regierung die Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe aufwerten und im Budget 2016 konkret verankern, so die Forderung der KOO. Für die Austria Development Agency (ADA) sollten 150 Millionen und für den Katastrophenfonds 20 Millionen Euro bereitgestellt werden.

50 Prozent der privaten Entwicklungshilfe
Dem KOO-Jahresbericht zufolge werden rund 50 Prozent der privaten Entwicklungshilfeleistungen (ODA) Österreichs von kirchlichen Organisationen eingebracht. Hödl sprach von effektiver Hilfe und sehr kosteneffizientem Mitteleinsatz, die durch die Zusammenarbeit mit verlässlichen Projektpartnern vor Ort einerseits und das hohe Engagement der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter der kirchlichen Organisationen andererseits ermöglicht werde. 17,13 Prozent betragen laut dem Bericht die Kosten für Projektvorbereitung, -begleitung und -durchführung, für Verwaltungsaufwand und Spendenwerbung sowie Spenderbetreuung, was geringfügig mehr als im Vorjahr (16,17 Prozent) sei.
 
Dichtes Netz
Weithin anerkannt ist laut dem KOO-Geschäftsführer, dass kirchliche Organisationen in krisengeschüttelten Ländern ärmere Bevölkerungsgruppen oft besonders gut und wirksam erreichen, u.a. durch ihr bestehendes dichtes Netz an Wohlfahrtseinrichtungen wie etwa Schulen oder Gesundheitsstationen. Die kirchliche Entwicklungszusammenarbeit genieße aus diesen Gründen hohe Anerkennung und Unterstützung bei Österreichs Bevölkerung, wie die hohen Sympathiewerte und die Spendenzuwächse der KOO-Mitgliedsorganisationen wie etwa die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar, der Caritas oder anderer Hilfswerke aufzeigten.

Zunehmende Bedeutung habe zudem das Engagement der KOO für eine verstärkte politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung, so Hödl. Unterstützt durch ihre internationalen Netzwerke, zeige die Koordinierungsstelle zum Beispiel alternative Entwicklungswege für die Umsetzung nachhaltiger gleichberechtigter Modelle der Gesellschaft und des Wirtschaftens auf. (red/kathpress).