
Lieber Vikar Gerold, wenn du an deinen Beginn im Pfarrverband zurückdenkst – wie hast du diese erste Zeit erlebt?
Gerold Reichart: Einen unmittelbaren Bezug zum Pfarrverband Göfis-Satteins hatte ich anfangs nicht. Ich bin damals ganz offen gekommen, ohne genaue Vorstellung davon, was mich erwarten würde. Generalvikar Rudolf Bischof hat mich gebeten, diese Aufgabe zu übernehmen, und ich habe gerne zugesagt. Gleichzeitig war schnell spürbar, dass alle Beteiligten in den Pfarren ihren gemeinsamen Weg erst finden mussten. Es gab keine feste Rollenbeschreibung – vieles ist im Miteinander gewachsen. Schritt für Schritt haben wir herausgefunden, wie eine gute Zusammenarbeit gelingen kann.
Was hat diese sieben Jahre für dich besonders geprägt?
Gerold Reichart: Vor allem die vielen schönen Begegnungen, im Alltag, nach den Gottesdiensten, bei Besuchen und in besonderen Momenten des Lebens. Ich denke an lebendige Feiern, die wir gemeinsam gestaltet haben, und an Situationen, in denen Menschen Trost gebraucht haben, gerade bei Beerdigungen.
Die Begleitung in Zeiten der Trauer ist eine sehr sensible Aufgabe. Was war dir dabei besonders wichtig?
Gerold Reichart: Zuhören. Jede Familie ist anders, jede Situation einzigartig. Ich habe versucht zu spüren, wo die Menschen stehen und was sie brauchen, ohne sie zu überfordern. Manchmal habe ich bewusst andere Formen gewählt, etwa Wortgottesfeiern, wenn das für die Angehörigen stimmiger war. Es geht darum, gemeinsam einen Weg zu finden.
Gab es auch Momente, die dich besonders gefordert haben?
Gerold Reichart: Natürlich. Es gab Gespräche, die nicht einfach waren, und Sitzungen, die Geduld gebraucht haben. Wo Menschen zusammenarbeiten, entstehen auch Reibungen. Wichtig ist, im Gespräch zu bleiben und gemeinsam weiterzugehen. Auch daraus kann Gutes wachsen.
Ein Thema, das viele beschäftigt: Es wird schwieriger, Menschen für die Mitarbeit zu gewinnen. Wie siehst du das?
Gerold Reichart: Göfis ist eine lebendige Pfarrgemeinde mit viel Eigeninitiative. Da läuft vieles sehr selbstständig. Aber ja, das ist eine Herausforderung, die wir überall spüren. Umso wichtiger ist es, junge Menschen einzubinden. Ich habe mich immer gefreut, wenn neue Engagierte dazukamen, etwa über die Erstkommunion, wenn wir danach neue Ministrantinnen und Ministranten anlernen konnten oder wenn der sehr aktive Pfarrgemeinderat neue Leute angesprochen hat. Das macht Hoffnung.
Was hat dir in all den Jahren Kraft gegeben?
Gerold Reichart: Mein Glaube, die Verbindung zu Jesus, dem guten Hirten. Und auch die Rückmeldungen der Menschen. Wenn ich spüre, dass Worte berühren oder helfen, gibt mir das viel Kraft.
Wo hast du noch Ausgleich gefunden?
Gerold Reichart: Früher war ich viel in den Bergen unterwegs. Das war ein wichtiger Ausgleich. In den letzten Jahren ist das gesundheitsbedingt weniger bzw. unmöglich geworden, aber ich habe die Gartenarbeit für mich entdeckt. Und natürlich das Singen im Chor, besonders Gospellieder, ist für mich eine große Freude.

Nun beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Mit welchen Gefühlen gehst du in den Ruhestand?
Gerold Reichart: Mit Dankbarkeit und mit dem Gefühl, dass es jetzt gut ist. Mein Körper zeigt mir, dass ich kürzertreten soll. Ich freue mich darauf, mehr Zeit zu haben und Dinge ruhiger anzugehen. Im Herbst 2026 habe ich zum Beispiel eine Reise in meine ehemalige Studentenstadt Rom geplant.
Gänzlich zurückziehen wirst du dich aber nicht?
Gerold Reichart: Nein, ich helfe aus, wenn ich angefragt werde und es mir gesundheitlich möglich ist.
Zum Abschluss: Was möchtest du den Menschen in Göfis und Satteins noch mitgeben?
Gerold Reichart: Haltet zusammen! Bringt eure Gaben ein! Kirche lebt davon, dass viele mitwirken, jeder auf seine Weise. (Vgl. Röm 12)
Das Interview führte Andreas Haller
Mag. Gerold Reichart
• geboren 1958 in Bregenz
• Theologiestudium in Innsbruck und Rom (Magister 1982)
• Priesterweihe am 20. Mai 1983 in Dornbirn und Primiz in Schwarzach
• Stationen: Kaplanstellen in Bregenz und in Lustenau, dann Pfarrer in Bludesch, von 2000 bis 2013 Krankenhausseelsorger im LKH Feldkirch mit der Ausbildung der KSA am Klinikum Salzburg, Pfarrer in Dornbirn und Pfarrvikar in Frastanz, von 2019 bis 2026 Pfarrvikar im Pfarrverband Göfis-Satteins.
• Hobbys: Chorsingen, Bergwandern, Gartenarbeit
• Primizspruch: „Herr, auf dich vertraue ich. In deine Hände lege ich mein Leben.“ Psalm 31