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Friedl Kaufmann /
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Der Sonntag

Unser Jahr hat einen Rhythmus mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter. In diesen Rhythmus sind wir eingebettet. Darauf können wir uns verlassen. Feiertage wie Weihnachten, Ostern oder Pfingsten unterbrechen diesen Rhythmus und heben das Besondere, das Göttliche heraus.

Unser Leben braucht Unterbrechungen, um dem auf die Spur zu kommen, was unserem Leben Sinn und Qualität gibt. Ausflüge, Urlaube, Feste oder verschiedenste Treffen helfen uns, das neu sehen zu lernen, was unser Leben ausmacht.

Mit dem Fest der Taufe des Herrn am vergangenen Sonntag haben wir den Weihnachtsfeistkreis abgeschlossen. Jetzt ist es wieder die Woche und vor allem der Sonntag, der den Rhythmus angibt. Der Sonntag unterbricht den gewohnten Takt der Woche. Nach sechs Werktagen, die vom Tun, Planen und Arbeiten geprägt sind, kommt ein Tag, der anders funktioniert.

 

Seht – das Lamm Gottes!

Im Evangelium dieses Sonntags begegnet uns Johannes der Täufer. Viele sind zu ihm an den Jordan gekommen, um neue Orientierung und einen neuen Blick auf das zu bekommen, was wesentlich ist. Er richtet den Blick nicht auf sich selber, sondern deutet auf Jesus hin – weil er in ihm jemanden sieht, der dem Leben Qualität und Kraft geben kann. Nicht: „Hört mir zu.“ Nicht: „Folgt mir.“ Sondern, als er Jesus in der Menge sieht: „Seht – das Lamm Gottes.“

 

 

Das Bild vom Lamm ist tief in der jüdischen Tradition verwurzelt. Es erinnert an das Paschafest, an den Auszug aus Ägypten, an Befreiung und Neubeginn. Das Lamm steht für Unschuld und Hingabe, für ein Leben, das gegeben wird, damit andere leben können.

Wenn Johannes Jesus als „Lamm Gottes“ bezeichnet, sagt er: In diesem Menschen erfüllt sich Gottes Rettungshandeln. Gott ist nicht fern, nicht abstrakt – er ist mitten in der Geschichte angekommen. Noch deutlicher wird es mit dem Zusatz: „Er ist der Sohn Gottes.“ Jesus ist nicht nur ein Lehrer oder moralisches Vorbild. In ihm begegnet uns Gott selbst – menschlich, berührbar, verletzlich. Nicht als mächtiger Herrscher, sondern in der Gestalt der Schwachheit.

Das widerspricht vielen Erwartungen damals wie heute. Wir suchen Stärke, Durchsetzungskraft und Erfolg. Gott aber zeigt sich in Liebe, Hingabe und Vertrauen

 

Der Sonntag

Dafür will uns der Sonntag sensibilisieren. Der Sonntag ist mehr als eine Pause für den Körper. Er ist eine Einladung zum Innehalten, zum Aufatmen, zum Neu-Ausrichten. In einer Welt voller Lärm, Termine und Erwartungen eröffnet er einen Raum, in dem nicht Leistung zählt, sondern Begegnung – mit anderen und mit sich selbst, mit Gott – dadurch kann der Sonntag zu einem Feiertag werden und bleibt nicht nur ein freien Tag.

Kulturhistorisch und theologisch ist der Sonntag der erste Tag der Woche. Für die ersten Christen war der Tag der Auferstehung so zentral, dass er zum wöchentlichen Ruhetag wurde – ein kleines Ostern jede Woche, ein Tag der Hoffnung, der erinnert: Tod und Dunkelheit haben nicht das letzte Wort. Das Leben ist stärker.

 

Mit Gott in Berührung

Natürlich gibt es viele gute Gründe, den Sonntag unterschiedlich zu gestalten: ausschlafen, Zeit mit der Familie verbringen, einen Ausflug machen, Sport ... All das kann helfen, den Kopf freizubekommen. Vielleicht tut es uns gut, von Zeit zu Zeit – um im Bild des Evangeliums zu sprechen – zu Johannes an den Jordan zu gehen mit der Sehnsucht nach etwas Göttlichem. Vielleicht brauchen auch wir den Hinweis: „Seht, das Lamm Gottes. Er ist der Sohn Gottes.“ Wo das geschieht, bleibt es nicht folgenlos. Wer mit dem Heiligen in Berührung kommt, bleibt nicht unberührt.

 

Gott im Alltag

Diese Erfahrung ist kein Selbstzweck. Sie will hineinwirken in den Montag. Die Frage lautet deshalb: Welche Bedeutung hat der Sonntag für unseren Glauben am Montag bzw. im Alltag? Was nehmen wir mit in die neue Woche? Der Sonntag erinnert daran, dass wir nicht die Machenden und Leistenden sind, sondern die Beschenkten, dass unser Wert nicht davon abhängt, was wir produzieren, sondern dass wir geliebt sind.

 

„Seht!“ Dieser Hinweis gilt auch heute. Er lädt ein, den Blick zu heben – weg von Angst und Leistungsdruck, hin zu Vertrauen und Hoffnung. Ein afrikanisches Sprichwort bringt es auf den Punkt: „Gib den Füßen Ruhe, aber auch dem Herzen.“

 

Friedl Kaufmann

Veröffentlicht am 13.03.2026
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