Es war nur eine Frage der Zeit – bis sich die, die sich zuerst gegen das Fleisch gewendet haben, gegen Milch, Zucker, Weizen, auch bei der ursprünglichsten aller Mahlzeiten ankommen würden: der Eucharistie. Der Vatikan is not amused.

An einer Wand hinter dem großen Besprechungstisch der Jungen Kirche hängt eine Postkarte: „Toleranz beginnt bei Laktose“ steht darauf. Schon lustig – wenn es nicht eigentlich so traurig wäre: Was haben wir hier im Westen eigentlich für ein Problem? Unsere Straßen sind sauber und (Ausnahmen bestätigen die Regel, Hamburg) friedlich. Die meisten von uns haben ein Dach über dem Kopf, eine Zentralheizung – und genug Geld für den täglichen Gang zum Supermarkt.

Und da? Lauert Gefahr, soweit das Auge reicht: In der Gemüseabteilung – denn wehe, der Bauer hat keine drei Handstände vollführt, bevor er die Karotten bei Mondschein aus der Erde zog. Das Molkereiregal – ein einziger Giftschrank aus Laktose, Fett und Zucker. Und der (Auf-)Bäcker vorne am Eingang verkauft – Gluten – den endgültigen Untergang des Abendlands.

Muss Spuren von Gluten enthalten

Der Vatikan hat diese Faxen dicke: Seit sich die Free-from-Hipster immer wieder auch an die Glaubenshüter wenden – mit der Frage, ob sie uns Christen eigentlich vergiften wollen mit diesen Glutenbomben namens Hostien, ist den Kardinälen der Kragen geplatzt.
Freundlich erinnern sie die besorgten Gläubigen an ein Schreiben Joseph Ratzingers, damaliger Präfekt der Glaubenskongregation, das bereits 2003 veröffentlicht wurde: „Hostien, die überhaupt kein Gluten enthalten, sind für die Eucharistie ungültige Materie“, steht darin zu lesen – schließlich müsse davon ausgegangen werden, dass Jesus sein letztes Abendmahl mit ungesäuertem Weizen- oder Gerstenbrot bestritten hat.
Auch, wenn die Nachfrage nach glutenreduzierten Hostien (= Hostien, die laut der EU-Lebenmittelverordnung als glutenfrei gelten, weil sie weniger als 20mg/kg des Klebereiweißes enthalten) gestiegen sei, wie die ORF-Redaktion bei Österreichs größter Hostienbäckerei in Erfahrung gebracht hat – hierzulande bäckt man sie nicht.

„Ja, aber – was ist mit denen, die wirklich kein Weizeneiweiß vertragen, weil sie zu jenem Prozent der Bevölkerung gehören, das an Zöliakie leidet?“, werden Sie jetzt fragen.
Denen reicht der Vatikan – ebenfalls bereits 2003 – den Kelch mit Wein: „Ein Gläubiger, der an Zöliakie leidet und dem es nicht möglich ist, unter der Gestalt des Brotes, auch nicht des Brotes mit wenig Gluten, zu kommunizieren, kann unter der Gestalt des Weines allein die Kommunion empfangen“, schrieb dereinst die Glaubenskongregation. Für Schwangere und andere Menschen, die keinen Alkohol vertragen, stehe konservierter Traubensaft bereit, dessen Gärung unterbrochen wurde.

Und was ist mit Gentechnik...?

Alle Zweifel beseitigt? Nicht ganz: Ein Punkt geht doch an die aufmerksamen Esser – denn in einer Neuauflage von Ratzingers Schreiben zu „Brot und Wein in der Eucharistie“ vergisst Kurienkardinal Robert Sarah laut ORF einen nicht ganz unwichtigen Punkt: Zwar warnt er vor Hostien-Bestellungen im Internet, weil dort auch gesüßte und gesäuerte Versionen kursierten, verliert aber kein Wort zur Vorsicht vor gentechnisch veränderten Zutaten für Brot und Wein. Und die müssen ja nun wirklich nicht sein.

Quelle: religion.orf.at / kathpress.at / red