„Weder ich noch irgendeiner meiner Freunde hat einen großartigen Bezug zur Kirche“, sagt die 25-jährige Journalistin Valerie Schönian. Eine Diagnose, die vermutlich viele Altersgenossen unterschreiben würden. Sonntags um zehn schläft man entweder noch den Stress der Woche aus oder trifft sich mit Freunden zum Brunchen. Vater, Sohn und Heiligen Geist haben da keinen Platz – man ist schon froh genug, wenn einem Flüchtlinge, Krisen und ein gewisser US-amerikanischer Präsident in der Timeline nicht zu nahe kommen.

Genau dahin bringt Schönian die heilige Dreifaltigkeit seit einem Jahr aber. „Valerie und der Priester“ heißt der Blog, der ihre Treffen mit Franziskus von Boeslager aufzeichnet, einem 38-jährigen Kaplan im Münsteraner Ortsteil Roxel. Sie, die Journalistin, folgt ihm in den Gottesdienst, auf Beerdigungen, in den Beichtstuhl – er, der Priester, besucht sie dafür in Berlin oder diskutiert mit ihr über Feminismus, Zölibat und Einsamkeit. Zehn „Kapitel“ ist diese Begegnung inzwischen lang; dazu gibt es Videos mit Leserfragen, verschiedene Features.

Gegen die Wand

Regelmäßig kommt es zum Clash, etwa beim Thema Homosexualität: „Das sind die Momente, in denen ich das Gefühl habe, gegen eine Wand zu rennen. Und ich verstehe, dass du das Gefühl hast von der anderen Seite dagegen zu rennen, weil wir uns unsere Punkte nicht gegenseitig klar machen können. Ich weiß, dass ich Recht habe. Du weißt, dass du Recht hast“, schreibt sie Boeslager in einem „Brief zur Halbzeit“.

Zeitgenössisches Erzählen

Dass der Blog diese Gegensätze da sein lässt, nicht einzuebnen versucht, ist seine große Stärke. Eine weitere: die durch und durch zeitgenössische Erzählkultur mit eingestreuten Videos, langen Podcasts und vielen, vielen Links. Hände hoch, wer von uns brunchenden Mitte-Ende-Zwanzigern hätte der katholischen Kirche das nicht zugetraut? Verantwortlich im Sinne des deutschen Presserechts ist für den Blog tatsächlich aber das Zentrum für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz.

„‘Valerie und der Priester‘“ sehe ich als Chance zwischen Realitäten zu vermitteln“, schreibt Schönian in ihrem Brief weiter. „Wir beide zeigen aber auch nur stellvertretend, dass es viele Menschen auf dieser Welt gibt, über die wir nichts wissen und uns trotzdem oft ein Urteil bilden. Vielleicht, weil wir einfach selten ins Gespräch miteinander kommen.“

Glaube? Gefällt mir.

Und von Boeslager? Freut sich, dass er auf diesem „verrückten priesterlichen Weg“ begleitet wird – und hofft, dass er es schafft zu vermitteln, „was für mich die Schönheit der Kirche und des Glaubens ausmacht“.

Mission accomplished, könnte man sagen: Die zugehörige Facebook-Seite hat, Stand 20.03., 16:59, 13.978 Gefällt-mir-Angaben, auf Twitter folgen 957 Menschen. Einige werden Valerie und ihren Priester vermutlich vermissen, wenn das Projekt demnächst zuende geht. Passen halt doch irgendwie ganz gut in die Timeline... diese Updates von Vater, Sohn und Heiligem Geist à la Schönian und Boeslager.