Diese Woche hat eine Zeit begonnen, die für Muslime eine besondere Bedeutung hat: Der Ramadan. Nach der Maßgabe des Korans steht in diesen 30 Tagen die Selbstbeherrschung, die Übung des eigenen Willens und die Entdeckung Barmherzigkeit Allahs im Mittelpunkt. Vom 1. bis 29. August sollen Muslime tagsüber auf essen, trinken, rauchen und andere Genüsse verzichten.

Fasten ist für Muslime eine religiöse Pflicht - während des Fastenmonats Ramadan fasten Muslime/innen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Sie essen, trinken und rauchen in dieser Zeit nicht und enthalten sich auch sexueller Betätigung. Anfang und Ende der täglichen Fastenzeit ist heute durch präzise Zeitangaben geregelt. Zur gegebenen Stunde wird das Fasten mit einem Glas Milch und einigen Datteln gebrochen, was an die Bräuche der Nomaden erinnert. Damit das Fasten seinen Wert und Sinn hat, muss es in einer formulierten Intention (Absicht) geschehen und es ist alles zu vermeiden, was es "brechen" könnte.

Religion "verpflichtet"
Das Fasten im Monat Ramadan ist für alle Muslime verpflichtend, wobei im Koran Ausnahmen festgelegt sind. Alle, die die Pubertät hinter sich haben und sich guter Gesundheit erfreuen, sind zum Fasten angehalten. Ausnahmen sind Diabetiker sowie physisch oder psychsich kranke Menschen. Für Frauen gelten besondere Regeln: Schwangere oder stillende Mütter (wenn sie um ihre eigene oder die Gesundheit ihres Kindes fürchtet) müssen nicht fasten. Frauen die ihre Regel haben, dürfen für diese Zeit das Fasten unterbrechen, sollten aber diese Tage vor Beginn des nächsten Ramadan wieder "einholen".

"iftar" und "fadschr"
Das Fasten wird dem Tag, das Fastenbrechen hingegen der Nacht zugeordnet, welches auch "iftar" genannt wird. Wenn die Nacht anbricht, wird das Fasten mit einer guten Mahlzeit gebrochen. Der Koranvers verlangt den Fastenbeginn bei Morgendämmerung (fadschr), und zwar dann, wenn die ersten Hell- bzw. Dunkelwerte voneinander zu unterscheiden sind. In den Nächten des Ramadan soll zudem gemeinsam gebetet werden, auch "tarawih" genannt. Die Koranlesung wird traditionellerweise am 27. Tag des Ramadan eingestellt - dann gedenkt man in einem Fest der Offenbarung des Korans, die Mohammed in der "Nacht des Schicksals" erhalten hat.

Fasten bringt die Seele in die Nähe Gottes
Der Ramadan ist eine Erfahrung von Hunger und Durst, die die Gläubigen an die Armen und die Armut erinnern soll, was durch die Vorschrift des Almosengebens, das in den frühen Tradition des Islam verwurzelt ist noch verstärkt wird. Spirituell gesehen, ist das Fasten eine Einladung zur Übung der Selbstbeherrschung und des Willens. Das soll die Aufgabe der Gläubigen, Boten der Barmherzeigkeit Gottes zu sein, klarer und deutlicher machen soll. Das körperliche Fasten führt auch zum Fasten des Herzens und bringt die Seele in die Nähe Gottes. Auf diese Weise arbeitet der Gläubige an sich selbst, entwickelt und entfaltet seine Begabungen des Gutseins, des Wohltätigkeit, Geduld, Ausdauer, Gerechtigkeit, Solidarität und Brüderlichkeit und bekämpft gleichzeitig seinen Egoismus, Eifersucht, Neid und andere schlechte Haltungen und Einstellungen.

Das Fest des Fastenbrechens, mit dem die 30-tägige Fastenzeit ihren Abschluss findet, wird in den ersten drei Tagen des Folgemonats gefeiert. Es ist eines der beiden Hauptfeste des Islam.
Heuer dauert der Ramadan vom 1. August bis zum 29. August.

 

Von Simone Rinner veröffentlicht am 01.08.2011

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