In den ersten drei Jahrhunderten des Christentums gab es keine eigenständige christliche Sakralarchitektur. Die Christen waren in dieser Zeit nicht ständig verfolgt, aber als juristisch nicht anerkannte Gemeinschaft durften sie keine öffentlichen Gebäude besitzen. Noch im 3. Jahrhundert waren die Gottesdiensträume reine Zweckbauten ohne gestalterische oder repräsentative Ansprüche. Die äußere Gestalt der Orte für den Gottesdienst spielte in der Frühzeit des Christentums keine Rolle. Darin spiegelt sich nicht zuletzt die Auffassung einer Religion, der es um innere spirituelle und nicht um materielle Werte geht (vgl. oben zum Apostel Paulus).

Mit der Konstantinischen Wende (Mailänder Edikt von Kaiser Konstantin im Jahr 313) änderte sich sehr viel, denn nun erhält das Christentum öffentlich-rechtliche Anerkennung und gleichzeitig ideelle und finanzielle Unterstützung seitens des Kaisers. Im Jahr 380 wird unter dem oströmische Kaiser Theodosius I. und dem weströmischen Kaisers Valentinian II. das Christentum sogar zur Staatsreligion erklärt.

Kaiser Konstantin selbst stiftet mit der Lateranbasilika den ersten christlichen Sakralbau und wenn ein Kaiser etwas macht, dann wird nicht gekleckert. Der Baubeginn dieser repräsentativen fünfschiffigen Monumentalarchitektur, innen mit kostbaren Marmorinkrustationen (Einlegearbeiten) ausgeschmückt, ist bereits mit 315 n. Chr. anzusetzen. Die Basilika San Giovanni in Lateran trägt deshalb bis heute den Titel „Omnium urbis et orbis ecclesiarum mater et caput“ – Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt Rom und des Erdkreises. Es war aber nicht Konstantins einziger Kirchenbau, u.a. geht auch der erste Petersdom auf den Kaiser selbst zurück; während er selbst ein eher pragmatisches Verhältnis zum Christentum hatte.

Über die Konstantinische Wende ist viel geredet und geschrieben worden, manche halten sie für den großen kirchlichen Sündenfall. Die Geschichte ist immer so, wie sie war. Wir können sie nicht ändern und irgendwann werden die Diskussionen auch müßig. Fakt ist, dass im 4. Jahrhundert eine große Tradition christlicher Kirchenbauten begründet wurde, die Ort und Ausdruck des Glaubens der Menschen waren. Braucht der gläubige Mensch Zeichen, Bilder, Räume, die seinen Glauben repräsentieren, ihm im Glauben äußere Stütze sein können? Die Radikalität Jesu in den Evangelien würde diese Frage vielleicht verneinen (Was braucht ihr Zeichen und Wunder...). Andererseits gibt es keine Religion, die auf Dauer ohne Kult und symbolische Repräsentation überlebt hat.