Über die Wertigkeit von Noten und Elternvertrauen

"Und wieder einmal war  Zeugnistag
Nur diesmal, dacht' ich, bricht das Schulhaus samt Dachgestühl ein
Als meines weiß und hässlich vor mir lag
Dabei war'n meine Hoffnungen keineswegs hoch geschraubt
Ich war ein fauler Hund und obendrein
Höchst eigenwillig, doch trotzdem hätte ich nie geglaubt
So ein totaler Versager zu sein..." Zeugnistag: Reinhard Mey

Du genügst nicht

Schule prägt das Leben unserer Kinder wesentlich und wenn dann am Ende des Schuljahrs, ein oder mehrere "Nicht genügend" auf dem Zeugnis zu lesen sind, kann sich kein Kind der Kränkung entziehen. "Du genügst nicht", ist die klare Botschaft. Aber nicht nur die Kinder sind gekränkt und beschämt, auch die Eltern fühlen ähnliches. Meist haben sie mit den Kindern gelernt, mitgehofft und mitgelitten, doch auch das wird am Ende mit "Nicht genügend" beurteilt.

Diesen Schmerz der Unzulänglichkeit wollen Kinder und Eltern nicht fühlen, deshalb passiert es leicht, dass Eltern ihren Frust über die Situation in Anbetracht des Zeugnisses auf das Kind richten, düstere Zukunftsbilder malen und das Kind mit seinem Schmerz noch mehr alleine lassen.

Was Kinder brauchen

Wir wissen alle, was wir eigentlich nötig haben, wenn wir traurig und enttäuscht sind: Trost und Hoffnung. Kinder brauchen, wie wir Erwachsenen auch die Gewissheit, dass wir trotz allem wertvoll und richtig sind und unsere Möglichkeiten viel größer sind, wie das, was wir gerade leben. Dafür müssen Eltern ihre "Enttäuschungsgefühle" auf der Erwachsenenebene lösen und für ihre Kinder "Leuchttürme" sein, die Halt und Orientierung geben.

Erfolgreiche Schulversager

Vielen ist die berührende Geschichte von Thomas Alva Edison, einem der größten Erfinder des 20.igsten Jahrhunderts bekannt, der von seiner Mutter unterrichtet wurde, weil ihn die Schule als "behindert" abgestempelt hatte. Bill Gates (Unternehmensgründer), Paul Coehlo (Schriftsteller), Sido (Rapper) und auch der Liedermacher Reinhard Mey, sie und noch viele andere, wiederholten Klassen, verließen die Schule ohne Abschluss und wurden nach dem sie ihre Berufung gefunden hatten sehr erfolgreich.
Diese Lebensgeschichten geben Eltern und Kindern Mut. Die Schule entscheidet nicht über die Möglichkeiten, die das Leben für unsere Kinder noch bereithält.

Erfolg und Erfüllung

Ob verdient oder unverdient nun die negativen Noten sind, wir Eltern haben nicht die Aufgabe darüber zu urteilen. Wir haben aber die Macht unsere Kinder etwas zu lehren, dass am Ende wichtiger ist wie jede Schulnote, nämlich Vertrauen in das Leben zu haben. Das Leben mag mein Kind nicht mit überdurchschnittlicher Schulintelligenz ausgestattet haben, aber sicher mit einer Reihe von Fähigkeiten, die ihm selbst und der Gesellschaft dienlich sind, wenn sie erblühen dürfen. Und so richte ich als Mama oder Papa meinen Blick auf die Talente und Begabungen meines Kindes, damit diese erblühen und wachsen können.