
Kunst: der Bestand als Ausgangspunkt
Die Kunst ging ihren eigenen Weg, indem sie performativ mit dem Bestand arbeitete: Die Kreuzwegstationen der alten Kirche hängte sie in die neue Kirche, jene der neuen Kirche platzierte sie zu den Kirchgängerinnen in die Bänke, unter sie. In der neuen Kirche machten Papierbahnen die Achsen und die Raumhöhe entlang des Mittelgangs neu erlebbar, während verhüllte Seitenaltarfiguren deren Präsenz und Dimension bewusst werden ließen. Sie schuf aber auch eine Lounge in der Empore, da sie hier dem Sakralraum und der persönlichen Andacht am wenigsten störend ist, gleichzeitig eine Einladung in die Kirche schafft. Unter der Empore inszenierten die Studierenden zudem alte Kunstwerke aus dem Depot mit Verpackungsmaterial – unter dem Motto „Neue Kunst bildet den Raum für die alte Kunst". Weiter gedacht wurde auch mit dem Vorschlag einer Künstlerresidenz: ein Gästezimmer im Pfarrhof, mit eigenem Zugang und Gemeinschaftsküche, das Künstlerinnen kostenlos zur Verfügung gestellt werden könnte, um mit einer eigenen Installation den Sakralraum auf seine Sakralität hin zu befragen und zu stärken.
Architektur: Raum testen, öffnen, begrünen
Die Architektur provozierte und testete den Raum mit verstellbaren Gerüstebenen und einer langen Tafel aus alten, nicht mehr genutzten Altären in der alten Pfarrkirche. Eine neue Türöffnung zum Kirchplatz soll zudem die Achse zur neuen Kirche stärken. In der neuen Pfarrkirche öffneten die Studierenden den Raum mit flexiblen Glaselementen zwischen den bestehenden Pfeilern und schufen mit einem Bachlauf quer durchs Kirchenschiff und mit Bepflanzung, die teilweise durch die Decke wächst, einen ökologischen Beitrag zur Raumklimasteuerung – gedacht als eine Art öffentlicher Gewächshausgarten. Auch den Außenraum ließen sie nicht unbemerkt: Durch neue Wegführungen, vom Kreisverkehr beginnend über das ganze Areal hinweg bis zum Waldfriedhof, schufen sie öffentliche Begegnungszonen, die von lebendigen Bereichen bis hin zu bewusst ruhig gehaltenen Rückzugszonen reichen.

